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Disqualifiziert! Bildmanipulationen beim World Press Photo Contest

11 Disqualifiziert Kopie

Foto und Montage: Doc Baumann

 

Beim World Press Photo Contest gab es auch 2015 wieder ausgiebige Diskussionen über eingereichte Fotos, die nicht den Anforderungen der Jury genügten. Rund 20% der eingesandten Bilder wurden nicht zugelassen, weil digitale Manipulationen nachgewiesen wurden.

Ist der Wettbewerb damit so etwas wie eine Tour de France für Pressefotografen – wenn viele dopen und es nicht rauskommt, sind die Ehrlichen angeschmiert und haben nie eine Chance auf einen Gewinn. Also lässt man Doping entweder als legal zu – oder man verschärft die Kontrollen und Kriterien so stark, dass sich niemand durchmogeln kann.

Aber wie sehen die Kriterien aus? Bob Martin, Sportfotograf und Mitglied der Jury, sagt etwa: „Wir müssen gemeinsam entscheiden, was akzeptabel ist. Meine Standpunkt ist: Wenn etwas hinzugefügt wird, was nicht da war, oder wenn etwas entfernt wird, dann geht das einfach nicht. Aber wenn der Kontrast angehoben wird oder die Bildecken werden abgedunkelt, oder Bereiche werden gezielt mit dodge & burn aufgehellt oder abgedunkelt – was ist dann? Alles das haben wir auch in der Dunkelkammer getan, und nun ist Photoshop unsere Dunkelkammer.“

Das ist eine (erstaunlich) pragmatische Sicht der Dinge und wäre bei den meisten Wettbewerben so vor ein paar Jahren noch nicht möglich gewesen. Beim World Press Photo Contest müssen jetzt auch die Raw-Dateien eingereicht werden, die von Experten unter die Lupe genommen werden. Wer also perfekt genug fälscht …

Meinen Standpunkt dazu habe ich vor längerer Zeit in DOCMA ausführlich dargelegt. Jedes Foto aus diesem Bereich befindet sich im Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Ästhetik. Die Extreme sind also auf der einen Seite rein dokumentarische Fotos, deren Inhalt so weltbewegend ist, dass man auf jegliche Gestaltung verzichten kann – auf der anderen hochästhetische Werke, deren dokumentarischer Wert belanglos ist. Alle anderen liegen auf dieser Skala irgendwo dazwischen.

Interessant ist nun aber, dass sich die Diskussion diesmal vor allem an Fotos des italienischen Fotografen Giovanni Troilo entzündete; ihm wurde die Auszeichnung in der Kategorie „Contemporary Issues“ wieder aberkannt. Der Grund war allerdings kein Photoshop-Eingriff, sondern vor allem, dass er das Foto eines Liebespaares beim Sex in einem Auto inszeniert haben soll, erkennbar an effektvollen Lichtquellen, die geplant platziert worden sein sollen.

Den ersten Preis des Gesamtwettbewerbs gewann der dänische Pressefotograf Mads Nissen – bemerkenswerterweise ebenfalls mit dem Foto eines – schwulen – Liebespaares beim Sex, aufgenommen in Russland, wo Homosexuelle nach wie vor verfolgt werden. Ein wirklich schönes Bild, bei stimmungsvoller Beleuchtung in einem Innenraum. Andere Preisträger haben etwa Pilssporen fotografiert, die gerade auf dem Fühler einer Ameise landen, eine Mutter mit Baby in einem Sessel, eine Kadettin der niederländischen Militärakademie auf einem Sofa … Wie sind denn die entstanden? Ist etwa Herr Nissen rein zufällig in den Raum mit den beiden Liebenden gestoplert und hat, ohne nachzufragen und ohne dass diese sich an seiner Anwesenheit gestört hätten, geistesgegenwärtig auf den Auslöser gedrückt? Oder die Ameise? Gerade aus der Wildtierfotografie weiß man, welch ausgeklügelte Technik nötig ist, um eindrucksvolle Bilder zu schaffen.

Ebenso, wie es völlig in Ordnung ist, wenn eine Jury klare Kriterien vorgibt, die Art und Umfang erlaubter digitaler Bildbearbeitung definieren, ist es völlig legitim, inszenierte Fotos auszuschließen. Dann muss sich die Jury aber konsequent an diese eigene Vorgabe halten. Ich bezweifle, dass das in diesem Fall geschehen ist.

 

  1. rathead

    Ich meine, die Geschichte um Charleroi/Troilo ist verkürzt dargestellt. Die Bildstrecke „La Ville Noir – The Dark Heart of Europe“ hatte die belgische Industriestadt Charleroi zum Thema. Das oben genannte Bild war nicht nur vom Licht her arrangiert, sondern war mit dem Cousin des Photographen in der männlichen Hauptrolle gestellt – wahrscheinlich nicht einmal vor Ort.

    Somit genügt zumindest 1 Bild journalistischen Mindestanforderungen nicht. Mit dem Bild wurde Hörensagen dargestellt. Aber Hörensagen bleibt Hörensagen, wenn es der Reportagefotograf nicht vor Ort dokumentiert hat. Wäre er vor Ort an das Auto herangetreten und hätte die Insassen gefragt, ob er sie fotografieren darf, hätte auch niemand etwas gegen das Aufhelllicht gesagt.

    Da auch andere Bilder der Serie nachweislich nicht in Charleroi entstanden, wurde der Preis in meinen Augen völlig korrekt aberkannt.

    Ein Artikel aus der FAZ nennt in dem Zusammenhang noch mehr Klopper: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/world-press-photo-giovanni-troilo-disqualifiziert-13465794.html

    Zitat:
    „Vergangene Woche untersuchte World Press Photo den Fall, nachdem die Organisation, die seit 1955 die Pressefotos des Jahres auszeichnet, einen Brief des Bürgermeisters von Charleroi erhielt. Das Stadtoberhaupt beschwert sich darin, dass die belgische Stadt in einem zu negativen Licht gezeigt würde und dass einige der Bilder gestellt seien – neben dem Paar im Auto auch das einer Frau in einer psychiatrischen Anstalt. Ein beleibter Mann, der mit nacktem Oberkörper abgebildet ist und der Bildbeschreibung nach in einem der gefährlichsten Viertel der Stadt leben soll, sei laut Bürgermeister ein in der Stadt wohlbekannter Besitzer einer Weinstube.“

    ….sorry, in diesem Fall kann ich Doc Baumanns Haltung ausnahmsweise nicht nachvollziehen und kann nur annehmen, daß er sich nicht hinreichend mit dem Fall beschäftigt hat.

  2. kkm3105

    Nachdem nun in RAW zwingend vorgeschrieben zu fotografieren ist, um solche Manipulationen erkennen zu können, verstehe ich die Fotografen nicht, die trotzdem ihre Bilder über Photoshop & friends aufpeppen. Bei einem solchen Bewerb mitmachen zu können heißt ja auch, dass sich die Besten der Besten hier begegnen. Und von denen sollte man dann schon erwarten, dass sie die Fotografie auch als solche verstehen und nicht als Krücke, um ein „Bild“ mit Hilfe der diversen elektron. Helferlein daraus zu machen. Die Jury sollte eben deshalb auch viel stringentere Vorgaben machen, die da lauten könnten: es ist überhaupt kein Eingriff ins Bild gestattet außer vielleicht Sensorflecken zu entfernen.

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