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iPhone Duo: Apples blinder Fleck

Erst die trübe Kamera, dann Risse im Faltbildschirm: Schon eine Woche nach dem Start zeigt das iPhone Duo alles, was eine erste Generation ausmacht. Warum sich Warten lohnt, auch bei Apple.

Sechs Stunden besaß ein Käufer in Australien sein iPhone Duo, weniger als zwanzigmal hatte er es aufgeklappt. Dann wollte er es einem Freund zeigen. Beim Öffnen spürte er etwas am Scharnier, hörte ein Knacken, und der Bildschirm brach entlang der Falz. Keine Kratzer, nichts Eingeklemmtes, so schildert er es jedenfalls. Wenige Tage zuvor hatte die Journalistin Joanna Stern ihr Testgerät von einem selbst gebauten Roboter namens „Hingey“ in vier Nächten 32.640-mal falten lassen, ohne nennenswerten Verschleiß. Zwanzig gegen 32.640: Das ist die Spannweite einer ersten Generation.

Der Sprung an immer derselben Stelle

Seit dem Verkaufsstart am 23. Oktober häufen sich solche Berichte aus Australien, China und den USA, darunter Bilder von Vorführgeräten in chinesischen Läden, deren Vorgeschichte niemand kennt. Fast alle Schäden sitzen entlang des Scharniers, meist leuchtet daneben ein Streifen heller Pixel. 9to5Mac zählte bis Sonntag rund zehn eindeutige Fälle, einige Geräte sollen schon bei der Einrichtung gebrochen sein. Die Reparaturfachleute von iFixit verorten die Schwachstelle nach ihrer Zerlegung knapp unterhalb der Stelle, an der das Bildschirmkabel durchs Scharnier läuft, dort, wo mehrere Kanten aufeinandertreffen. Möglicherweise, so ihre Vermutung, senkt sich die mittlere Stützleiste beim Falten nicht weit genug ab und erzeugt einen kleinen Spannungspunkt. Apple räumte am Montag ein Problem mit dem inneren Bildschirm bei einer kleinen Zahl von Geräten ein und rät Betroffenen, sich für einen Ersatz an AppleCare zu wenden.

Was heißt klein? Laut DigiTimes will Apple im ersten Jahr rund 14 Millionen Duos bauen lassen, 44 Prozent mehr als geplant. Schon ein Prozent davon wären 140.000 gebrochene Bildschirme. Ob hinter den Rissen ein Konstruktionsfehler steckt oder bloß eine Serie von Montagsgeräten, weiß außerhalb Cupertinos niemand.

Dabei bleibt es nicht. Zack Nelson, auf YouTube als JerryRigEverything bekannt, bedeckte das Duo mit Sand und Dreck; trotz Schutzklasse IP68 drang Staub ins Scharnier, bis die Magnete das Gerät nicht mehr zuhalten konnten. Ein Biegetest legte den inneren Bildschirm danach endgültig lahm. Und noch am Starttag führte das Hackerteam Calif vor, wie sich die Sperren des Betriebssystems aushebeln lassen. Einzeln wären das Randnotizen. Zusammen ergeben sie eine Woche, die Apple sich anders vorgestellt haben dürfte.

Antennagate, zweiter Akt

MacRumors fragte bereits „Crackgate?“, eine Anspielung auf das Jahr 2010. Das iPhone 4, mit dem Steve Jobs damals FaceTime einführte, verlor Empfang, wenn man es an einer bestimmten Stelle umfasste. Jobs empfahl per E-Mail, es eben nicht so zu halten, und verteilte wenig später auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz kostenlose Schutzhüllen, nicht ohne zu betonen, dass nur ein kleiner Teil der Nutzer betroffen sei. Klein ist bei Apple offenbar eine Konstante.

Immerhin hat der Konzern dazugelernt. Diesmal erklärt niemand den Kunden, sie falteten falsch. Der Australier bekam im Apple Store sofort ein neues Gerät, Schäden durch normale Nutzung deckt die Garantie, und wer am Starttag gekauft hat, kann noch zwei Wochen zurückgeben. Für den, dem gerade der Bildschirm gebrochen ist, bleibt das ein schwacher Trost. Gegenüber 2010 ist es trotzdem ein Fortschritt.

