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Bildkritik: Sonnenschirm ohne Schatten

Auch wenn wir nicht mehr so oft darauf hinweisen: Montagefehler gibt es nach wie vor. Ein besonders schöner ist mir gerade im Web auf der Seite der Firma Viva Gardea aufgefallen: ein Sonnenschirm, der ausgerechnet seiner einzigen Existenzberechtigung nicht nachkommt – nämlich der, einen Schatten zu werfen.

Viel zu schreiben gibt’s dazu eigentlich nicht. Dass bei dieser Abbildung etwas nicht stimmt, sollten Fotografen und Bildbearbeiter auf den ersten Block erkennen. Wie so oft wäre der Fehler gar nicht nötig gewesen, die Werbung für den Balkonbodenbelag hätte auch ohne Schirm funktioniert.

Wenn man den aber schon einmontiert, sollte einem doch eigentlich auffallen, dass ein paar Zentimeter daneben Schatten vom Balkongeländer sind. Nun ja, auch hier wusste der „Profi“ wahrscheinlich mal wieder nicht, wie das geht.

Und in der Tat ist es nicht einfach. Selbst KI scheitert meist an der Aufgabe, einen wirklich optisch korrekten Schlagschatten darzustellen. Photoshops neue Funktion „Harmonisieren“ (im Ebenen-Menü, nächste Abbildung) kann man in dieser Hinsicht weitgehend vergessen. Der hier generierte Möchtegern-Schatten hat mit den Beleuchtungsbedingungen der Szene nichts zu tun, seine Form ebenso wenig.

Aber wie ich habe den Schlagschatten rechts im Aufmacherbild dann erzeugt? Die übliche Vorgehensweise ist: Sie stellen das Objekt frei, das einen Schatten werfen soll. Dann duplizieren Sie die Ebene und schwärzen das Objekt auf der unteren Ebene. Danach drehen Sie es passend zur Lichtsituation und verzerren es ausgerichtet an der Perspektive der Szene. Am Ende stellen Sie die Deckkraft der Ebene passend ein und soften die Konturen ein wenig. Das Ergebnis (unten) ist oft besser als gar nichts, aber mit Ausnahme einer Kugel fast immer falsch.

Und wie bin ich nun vorgegangen? Dass ich nicht die eben beschriebene Methode verwendet haben, erkennen Sie schon daran, dass der Schatten des Schirmstiels sehr kurz ist. Kleiner Hinweis: In der aktuellen DOCMA finden Sie einen Beitrag von mir, der zwar nicht auf die Konstruktion eines Schattenwurfs eingeht, aber die Grundlagen dafür beschreibt, wie man das machen kann.

Das Tutorial, in dem ich die Vorgehensweise Step-by-Step ausführlich beschreibe, finden Sie in der kommenden DOCMA-Ausgabe 120.

Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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