
Der Softwarehersteller ON1 kündigt mit Restore AI ein neues Modul zur automatischen Bildrestaurierung an. Die Funktion soll im April 2026 exklusiv in ON1 Photo RAW MAX 2026 erscheinen und richtet sich an Fotografen, die alte oder beschädigte Aufnahmen digital aufarbeiten wollen.
Restore AI analysiert gescannte Fotos oder digitale Vorlagen und korrigiert typische Alterungsspuren und andere Mängel. Dazu zählen Staub, Kratzer, Knicke und Risse ebenso wie verblasste Farben oder Bildrauschen. Auch unscharfe Details und verloren gegangene Strukturen soll die KI rekonstruieren. Darüber hinaus lassen sich mit der Funktion Schwarzweißbilder kolorieren.
ON1 erklärt in einem Blog-Beitrag, dass die KI nicht „zaubert“, sondern mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet. Wenn eine Vorlage genügend Struktur enthält, verstärkt die Software vorhandene Details. Fehlen relevante Bildinformationen – etwa bei stark unscharfen Gesichtern oder winzigen Köpfen im Hintergrund – muss die KI fehlende Details ergänzen. Sie greift dafür auf Muster zurück, die sie aus Millionen von Trainingsbildern gelernt hat. Dies kann gelegentlich auch dazu führen, dass Ergebnisse unerwünschte Abweichungen vom Original enthalten. Die Berechnung erfolgt nicht lokal auf dem Rechner, sondern in der Cloud.
Gerade bei stark beschädigten Vorlagen soll sich zeigen, was mit Restore AI möglich ist. Ein verblichenes Porträt aus den 1950er Jahren kann nach der Bearbeitung wieder Hauttöne, Stoffstrukturen und Kontraste zeigen, die im Scan kaum noch erkennbar sind. Ein zerkratztes Urlaubsfoto soll nach der automatischen Retusche wirken wie frisch aus dem Labor – zumindest auf den ersten Blick.
Der Hersteller betont, dass Restore AI zunächst ein schnelles Grundresultat liefert, das Anwender anschließend im gewohnten Raw-Workflow weiter verfeinern müssen. Die eigentliche Bildbearbeitung – etwa Farbkorrekturen oder lokale Retuschen – bleibt damit Teil des klassischen Workflows innerhalb der Software.
Restore AI ist in Photo RAW MAX integriert, sodass Anwender weder zwischen Programmen wechseln noch separate Dienste nutzen. Auch die Stapelverarbeitung ist vorgesehen, etwa um ganze Archivordner mit eingescannten Familienfotos in einem Durchgang zu verbessern.
Beim Lizenzmodell verzichtet ON1 auf ein nutzungsbasiertes Abrechnungssystem. Es gibt weder Credits noch Token, also keine Einheiten, die pro Bild verbraucht werden. Stattdessen koppelt der Hersteller den Zugriff an die Softwarelizenz: Käufer der MAX-Version erhalten für ein Jahr unbegrenzte Cloud-Berechnungen, Abonnenten nutzen die Funktion dauerhaft im Rahmen ihres Abos.
ON1 hebt zudem hervor, dass hochgeladene Bilder nicht zum Training der KI-Modelle verwendet werden. Die Daten dienen ausschließlich der jeweiligen Restaurierungsaufgabe und sollen privat bleiben.

Die im Blog-Beitrag gezeigten Beispiele verdeutlichen jedoch auch die Grenzen des Ansatzes. Gerade bei Gesichtern kann die KI Details rekonstruieren, die eher interpretiert als tatsächlich vorhanden sind. In manchen Fällen verändert sich der Ausdruck eines Porträts oder feine Merkmale wirken geglättet oder neu hinzugefügt. Solche Ergebnisse erinnern weniger an klassische Restaurierung als an eine Neudeutung des Motivs.
Anwender müssen jeweils entscheiden, wo die technische Rekonstruktion endet und wo die gestalterische Interpretation beginnt. Für dokumentarisch arbeitende Fotografen kann diese Grenze entscheidend sein, etwa wenn es um historische Authentizität geht. Für private Archive oder illustrative Zwecke dürfte der Spielraum wesentlich größer sein.
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