FotografieTechnik

iPhone 18 Pro: Kleine Blende, großer Preis

iPhone 18 Pro und iPhone Duo mit Fotografenaugen: Wer ein iPhone 15 Pro besitzt, kann diese Runde getrost aussetzen.

Seit dem 9. September ist es offiziell. Vor der 48-Megapixel-Hauptkamera von iPhone 18 Pro und 18 Pro Max sitzen sechs lasergeschnittene Lamellen, jede dünner als ein menschliches Haar. Sie öffnen und schließen die Blende in vier Stufen: f/1,48, f/1,8, f/2,8 und f/4. Apple spricht von der fortschrittlichsten Kamera, die das Unternehmen je gebaut hat, und lässt sich den Fortschritt gut bezahlen. In Deutschland startet das 18 Pro bei 1449 Euro, 150 Euro mehr als der Vorgänger, das Pro Max bei 1599 Euro. Für Fotografen zählt allerdings nur eine Frage, nämlich was eine echte Blende vor einem Sensor ausrichtet, der kleiner ist als ein Daumennagel.

Physik schlägt Prospekt

Die Antwort fällt unsentimental aus. Apple nennt für die Hauptkamera wie gehabt 48 Megapixel mit 1,22 Mikrometer großen Pixeln. Rechnerisch ergibt das dieselbe Sensorfläche von rund 9,8 mal 7,3 Millimetern, die Apple seit dem iPhone 14 Pro verbaut. Auf Kleinbild umgerechnet entspricht f/1,48 bei der Schärfentiefe damit grob Blende 5, f/4 rund Blende 14. Wer hofft, Hintergründe künftig optisch statt per Porträtmodus in Unschärfe zu tauchen, sollte die Erwartungen niedrig halten: Zwischen f/1,48 und dem bisherigen f/1,78 liegt gerade eine halbe Blendenstufe. Am anderen Ende wartet die Beugung. Bei f/4 ist das Beugungsscheibchen gut viermal so breit wie ein einzelnes Pixel. Die 48 Megapixel verlieren also genau dort an Biss, wo die Blende mehr Schärfe in die Tiefe bringen soll.

Ein paar handfeste Vorzüge hat die Mechanik trotzdem. Die halbe Stufe mehr Licht hilft bei Nacht, weil die Kamera kürzer belichten kann. Wer filmt, kann die Belichtung erstmals regeln, ohne Verschlusszeit oder Empfindlichkeit anzutasten, auch wenn knapp drei Blendenstufen im prallen Sonnenlicht keinen Graufilter ersetzen. Und auf Gruppenfotos wird die letzte Reihe etwas schärfer. Das sind Verbesserungen, die man gern mitnimmt. Einen Gerätewechsel ab 1449 Euro rechtfertigen sie kaum.

Das Tourbillon im Telefon

Warum Apple dennoch sechs haardünne Lamellen in ein Telefon zwängt, erklärt ein Blick in die Uhrmacherei. Am 26. Juni 1801 erhielt Abraham-Louis Breguet das Patent auf das Tourbillon, einen rotierenden Käfig, der in Taschenuhren den Einfluss der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit ausgleichen sollte. In der Armbanduhr, die am Handgelenk ohnehin ständig ihre Lage wechselt, gilt der Nutzen als umstritten. Gebaut wird das Tourbillon trotzdem, und zwar teuer, weil es nach Handwerk aussieht und zeigt, dass hier jemand etwas kann. Zum 225. Jubiläum hat Breguet in diesem Sommer gleich vier neue Tourbillon-Uhren vorgestellt.

Apples Blende funktioniert ähnlich. Sie ist zuerst ein Zeichen, entliehen aus der Welt der Kameras mit Drehring und Rastung, und verleiht dem iPhone eine fotografische Glaubwürdigkeit, die das künstliche Auslösegeräusch seit jeher nur vorspielt. Ob das Zeichen hält, was es verspricht, ist eine andere Frage. Samsung hat sie schon einmal beantwortet: Das Galaxy S9 schaltete 2018 zwischen f/1,5 und f/2,4 um, mit dem Galaxy S20 verschwand die Mechanik zwei Jahre später wieder.

