FotografieSoftware

DaVinci Resolve verbessert die Qualität des Raw-Entwicklers

Eine RAW-Datei aus einer Fujifilm GFX, vor Kurzem noch selbstverständlich auf dem Weg nach Lightroom, landet neuerdings anstandslos in einem Programm, das eigentlich für Kinofilme gebaut wurde: Blackmagic Design hat DaVinci Resolve in der Version 21.1 vorgelegt, und die Neuerungen betreffen ausgerechnet die erst kürzlich hinzugekommen Foto-Seite, jene Ecke der Software, die man lange für ein höfliches Beiwerk halten durfte.

Nun liest Resolve native RAW-Dateien der Fujifilm-GFX- und -X-Serie, der Leica-SL-Reihe und der Sony A7R VI direkt ein, ohne den Umweg über eine Konvertierung. Dazu kommen Korrekturen, wie man sie bisher vom klassischen RAW-Entwickler erwartete und nicht vom Schnitttisch: DNG-Profile gegen Verzeichnung, chromatische Aberration und Randabschattung, dazu überarbeitete Schärfung nach der RAW-Umwandlung. Und, kleine Wohltat für jeden, der schon einmal eine ganze Bearbeitung wegen eines einzigen Reglers verworfen hat: Einzelne RAW-Parameter lassen sich jetzt gezielt zurücksetzen, ohne den Rest der Anpassungen mitzureißen.

Der Rest liest sich wie das Pflichtenheft eines ambitionierten Fotoprogramms. Die Studio-Fassung fesselt Kameras von Fujifilm, Leica und Sony nun auch per Tethering an den Rechner, bislang eine Domäne von Canon und Sony. Tastenkürzel für die Live-Ansicht während der Aufnahme lassen sich anpassen, die Bildeinstellungen wandern auf die hauseigenen Color Panels, und der Himmelaustausch, dieser dankbare Effekt der Bewegtbild-Welt, steht jetzt auch dem Standbild offen.

So gesehen ist 21.1 weniger ein Update als ein leiser Grenzübertritt. Blackmagic, groß geworden mit Farbkorrektur fürs Kino, baut Stück für Stück einen vollwertigen RAW-Konverter in ein Videoprogramm, das es weiterhin kostenlos verschenkt; die Studio-Version kostet einmalig 305 Euro, kein Abo weit und breit. Das ist die eigentliche Pointe. Während die Platzhirsche der Fotobearbeitung ihre Kundschaft ins Monatsabonnement führen, kommt die Konkurrenz aus einer Richtung, in die kaum jemand geschaut hat: vom Filmschnitt her.

Ob Fotografen ihre gewohnten Werkzeuge deshalb einmotten? Wohl kaum, jedenfalls nicht so schnell, und wer auf dem Mac mitspielen will, braucht ohnehin macOS 15 und Apple Silicon. Aber die Trennung zwischen Stehen und Bewegen, zwischen Entwickeln und Schneiden, war schon immer eher eine Frage der Software-Schubladen als eine des Bildes. Diese Schubladen werden gerade durchlässig.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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