Ein Fenster mit Sprung

Angefangen hatte die Woche mit einem vergleichsweise harmlosen Ärgernis. Die innere Kamera, die erste unter dem Bildschirm eines iPhone, liefert laut Gizmodo vier Megapixel, blasse, unscharfe Fotos und matschige Videotelefonate. Marques Brownlee nannte die Fotoqualität schlicht Müll. Samsung hatte diese Technik vom Galaxy Z Fold 3 bis zum Fold 6 verbaut und 2025 mit dem Fold 7 wieder aufgegeben, offenbar wegen der Bildqualität. Apple kommt also spät zu einer Party, auf der die anderen Gäste schon ihre Mäntel holen.

Trübe Kamera und brüchige Falz folgen derselben Logik. Beide sitzen genau dort, wo Apple die makellose Fläche gegen die Physik durchsetzt. Seit der Kerbe des iPhone X 2017 und der „Dynamic Island“ des iPhone 14 Pro 2022 führt der Konzern einen stillen Feldzug gegen jede Unterbrechung im Bild. Beim Duo soll nun das Kameraloch verschwinden und die Falte möglichst gleich mit. Leon Battista Alberti beschrieb ein Gemälde 1435 als ein offenes Fenster, durch das der Betrachter auf das Geschehen blickt. Das Duo will genau dieses Fenster sein, ohne Rahmen, ohne Riegel. Nach einer Woche hat das Fenster einen Sprung, und dahinter sitzt ein Auge, das kaum etwas erkennt. Orwells Bildschirm, der zugleich sendet und empfängt, steckt nun in der Jackentasche. Der Große Bruder sähe durch diese Linse allerdings vor allem Matsch.

Ein Gerät, das erst nach dem Kauf fertig wird

Fairerweise: Die meisten Duos dürften ihren Dienst klaglos tun. Sterns Roboter zeigt, dass das Scharnier mechanisch einiges aushält, Apple tauscht schnell und ohne Belehrung, und die schwache Innenkamera lässt sich umgehen, etwa mit der Zwölf-Megapixel-Kamera außen oder, wie PetaPixel beschreibt, mit dem Außenbildschirm als Sucher für die Hauptkameras. Wer auf der großen Fläche vor allem liest, arbeitet und Filme schaut, bekommt ein bemerkenswertes Gerät.

Das Muster ist trotzdem unverkennbar, und es ist alt. Das erste iPhone kostete 2007 mit acht Gigabyte 599 Dollar; nach rund zehn Wochen senkte Apple den Preis auf 399 Dollar und entschädigte die Frühkäufer mit einem Gutschein über 100 Dollar. Bei Samsungs erstem Galaxy Fold versagte 2019 an mehreren Testgeräten nach wenigen Tagen der Bildschirm, der für den 26. April geplante Marktstart rutschte in den September. Joanna Stern überschrieb ihren Bericht damals sinngemäß mit der Ansage, man sei nicht Samsungs Versuchskaninchen.

Beim Duo ist es nun umgekehrt: Die Testgeräte halten, die Kundengeräte brechen. Für Apple ist das die unangenehmere Variante, denn einen Marktstart, der schon stattgefunden hat, kann man nicht mehr verschieben. Bloombergs Mark Gurman hatte es schon vorher einen schweren Fehler genannt, die Vorbestellungen trotz massiver Lieferengpässe zu öffnen. Einige Funktionen, darunter den Einhandmodus und die Unterstützung für den Apple Pencil, reicht Apple ohnehin erst mit späteren Softwareversionen nach.

Das Gegenargument stammt ausgerechnet von Steve Jobs. Wer immer auf die nächste Preissenkung oder das verbesserte Modell warte, schrieb er 2007 sinngemäß in seinem Entschuldigungsbrief, werde nie ein Technikprodukt kaufen. Das stimmt. Es ist zugleich die eleganteste Ausrede, die je ein Konzernchef für verärgerte Kunden parat hatte. Denn niemand verlangt, ewig zu warten. Eine Produktgeneration genügt.