Sitzenbleiben ausdrücklich erlaubt

Symbole haben ihren Preis. Offen ist nur, wer ihn zahlen sollte. Wer ein iPhone 17 Pro besitzt, findet laut Datenblatt genau eine veränderte Kamera, nämlich die Hauptkamera. Ultraweitwinkel, 4-fach-Tele und Frontkamera bleiben, wie sie waren. Wer mit einem 15 Pro fotografiert, gewinnt zwar Auflösung bei Ultraweitwinkel und Tele, doch beides ist nicht neu: 48 Megapixel im Ultraweitwinkel gibt es seit dem 16 Pro, das 48-Megapixel-Tele seit dem 17 Pro. Das schafft Reserven für den Ausschnitt, verändert die Bildwirkung aber kaum. Und die Hauptkamera, mit der die meisten Aufnahmen entstehen, bekommt zwar einen neuen Sensor, aber Pixel derselben Größe.

Bleibt die künstliche Intelligenz, Apples zweites großes Versprechen. Die neue Siri AI soll Zusammenhänge verstehen, erfassen, was auf dem Bildschirm steht, und endlich ein brauchbarer Gesprächspartner sein. Ich persönlich wäre ja schon froh, wenn die automatische Rechtschreibkorrektur weniger fantasievoll auf meine Eingaben reagieren würde.

Auf iPhones in der EU bleibt sie vorerst außen vor, ein Termin für Europa steht aus. Auch die Sprachliste liest sich aus deutscher Sicht mager: Zum Start gibt es Englisch, im Oktober folgen Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch und Spanisch. Das stärkste Argument gegen den Kauf steht jedoch im Kleingedruckten. Siri AI läuft grundsätzlich schon ab dem iPhone 15 Pro. Wer auf die neue, sich schon so lange zierende Assistentin wartet, wartet mit dem alten Gerät also genauso gut.

Das Negativ entwickelt der Hersteller

Schwerer zu beurteilen sind die exklusiven Softwarefunktionen. Die neue Pro-Steuerung mit Verschlusszeit, Weißabgleich und Histogramm bindet Apple nach bisherigem Stand an die 18-Pro-Modelle. Für die Blende braucht es Lamellen, für Verschlusszeit und Weißabgleich nicht, und Drittanbieter-Apps bieten genau das seit Jahren auf älteren iPhones an. Die frei belegbaren Bedienelemente der Kamera-App bringt iOS 27 dagegen auf alle iPhones. Welche Funktion am Ende auf welchem Gerät landet, zeigt erst das iOS 27 Update ab dem 14. September.

Die interessanteste Neuerung steckt ohnehin anderswo. Mit „Apple Reference Image“ signiert der neue Sensor auf Wunsch jedes Pixel, das er erfasst. Aus diesen Daten entwickelt Apples Rechenzentrum ein unveränderliches Referenzbild, das in der Fotos-App wie ein digitales Negativ neben der bearbeiteten Fassung liegt. Für Fotojournalisten, die belegen wollen, dass ihr Bild echt ist, wäre das ein gewichtiges Argument. Ausgerechnet in der EU fehlt zum Marktstart aber die Aufnahmefunktion, ansehen lassen sich Referenzbilder dort lediglich.

Und die Konstruktion birgt ein Paradox. George Eastman brachte 1888 die erste Kodak auf den Markt, beworben mit dem Satz „You press the button, we do the rest“. Nach hundert Aufnahmen schickten die Kunden den ganzen Apparat samt Film ins Werk nach Rochester, wo entwickelt, abgezogen und neu geladen wurde. Knapp 140 Jahre später kehrt das Prinzip zurück, diesmal als Echtheitsbeweis. Wer der Wahrheit seines Bildes trauen will, muss zuerst dem Labor des Herstellers vertrauen.

Peanuts statt Teleobjektiv

Und dann ist da noch das Falt-iPhone. Das iPhone Duo bietet aufgeklappt mit 7,6 Zoll das größte iPhone-Display bisher, ist zugeklappt etwa so groß wie ein Reisepass und startet mit 2299 Euro und endet mit 3799 Euro bei 2TB Speicher. Das ist so teuer wie kein iPhone zuvor. Fotografisch bekommt man dafür eine 48-Megapixel-Hauptkamera und ein 48-Megapixel-Ultraweitwinkel. Ein Teleobjektiv fehlt, die 2-fach-Stufe ist ein Ausschnitt aus der Hauptkamera, und die variable Blende bleibt den Pro-Modellen vorbehalten. Auf dem Papier entspricht das der Bestückung des Standard-iPhone 17, das Apple inzwischen ab 1099 Euro verkauft.

