DxO ViewPoint 6: Geometriekorrekturen mit KI-Masken

DxO hat Version 6 der Software ViewPoint veröffentlicht, mit der Fotografen Objektivverzeichnungen, stürzende Linien und unnatürlich gestreckte Motive korrigieren können. Wichtigste Neuerung sind KI-gestützte Masken für das Werkzeug „ReShape Fusion“. Damit lassen sich einzelne Bildelemente gezielt verformen, ohne die Geometrie des gesamten Fotos zu verändern. Neu sind außerdem die direkte Verarbeitung von Raw-Dateien und die nicht-destruktive Bearbeitung in der eigenständigen Anwendung.
ViewPoint korrigiert drei typische geometrische Probleme. Bei der Objektivverzeichnung erscheinen gerade Linien beispielsweise tonnenförmig nach außen gewölbt. Die Software gleicht solche Abbildungsfehler anhand der im Labor vermessenen Kamera-Objektiv-Kombinationen automatisch aus. Perspektivische Verzerrungen entstehen unter anderem, wenn Fotografen ihre Kamera nach oben neigen und die senkrechten Linien eines Gebäudes im Bild zusammenlaufen. ViewPoint richtet diese Linien automatisch oder anhand manuell gesetzter Referenzpunkte aus. Die dritte Korrektur betrifft die Volumendeformation: Bei Weitwinkelaufnahmen erscheinen Personen am Bildrand häufig unnatürlich breit oder in die Länge gezogen. ViewPoint kann ihre ursprünglichen Proportionen horizontal, vertikal oder in beiden Richtungen annähern.
Lokale Korrekturen mit KI-Unterstützung
Die neuen KI-Masken erweitern das bereits vorhandene Werkzeug „ReShape Fusion“. Fotografen ziehen zunächst einen Rahmen um das Motiv, das sie verändern möchten. Die künstliche Intelligenz (KI) erkennt dessen Konturen und passt ein Gitternetz mit Kontrollpunkten daran an. Dieses Netz lässt sich anschließend lokal verfeinern. Einzelne Punkte können verschoben, ein- oder ausgeschaltet werden. Zudem lässt sich bestimmen, wie weit eine Veränderung auf die Umgebung übergreift. So kann ein schief erscheinendes Gebäude aufgerichtet werden, ohne die gesamte Aufnahme perspektivisch zu entzerren. In der Vorversion war das Gitternetz noch als gleichmäßiges Raster über das ganze Bild verteilt.

Das Werkzeug erlaubt darüber hinaus, einzelne Motive innerhalb des Bildes zu verschieben oder ihre Größe zu verändern (Move and Resize). Da die Korrekturen lokal erfolgen, bleibt der ursprüngliche Bildausschnitt in vielen Fällen erhalten. Bei einer herkömmlichen Perspektivkorrektur muss dagegen häufig ein Teil des Bildrandes abgeschnitten werden.

Auch ein Gesicht am Rand eines Gruppenfotos lässt sich in seinen Proportionen korrigieren, ohne die Personen daneben gleichermaßen zu verformen (Korrektur der Volumendeformation).
Die KI übernimmt ausschließlich die Auswahl der Bildelemente. Die geometrischen Veränderungen steuert weiterhin der Anwender. DxO betont, dass ViewPoint dabei vorhandene Pixel lediglich verschiebt und verformt, ohne neue Bildinhalte zu generieren.
Raw-Bearbeitung und weitere Neuerungen
Die eigenständige Version von ViewPoint 6 kann erstmals Raw-Dateien direkt öffnen. Eine vorherige Konvertierung in TIFF oder JPEG ist nicht mehr erforderlich. Beim Öffnen verwendet die Software DxOs Farbraum „Wide Gamut“ und passende Kameraprofile. Objektivverzeichnungen korrigiert sie anhand der DxO-Module automatisch.
Neu sind außerdem Regler für Belichtung und Weißabgleich. Die Belichtung lässt sich um bis zu vier Lichtwerte in beide Richtungen korrigieren. Bei Raw-Dateien stehen für den Weißabgleich Voreinstellungen, Regler für Farbtemperatur und Tönung sowie eine Pipette zur Verfügung. Für JPEG- und TIFF-Dateien bietet ViewPoint einen einzelnen Weißabgleichsregler und ebenfalls eine Pipette.
Auch die nicht-destruktive Bearbeitung gehört zu den Neuerungen. ViewPoint speichert sämtliche Korrekturen fortlaufend in separaten Begleitdateien, sogenannten Sidecar-Dateien. Die Originalbilder bleiben unverändert, und Fotografen können ihre Bearbeitung nach dem Schließen des Programms jederzeit fortsetzen. Die Sidecar-Dateien sind von denen aus DxO PhotoLab getrennt. Fertige Bilder lassen sich als JPEG oder als TIFF mit 8 beziehungsweise 16 Bit Farbtiefe exportieren.

Zum bisherigen Funktionsumfang gehören außerdem die Horizontkorrektur und ein Miniatureffekt, der durch gezielte Unschärfe den Eindruck einer Modelllandschaft vermittelt.
DxO ViewPoint 6 ist für Windows und macOS als eigenständiges Programm sowie als Plug-in für Adobe Photoshop, Lightroom Classic und Capture One erhältlich. In DxO PhotoLab 10 sind die Werkzeuge direkt integriert. Eine neue Lizenz kostet 120 Euro, das Upgrade von Version 5 auf Version 6 ist für 75 Euro erhältlich. Eine kostenlose Testversion lässt sich 30 Tage lang nutzen. Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten von DxO.





