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Hollywood-Star bringt Panoramakamera zurück: Jeff Bridges und die WideluxX – Comeback einer Legende

Hollywood trifft hessische Präzision: Die ARD-Dokumentation „Jeff Bridges’ analoges Abenteuer“ erzählt, wie der Oscar-Preisträger gemeinsam mit seiner Frau Susan und der Redaktion von Silvergrain Classics die legendäre Widelux-Kamera aus der Versenkung holt. Die Geschichte beginnt mit einem Problem, das viele Analogfotografen kennen: Die eigene Lieblingskamera gibt den Geist auf, Ersatz ist nicht in Sicht. Doch statt sich dem digitalen Mainstream zu beugen, startet Bridges ein Projekt, das die Grenzen zwischen Filmset und Werkbank, zwischen Kalifornien und Bad Nauheim, zwischen Prominenz und Tüftlergeist auflöst. Die Doku verspricht nicht weniger als die Wiedergeburt einer Ikone – und liefert damit reichlich Diskussionsstoff für alle, die sich ernsthaft mit Fotografie und Kameratechnik beschäftigen.

Mission Widelux: Zwischen Hollywood und Hessen

Im Zentrum steht der Versuch, die Widelux wiederzubeleben – eine Panoramakamera, die seit 1958 für ihren einzigartigen Bildlook geschätzt wird. Nach dem Brand der Panon Camera Shoko-Fabrik im Jahr 2000 galt das Modell als ausgestorben. Bridges, der seit den späten 1970er-Jahren mit der Widelux an Filmsets arbeitet und mehrere Bildbände veröffentlicht hat, sucht nach einer Lösung. Die Rettung kommt ausgerechnet aus Bad Nauheim, wo Charys Schuler und Marwan El Mozayen von Silvergrain Classics nicht nur journalistisches Interesse zeigen, sondern sich als Mitstreiter und schließlich als Mitgründer der SilverBridges GmbH einbringen. Gemeinsam gelingt es, die WideluxX in einer limitierten Auflage von 350 Exemplaren neu aufzulegen.

Technik, die begeistert – und fordert

Die WideluxX bleibt dem Original treu, setzt aber auf moderne Fertigung und Präzision. Das Herzstück ist die Schwenkoptik: Während der Belichtung rotiert das Objektiv mechanisch und projiziert das Bild auf einen 35mm-Film, wodurch ein Panorama mit einem Bildwinkel von etwa 140 Grad entsteht. Diese Technik verlangt höchste Genauigkeit bei der Fertigung, da bereits kleinste Toleranzen zu Bildfehlern führen können. Die Herausforderung: Nach dem Verlust aller Baupläne und Fertigungsunterlagen mussten sämtliche Komponenten neu konstruiert und angepasst werden. Die Kamera ist damit nicht nur ein Werkzeug für Liebhaber, sondern auch ein Statement für handwerkliche Exzellenz und Ingenieurskunst. Ihr Preis von 5.200 Euro spiegelt den Aufwand und die Exklusivität wider.

Silvergrain Classics: Von der Redaktion zum Motor des Projekts

Die Rolle von Silvergrain Classics kann kaum überschätzt werden. Was als journalistische Begleitung begann, entwickelte sich zu einer technischen und organisatorischen Schlüsselposition. Schuler und El Mozayen trieben nicht nur die Entwicklung voran, sondern sorgten auch für die notwendige Vernetzung zwischen den Welten von Hollywood und hessischer Werkstatt. Ihr Engagement zeigt, wie viel Einfluss eine engagierte Redaktion auf die Praxis der Fotografie nehmen kann – und wie aus Berichterstattern Brückenbauer und Unternehmer werden.

Pathos und Präzision: Die Gratwanderung der Inszenierung

Große Uraufführung des Dokumentarfilms mit mehreren hundert Gästen und den Protagonisten im hr-Sendesaal in Frankfurt
Große Uraufführung des Dokumentarfilms mit mehreren hundert Gästen und den Protagonisten im hr-Sendesaal in Frankfurt

Die Dokumentation von Ingo Schmoll setzt auf große Emotionen und Pathos, was dem Thema zwar Aufmerksamkeit verschafft, aber gelegentlich die technische Tiefe überlagert. Die Faszination für das Analoge, die Freundschaft zwischen den Protagonisten und die Rückschläge auf dem Weg zur neuen WideluxX werden mit viel Gefühl inszeniert. Für ein Publikum, das sich vor allem für die technischen und handwerklichen Aspekte interessiert, bleibt der Wunsch nach mehr dokumentarischer Klarheit und weniger emotionaler Überhöhung. Die Stärke des Films liegt dennoch in der Nähe zu den Akteuren und der Darstellung des Projekts.

Hoffnung auf Liebhaber und Sammler

Die WideluxX ist kein Massenprodukt, sondern richtet sich an eine kleine, aber leidenschaftliche Zielgruppe. Der hohe Preis und die limitierte Stückzahl machen sie zum Sammlerstück und Werkzeug für Puristen. Es bleibt zu hoffen, dass sich genügend Fotografen finden, die bereit sind, in diese Kamera zu investieren und damit ein Stück Fotografiegeschichte lebendig zu halten. Die Renaissance der analogen Technik lebt von solchen Projekten. Und von Menschen, die bereit sind, für ihre Überzeugung auch wirtschaftliche Risiken einzugehen.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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