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Fotofestival La Gacilly-Baden: Rekordsommer mit DOCMA-Beteiligung

Mit 304.557 Besuchern ist in der Nacht zum 12. Oktober die neunte Ausgabe von La Gacilly-Baden Photo zu Ende gegangen, die vier Monate lang unter dem Motto „So British!“ 1570 Fotografien in 38 Ausstellungen, von Don McCullin bis Martin Parr, in die Parks und Gassen von Baden bei Wien gebracht hat.

(von Links): Festivaldirektor Lois Lammerhuber, Bäckereibesitzer Manfred Schneider und Christoph Künne
(von Links): Festivaldirektor Lois Lammerhuber, Bäckereibesitzer Manfred Schneider und Christoph Künne

Die Backstube, die nie fotografiert wurde

Kein Brite, keine bedrohte Natur, nicht einmal eine Kamera: Die Arbeit, die am wenigsten in dieses Programm passte, gehörte trotzdem dazu. Manche der Gesichter darauf kennt man in Baden aus der Backstube oder von der Ladentheke. Auf den Bildern stehen dieselben Menschen zwischen Ofen, Teig und Mehl, allerdings in Szenen, die Jahrhunderte vor der Erfindung der Fotografie spielen.

„450 Jahre Backhaus Annamühle – Eine Kulturgeschichte in Bildern“ heißt die Serie von Christoph Künne. Für das Badener Traditionshaus von Manfred Schneider hat er die heutige Belegschaft mit generativer KI in die Geschichte ihres eigenen Betriebs versetzt, vom frühen Handwerk über die Bäckermeister des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Heraus kommt so etwas wie ein Familienalbum, das es nie geben konnte. Die Porträtierten leben heute, ihre Kulisse stammt aus Zeiten, in denen niemand einen Auslöser drücken konnte. Künne selbst nennt das Verfahren „eine Art digitale Malerei mit Worten“.

Botticelli hätte genickt

Neu ist der Kunstgriff nicht. Um 1475 malte Sandro Botticelli in seine „Anbetung der Könige“ Mitglieder der Familie Medici und, so die gängige Deutung, auch sich selbst. Stifter und Gönner ließen sich über Jahrhunderte in Szenen malen, bei denen sie unmöglich dabei gewesen sein konnten. Der Unterschied liegt im Material. Wer damals vor einem Altarbild stand, wusste, dass er ein Gemälde betrachtet. Das KI-Bild dagegen trägt das Gewand des Dokuments. Ist das nun Täuschung oder Erweiterung? Vermutlich beides, je nachdem, ob man das Bild als Zeugnis liest oder als Erzählung.

Eine britische Ahnin

Ganz so fremd, wie es scheint, war der Gast aus der Backstube dann doch nicht. Das Festival feierte zugleich den 200. Geburtstag der Fotografie und zeigte dazu die Cyanotypien der Engländerin Anna Atkins, die 1843 erstmals ein Buch mit Fotografien illustrierte. Auch ihre Algenbilder entstanden ohne Kamera, die Pflanzen lagen direkt auf lichtempfindlichem Papier. Zwischen Atkins’ Algen und Künnes Bäckern liegen 183 Jahre und dieselbe stille Provokation: Bilder, für die niemand durch einen Sucher geschaut hat. So gesehen hatte der Außenseiter seine Verwandtschaft gleich mit im Programm.

Auch an anderer Stelle mischte DOCMA mit. In der „Kiss Box“ des erstmals betriebenen Besucherzentrums konnten Paare ihren Kuss nach einer Methode des Wissenschaftlers und Fotografen Norbert Span sichtbar machen lassen, den man sonst von seinen Aufnahmen von Schneekristallen kennt. Dort erklärten Christoph Künne und Festivaldirektor Lois Lammerhuber der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, wie ein fotografierter Kuss aussieht.

Für das Festival selbst bleibt eine Bilanz mit 812 Medienberichten, 7,6 Millionen Euro Wertschöpfung, einer britischen Auszeichnung als „Photo Festival of the Year“ und einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss, bis 2029 weiterzumachen. Der frühere GEO-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede vermutet inzwischen, der Pokalschrank im Hause Lammerhuber sehe aus wie die Trophäenvitrine von Real Madrid.

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