Kurz gesagt: Die erste Generation eines Produkts kauft man nicht, auch nicht bei Apple. Man lässt sie kaufen, von Testern, von Technikbegeisterten, von allen, denen das Gefühl, früh dabei zu sein, ein paar Kinderkrankheiten wert ist. Bei rund 2300 Euro Einstiegspreis ist das eine teure Form der Neugier. Wer eine Generation abwartet, bekommt vermutlich ein überarbeitetes Scharnier, ausgereiftere Software und mit etwas Glück eine Kamera, die durch den Bildschirm nicht nur hindurchschaut, sondern auch etwas erkennt. Gekauft wird trotzdem: Eine halbe Stunde nach Beginn der Vorbestellungen lagen die Liefertermine in den USA bereits Ende Januar. Der eigentliche blinde Fleck sitzt nämlich nicht hinter dem Glas, sondern davor: im Glauben, ein Apfel auf dem Gehäuse ersetze die Reifezeit. Er ersetzt sie nicht. Er sorgt nur dafür, dass selbst die Testphase ausverkauft ist.


FAQ – Apple iPhone Duo



Was ist das iPhone Duo?

Das iPhone Duo ist Apples erstes faltbares iPhone. Es kam am 23. Oktober 2026 in den Handel und lässt sich wie ein Buch aufklappen: Außen sitzt ein 5,4-Zoll-Bildschirm, innen ein 7,6-Zoll-Faltbildschirm. Der Einstiegspreis liegt in den USA bei 1.999 Dollar, in Deutschland bei rund 2.300 Euro. Die Nachfrage war so groß, dass sich die US-Liefertermine schon eine halbe Stunde nach Beginn der Vorbestellungen am 16. Oktober auf Ende Januar 2027 verschoben.


Warum bricht der Bildschirm des iPhone Duo am Scharnier?

Die Ursache ist offiziell nicht geklärt. Die Reparaturexperten von iFixit vermuten nach ihrer Zerlegung einen Spannungspunkt knapp unterhalb der Stelle, an der das Bildschirmkabel durch das Scharnier läuft. Dort treffen mehrere Kanten aufeinander, und die mittlere Stützleiste senkt sich beim Falten möglicherweise nicht weit genug ab. Als weitere mögliche Ursachen nennt iFixit Druck, eingeklemmte Partikel, wiederholtes Biegen und einen Fertigungsfehler. Typisch ist ein Riss entlang der Falz mit einem Streifen heller Pixel daneben.


Wie viele iPhone Duos sind von gebrochenen Displays betroffen?

Die genaue Zahl ist unbekannt. Apple spricht von einer kleinen Zahl betroffener Geräte, nennt aber keine Werte. Das Fachportal 9to5Mac zählte bis zum 25. Oktober 2026 rund zehn eindeutige Fälle, die Berichte stammen aus Australien, China und den USA. Einige Geräte sollen schon bei der Einrichtung gebrochen sein. Zur Einordnung: Laut DigiTimes plant Apple im ersten Jahr rund 14 Millionen iPhone Duos. Ob ein Konstruktionsfehler vorliegt, ist nicht bestätigt.


Was sollten Besitzer tun, wenn der Bildschirm ihres iPhone Duo bricht?

Betroffene sollten sich an AppleCare oder einen Apple Store wenden. Apple hat am 26. Oktober 2026 ein Problem mit dem inneren Bildschirm bei einer kleinen Zahl von Geräten eingeräumt und rät, über AppleCare einen Ersatz anzufordern. Schäden durch normale Nutzung deckt laut MacRumors die einjährige Garantie, zudem gilt eine Rückgabefrist von 14 Tagen. Ein Käufer in Australien, dessen Bildschirm nach sechs Stunden und weniger als 20 Öffnungen brach, erhielt im Apple Store sofort ein neues Gerät.


Was bedeutet Crackgate beim iPhone Duo?