Dafür hat Apple an anderes gedacht. Die Funktion „Kid Cue“ spielt auf dem Außendisplay Animationen aus den Peanuts ab, damit Kinder in die Kamera schauen. Das ist charmant und verrät einiges über die Zielgruppe. Für Porträts wirklich nützlich ist etwas anderes: Das Außendisplay zeigt der fotografierten Person die Vorschau, und Selbstporträts gelingen mit den höher auflösenden rückseitigen Kameras. So lässt sich der Bildausschnitt gemeinsam mit dem Gegenüber abstimmen. Samsung bietet diesen Kniff seit dem Galaxy Z Fold2 von 2020 an, im iPhone ist er neu. Gebaut ist das Duo trotzdem erkennbar für Menschen, die vor allem Filme schauen, auch mal mit zwei Apps nebeneinander arbeiten und auf dem relativ großem Bildschirm spielen. Fotografen stehen auf dieser Liste weit hinten.

Aussetzen mit gutem Gewissen

Fotografen können diese Runde also getrost aussetzen, und zwar praktisch alle, die mindestens ein iPhone 15 Pro besitzen. Die neue Kamera bringt eine halbe Blendenstufe und ein mechanisches Statussymbol, die neue Siri kommt, wenn überhaupt, deutlich verspätet nach Europa und dann auch auf das alte Gerät. Das iPhone Duo ist ein faszinierendes Stück Ingenieurskunst für alle, die mehr Bildschirm oder mehr Statussymbol wollen. Fotografisch ist es wegen des fehlenden Teles ein Rückschritt gegenüber jedem Pro-iPhone der letzten Jahre.

Bewundern darf man das Tourbillon im Telefon durchaus. Wer fotografiert und ein 15 Pro in der Tasche hat, steckt die 1449 Euro trotzdem besser in ein lichtstarkes Objektiv für die richtige Kamera. Dort gibt es Blende satt, und entwickelt wird zu Hause.


FAQ – iPhone 18 Pro & iPhone Duo



Was ist die variable Blende beim iPhone 18 Pro?

Die variable Blende ist eine mechanische Irisblende vor der 48-Megapixel-Hauptkamera von iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max. Sechs lasergeschnittene Lamellen verändern die Öffnung in vier Stufen: f/1,48, f/1,8, f/2,8 und f/4. Die Kamera wählt die Blende automatisch nach Licht und Schärfentiefe, sie lässt sich aber auch manuell einstellen. Es ist die erste verstellbare Blende in einem iPhone. Ultraweitwinkel, Tele und Frontkamera behalten feste Blenden.


Sorgt die variable Blende des iPhone 18 Pro für mehr Hintergrundunschärfe?

Nur geringfügig. Die größte Öffnung f/1,48 ist rund eine halbe Blendenstufe heller als das bisherige f/1,78 der Pro-Modelle. Weil der Sensor klein ist, rechnerisch etwa 9,8 mal 7,3 Millimeter, entspricht f/1,48 bei der Schärfentiefe grob Blende 5 an einer Kleinbildkamera und f/4 etwa Blende 14. Bei f/4 begrenzt außerdem die Beugung die Detailschärfe der 48-Megapixel-Aufnahmen. Spürbare Vorteile zeigen sich eher bei wenig Licht und bei Gruppenfotos.

Was unterscheidet die Kamera des iPhone 18 Pro vom iPhone 17 Pro?

Laut Apples technischen Daten unterscheidet sich nur die Hauptkamera. Sie erhält eine variable Blende mit vier Stufen von f/1,48 bis f/4 statt der festen Blende f/1,78 sowie einen neuen Sensor und eine neue Bildverarbeitung. Das 48-Megapixel-Ultraweitwinkel mit 13 Millimetern und f/2,2, das 48-Megapixel-Tele mit 100 Millimetern und f/2,8 und die 18-Megapixel-Frontkamera bleiben unverändert. Hinzu kommen neue Softwarefunktionen wie die manuelle Pro-Steuerung.


Lohnt sich das iPhone 18 Pro für Fotografen mit einem iPhone 15 Pro?

