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Orestor, Olympus, Nikon E: 100/2.8

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Das Innenleben der drei Teleobjektive Orestor, Olympus und Nikon E. könnte kaum unterschiedlicher sein und spiegelt die technischen Möglichkeiten zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung. Neue Glassorten und verbesserte Oberflächenvergütungen dürften eine entscheidende Rolle gespielt haben. Jedes dieser Objektive überzeugt. Welches „besser“ ist, bleibt wie beim Essen eine Frage persönlicher Vorlieben.

Nstream2. Orestor, Olympus, Nikon E: 100/2.8
Rohre der umstrittenen Nordstream 2 Pipeline aus der Sicht des Nikon E 100/2.8
3x100mm. Orestor, Olympus, Nikon E: 100/2.8
Kaum größer als eine 50er Normalbrennweite, unterscheidet sich das optische Innenleben der drei leichten Teleobjektive sehr deutlich voneinander.

Orestor

Das Orestor 100/2.8 setzte Mitte der 1960er Jahre auf ein bewährtes Sonnar-Design (5/4). Der die Konstruktion dominierende Glasblock ist in der Herstellung aufwendig. Die späteren abgespeckten Pentacon-Modelle sind optisch gleichwertig, unterscheiden sich aber im mechanischen Aufbau. Sie müssen beispielsweise mit sechs statt 15 Blendenlamellen auskommen. Weitere Unterschiede erläutert dieser Beitrag.

ore1. Orestor, Olympus, Nikon E: 100/2.8
Das Orestor 100/2.8 ist in fast allen Situationen angenehm unkritisch in der Handhabung.
ore2. Orestor, Olympus, Nikon E: 100/2.8
Das Sonnar-Design vereint hohe Schärfe und ausgewogenes Bokeh.
ore3. Orestor, Olympus, Nikon E: 100/2.8
Ob die einfache Vergütung alter Linsen Graustufen differenzierter darstellt als moderne Mehrschichtvergütungen, bleibt eine subjektive Wahrnehmung.

Olympus

Das Olympus OM 100/2.8 setzt auf ein 5/5-Design aus einzelnen Linsen, was in der Regel die Herstellung vereinfacht und durch neue Glassorten in den 1970er Jahren möglich wurde. Wie die beiden anderen 100er ist das Olympus handlich und nur unwesentlich größer als eine 50er Normalbrennweite. Über technische Details, Meinungen und Mythen informieren die Olypedia-Webseiten.

Innenleben
Innenleben: Triebwerksschacht einer ausrangierten MIG aus DDR-Beständen.
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Das Bokeh des 100er Olympus kann gefallen.
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Auf den Punkt gebracht: Die zentrale Schärfe des Olympus OM 100/2.8 überzeugt.

Nikon E-Serie

Die meisten Objektive dieser Baureihe sind weitaus besser als ihr Ruf. Durch den Einsatz von Kunststoff, in einer Zeit, als Metall im Objektivbau dominierte, entstanden kleine, leichte und günstige Optiken, die 1979 auf den Markt kamen. Vom E 100/2.8 wurden rund 200.000 Exemplare gefertigt, eine beachtliche Anzahl. Die ungewöhnliche optische Konstruktion (4/4) dürfte sich an einem Ernostar-Design von Ludwig Bertele orientiert haben. Bertele nutzte es im Travenar 135/3.5, das er für Albert Schacht in den 1950er Jahren konstruierte. Über ein weiteres Objektiv der E-Serie wurde hier berichtet.

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Abgeblendet stimmt auch die Randschärfe bei Aufnahmen mit dem Nikon E 100/2.8
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Bei Offenblende ist die Schärfentiefe knapp bemessen. Das Bokeh wirkt harmonisch und unaufdringlich.
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Bei Objektiven mit sieben Blendenlamellen können – um nur eine Stufe abgeblendet – eckige Spitzlichter im Bokeh zeigen. Hier sichtbar an der Turmspitze und unterhalb der Kuppel.

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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

2 Kommentare

  1. Hoch interessanter 100er Altglas-Vergleich! Vielen Dank dafür Bernd. Frage: würde das MOG Trioplan 100 auch in diese Reihe passen mit seinem Triplet-design? Schärfe ist zwar nicht unbedingt seine absolute Stärke, aber ein ganz besonderes Bokeh. LG Martin J.

  2. Von den technischen Daten würde in diese Reihe passen. Es wird aber in der Regel wegen seiner speziellen Abbilddungseigenschaften erworben/vorgestellt. Zudem liegt das 100er nach wie vor auf einem anderen Preisniveau als die vorgestellten Objektive. Und der typische Trioplan-Look lässt sich weitaus günstiger erzielen. Eine Suche in Blog nach “Trioplan” stellt zahlreiche Alternativen vor. LG, Bernd

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