Crackgate ist ein Schlagwort für die Berichte über gebrochene Innenbildschirme beim iPhone Duo. Das Apple-Portal MacRumors brachte den Begriff am Verkaufstag, dem 23. Oktober 2026, als Frage auf. Er spielt auf Antennagate an: 2010 verlor das iPhone 4 Empfang, wenn man es an einer bestimmten Stelle umfasste. Steve Jobs riet Kunden zunächst, das Telefon anders zu halten, und verteilte nach einer Pressekonferenz am 16. Juli 2010 kostenlose Schutzhüllen.


Ist das iPhone Duo trotz IP68 empfindlich gegen Staub?

Ja, zumindest unter extremen Bedingungen. Apple stuft das iPhone Duo nach Schutzklasse IP68 als staub- und wasserbeständig ein. Im Härtetest des YouTubers Zack Nelson alias JerryRigEverything drangen Sand und Staub dennoch an mehreren Stellen ins Scharnier, bis die Magnete das Gerät nicht mehr schließen konnten. Ein anschließender Biegetest beschädigte den inneren Bildschirm dauerhaft. Die IP68-Einstufung beruht auf standardisierten Labortests, die solche Belastungen nicht abbilden.


Wie viele Faltvorgänge hält das Scharnier des iPhone Duo aus?

Apple nennt keine offizielle Zahl. Die Tech-Journalistin Joanna Stern ließ ihr Testgerät von einem selbst gebauten Roboter in vier Nächten 32.640-mal falten. Danach fühlte sich das Scharnier kaum anders an als am ersten Tag, gemessen war es sogar etwas straffer. Der Test lief mit Schutzhülle, und das Gerät wurde nicht bei jedem Durchgang vollständig geschlossen. Zum Vergleich: Samsung Display gibt für das Faltpanel des Galaxy Z Fold 7 einen bestandenen Test mit 500.000 Faltungen an.


Wie gut ist die FaceTime-Kamera unter dem Bildschirm des iPhone Duo?

Die Bildqualität gilt als schwach. Das iPhone Duo ist das erste iPhone mit einer Kamera unter dem Bildschirm. Apple nennt nur Videoaufnahmen in 1080p. Laut Gizmodo löst die Kamera mit vier Megapixeln auf, Fotos wirken blass und unscharf, Videotelefonate verwaschen. Marques Brownlee bezeichnete die Fotoqualität als miserabel. Für Selbstporträts eignen sich die 12-Megapixel-Kamera am Außenbildschirm oder die Hauptkameras, wobei der Außenbildschirm als Sucher dient. Positiv vermerken Tester, dass die Innenkamera im Alltag unsichtbar bleibt.


Welche Smartphones hatten vor dem iPhone Duo eine Kamera unter dem Display?

Das erste Serien-Smartphone mit Unter-Display-Kamera war 2020 das ZTE Axon 20 5G. Samsung verbaute die Technik ab 2021 im Galaxy Z Fold 3 und in den Nachfolgern bis zum Fold 6, jeweils mit einem 4-Megapixel-Sensor. Mit dem Galaxy Z Fold 7 kehrte Samsung 2025 zum klassischen Kameraloch zurück, als wahrscheinlicher Grund gilt die schwache Bildqualität. Apple führte die Technik damit ein, nachdem der wichtigste Konkurrent sie gerade aufgegeben hatte.


Sollte man die erste Generation des iPhone Duo kaufen?

Der Kommentar „Apples blinder Fleck“ rät davon ab und empfiehlt, eine Generation abzuwarten. Als Gründe nennt er die Berichte über gebrochene Innenbildschirme, die schwache Unter-Display-Kamera und Funktionen, die Apple erst nachreicht, etwa den Einhandmodus und die Apple-Pencil-Unterstützung ab iOS 27.2. Historische Fälle stützen die Vorsicht: Apple senkte den Preis des ersten iPhone 2007 nach rund zehn Wochen von 599 auf 399 Dollar, Samsung verschob 2019 den Start des ersten Galaxy Fold von April auf September.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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