Aus fotografischer Sicht ist der Gewinn gering. Die Hauptkamera des iPhone 18 Pro nutzt wie das iPhone 15 Pro 48 Megapixel mit 1,22 Mikrometer großen Pixeln und bringt vor allem eine variable Blende mit. Höher auflösende Kameras für Ultraweitwinkel und Tele gibt es bereits seit dem iPhone 16 Pro beziehungsweise iPhone 17 Pro. Die neue Siri AI läuft grundsätzlich schon ab dem iPhone 15 Pro. Der Einstiegspreis liegt in Deutschland bei 1449 Euro.


Welche Kamerafunktionen gibt es nur beim iPhone 18 Pro?

Nach bisherigem Stand bindet Apple die neue Pro-Steuerung an iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max. Sie erlaubt in der Kamera-App die manuelle Wahl von Blende, Verschlusszeit und Weißabgleich und zeigt ein Histogramm. Ebenfalls exklusiv ist Apple Reference Image, das auf dem neuen Sensor beruht. Frei belegbare Bedienelemente der Kamera-App bringt iOS 27 dagegen auf alle iPhones. Manuelle Verschlusszeit und Weißabgleich bieten Drittanbieter-Apps auf älteren Geräten seit Jahren.


Ist Siri AI in Deutschland auf dem iPhone verfügbar?

Zum Start nicht. Apple veröffentlicht Siri AI mit iOS 27 am 14. September 2026 als Beta, auf iPhone, iPad und Apple Watch in der EU aber vorerst nicht. Einen Termin für Europa nennt Apple nicht. Auf dem Mac ist Siri AI in der EU nutzbar. Zum Start unterstützt Siri AI nur Englisch, im Oktober folgen Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch und Spanisch. Voraussetzung ist mindestens ein iPhone 15 Pro.


Was ist Apple Reference Image und funktioniert es in der EU?

Apple Reference Image ist eine Funktion des iPhone 18 Pro, mit der sich die Echtheit eines Fotos belegen lässt. Im optionalen Referenzmodus signiert der neue Sensor die erfassten Bilddaten, und Apples Private Cloud Compute entwickelt daraus ein unveränderliches Referenzbild. Es liegt in der Fotos-App wie ein digitales Negativ neben dem Hauptbild, sodass Bearbeitungen erkennbar werden. In der EU ist die Aufnahme zum Marktstart nicht verfügbar, ansehen lassen sich Referenzbilder dort mit iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27.


Ist das iPhone Duo für Fotografen geeignet?

Für ambitionierte Fotografen nur eingeschränkt. Das faltbare iPhone Duo hat hinten eine 48-Megapixel-Hauptkamera mit 2-fach-Ausschnitt und ein 48-Megapixel-Ultraweitwinkel, aber kein eigenes Teleobjektiv und keine variable Blende. Auf dem Papier entspricht das der Kamerabestückung des Standard-iPhone 17. Praktisch ist das Außendisplay: Es zeigt fotografierten Personen die Vorschau und ermöglicht Selbstporträts mit den rückseitigen Kameras. Samsung bietet diese Funktion seit dem Galaxy Z Fold2 von 2020 an.


Was kosten iPhone 18 Pro, iPhone 18 Pro Max und iPhone Duo in Deutschland?

Das iPhone 18 Pro kostet in Deutschland ab 1449 Euro, das iPhone 18 Pro Max ab 1599 Euro, jeweils mit 256 Gigabyte Speicher. Beide sind damit 150 Euro teurer als ihre Vorgänger. Die Versionen mit 2 Terabyte kosten 2949 und 3099 Euro. Das faltbare iPhone Duo startet bei 2299 Euro und hat damit den höchsten Einstiegspreis aller iPhones. In den USA verlangt Apple 1199, 1299 und 1999 Dollar.


Wann kommen iPhone 18 Pro und iPhone Duo in den Handel?

Das iPhone 18 Pro und das iPhone 18 Pro Max lassen sich ab Samstag, 12. September 2026, vorbestellen und sind ab Freitag, 18. September, erhältlich. Das faltbare iPhone Duo folgt später: Vorbestellungen starten am Freitag, 16. Oktober, der Verkauf am 23. Oktober 2026. Beide Termine gelten auch für Deutschland. Das iPhone Duo erscheint mit iOS 27.1, das allgemeine Update auf iOS 27 kommt am 14. September.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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