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Canon führt Authentizitätssystem für Pressefotografen ein

Canon hat in Europa, dem Nahen Osten und Afrika damit begonnen, sein neues „Authenticity Imaging System“ einzuführen, das Herkunftsdaten bereits beim Aufnahmezeitpunkt signiert und die spätere Bearbeitungshistorie entlang des Workflows dokumentiert. Es ermöglicht die Ausstellung von Zertifikaten, das Anbringen vertrauenswürdiger Zeitstempel sowie die Überprüfung der Content-Historie. Canon richtet sich damit vor allem an professionelle News-Organisationen und Fotojournalisten.

Die Lösung basiert auf dem Standard „C2PA“ („Coalition for Content Provenance and Authenticity“). Dahinter steht ein Zusammenschluss von Technologie- und Medienunternehmen, der technische Verfahren zur Herkunftsprüfung digitaler Inhalte definiert. Das System ergänzt Bilddateien um kryptografisch signierte Herkunftsdaten. Diese Daten halten fest, wann ein Foto entstand, mit welcher Kamera es aufgenommen wurde und welche Bearbeitungsschritte später folgten.

C2PA erkennt aber nicht jede Pixelmanipulation automatisch. Das System dokumentiert vor allem Änderungen innerhalb kompatibler Workflows. Entfernt jemand die Metadaten komplett oder bearbeitet eine Datei außerhalb des Systems, bricht die Nachweiskette ab.

Zu Beginn unterstützen nur die Canon EOS R1 und die Canon EOS R5 Mark II das Authentifizierungssystem. Sie versehen jede Aufnahme bereits beim Auslösen mit sogenannten „Manifest“-Daten. Darauf aufbauend werden öffentliche Zertifikate ausgestellt und Zeitstempel vertrauenswürdiger Zeitstempelstellen angebracht, um die Nachvollziehbarkeit der Provenienz-Datensätze über einen längeren Zeitraum sicherzustellen. Dadurch lässt sich später nachvollziehen, ob ein Bild verändert wurde oder ob Informationen fehlen. Die C2PA-Funktion muss bei den unterstützten Kameras kostenpflichtig aktiviert werden.

Die zugehörige Plattform prüft außerdem, ob Herkunftsdaten vollständig vorhanden und kryptografisch gültig sind.

Für Bildredaktionen funktioniert das System ähnlich wie ein lückenloses Logbuch. Schneidet ein Bildredakteur etwa den Rand eines Pressefotos ab oder passt den Kontrast an, vermerkt das System diesen Schritt in der Historie der Datei. Veröffentlichte Bilder behalten damit eine nachvollziehbare Bearbeitungskette. Gerade bei Krisenbildern, Sportereignissen oder politischen Aufnahmen gewinnt dieser Nachweis an Bedeutung, weil generative KI täuschend echte Fälschungen inzwischen in wenigen Minuten produziert.

Ganz ohne Einschränkungen funktioniert das Verfahren allerdings nicht. C2PA bestätigt vor allem, dass Metadaten und Bilddatei zusammenpassen und aus einer bestimmten Quelle stammen. Der Standard beweist nicht automatisch, dass ein Bild die Realität unverfälscht zeigt. Fachleute weisen darauf hin, dass theoretisch auch KI-generierte oder manipulierte Inhalte signiert werden könnten, sofern sie bereits innerhalb eines kompatiblen Systems entstehen.

Trotz dieser Grenzen wächst der Druck auf Kamerahersteller und Medienhäuser, Herkunftsnachweise direkt in den Produktionsprozess einzubauen. Sony und Leica unterstützen C2PA bereits bei einzelnen Kameras. Nikon arbeitet ebenfalls an entsprechenden Funktionen beziehungsweise Integrationen.

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten von Canon.

Johannes Wilwerding

Johannes Wilwerding hat bereits Mitte der Achziger Jahre und damit vor dem Siegeszug von Photoshop & Co. Erfahrungen in der Digitalisierung von Fotos und in der elektronischen Bildverarbeitung gesammelt. Seit 2001 ist er freiberuflicher Mediengestalter und seit 2005 tätig für das DOCMA-Magazin.

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