
Es begann in einer dieser langen Büronächte kurz vor Weihnachten. Am anderen Ende der Leitung war Robin Ochs, der Kopf hinter Picture Instruments, und er erzählte mir mit dem Enthusiasmus eines Missionars von AI Lab, einer Software, die vor allem für jene gedacht sei, die ihre KI-Bilder auf Basis visueller Vorlagen statt nur mit Textbefehlen anfertigen wollen. Ich war, gelinde gesagt, skeptisch. „Robin“, warf ich ein, „das geht mit Midjourney 7 doch schon ganz passabel. Und wenn ich mehr Texttreue und weniger künstlerischen Eigensinn brauche, gehe ich direkt zu Replicate, wo ich ohnehin Zugriff auf alle denkbaren Modelle habe.“
Statt zu widersprechen, machte Robin mir ein Angebot: Ich sollte das neue Tool einfach selbst ausprobieren, auch wenn es zu dem Zeitpunkt noch nicht öffentlich zugänglich war. Als eigenständige Anwendung oder direkt als Plugin für Photoshop. Gesagt, getan. Was als skeptischer Test begann, hat sich seither zu einem unverzichtbaren Bestandteil meiner täglichen Bildproduktion entwickelt. Und um es vorwegzunehmen: Ich war ziemlich schnell und bin immer mehr begeistert.
Was genau ist AI Lab?
Das AI Lab ist im Kern eine auf dem eigenen Rechner laufende Schnittstelle zu den fortschrittlichsten Bildgeneratoren. Aktuell sind das Nano Banana Pro, Seedream und Flux2 – allesamt Modelle der nächsten Generation, die für ihre Detailtreue und visuelle Kohärenz bekannt sind. Weitere, wie das textlich noch präzisere aber ästhetisch eher langweilige GPT Image 1.5, sollen in Kürze folgen.
Meine anfängliche Skepsis wich schnell einer tiefen Wertschätzung für die durchdachte Architektur der Software. Endlich kann ich bequem (und bei Bedarf) auf Deutsch prompten, ohne regelmäßig über die sprachlichen Hürden und kulturellen Eigenheiten englischsprachiger Modelle zu stolpern. Die wahre Offenbarung ist jedoch die Projektverwaltung. Wo ich früher mit unzähligen Textdateien, Screenshots und verstreuten Bildordnern hantierte, kann ich nun übersichtlich in Projekten arbeiten, Prompts mitsamt ihrer Variationen sinnvoll verwalten und die verwendeten Vorlagenbilder direkt mit den dazugehörigen Befehlen abspeichern. Es ist verblüffend, wie ein so aufgeräumtes und in seinen Grundzügen in kaum mehr als zehn Minuten erlernbares Werkzeug eine derart tiefgreifende Wirkung auf die eigene Arbeitsweise haben kann.
Mehr als nur Komfort: Die Rückkehr der Souveränität
Doch die Begeisterung speist sich nicht allein aus persönlichem Komfort. Sie rührt an eine grundsätzlichere Frage, die in der rasanten Entwicklung der generativen KI oft untergeht: die Frage nach der Kontrolle und Souveränität über den eigenen kreativen Prozess. Während die großen Anbieter ihre Nutzer immer tiefer in ihre Cloud-Ökosysteme ziehen und die Prozesse hinter den Kulissen zunehmend zur Blackbox werden, geht das AI Lab den entgegengesetzten Weg. Alles läuft lokal. Die Projekte, die Prompts, die Bildvorlagen – alles verbleibt auf dem eigenen Rechner. Das ist nicht nur ein Vorteil in puncto Datenschutz, sondern es bedeutet auch Unabhängigkeit von Server-Verfügbarkeiten und die Gewissheit, die Hoheit über die eigenen Daten zu behalten.
Diese lokale Architektur ist ein klares Bekenntnis zum professionellen Anwender, der seinen Workflow nicht den Launen einer Plattform unterwerfen will. Es ist der Unterschied zwischen dem Mieten eines möblierten Zimmers und dem Besitz eines eigenen, gut sortierten Ateliers. Man tauscht die vermeintliche Einfachheit einer All-inclusive-Weboberfläche gegen die nachhaltige Effizienz eines maßgeschneiderten und selbst kontrollierten Systems. Das AI Lab ist damit weniger ein weiteres KI-Spielzeug als vielmehr ein ernsthaftes Produktionswerkzeug, das die Zettelwirtschaft der frühen KI-Jahre endlich beendet und eine strukturierte, reproduzierbare Arbeitsweise ermöglicht.
Der Preis der Ordnung
Natürlich hat diese Professionalisierung ihren Preis. Man könnte argumentieren, dass die integrierten Dienste auch direkt und teils vielleicht etwas günstiger nutzbar sind. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Wer nur gelegentlich ein Bild für eine Präsentation benötigt, wird mit den kostenlose Web-Tools weiterhin glücklich sein. Doch wer generative KI als festen Bestandteil seiner Arbeit begreift, wer in Bildserien denkt, konsistente Stile über mehrere Projekte hinweg benötigt und Wert auf einen effizienten, störungsfreien Prozess legt, für den stellt sich die Frage anders. Hier ist der monatliche Obolus keine Ausgabe, sondern eine Investition. Eine Investition in gesparte Zeit, in weniger Frustration und vor allem in die Kontrolle über das eigene digitale Handwerkszeug.
AI Lab in der Praxis
In den kommenden Wochen werden wir hier bei DOCMA das eine oder andere Projekt exemplarisch vorstellen und zeigen, wie sich die Arbeit mit dem AI Lab in der Praxis gestaltet. Denn am Ende geht es nicht darum, ein Werkzeug gegen ein anderes auszuspielen. Es geht darum, die Werkzeuge zu finden, die den eigenen Ansprüchen an Qualität, Effizienz und kreative Freiheit am besten gerecht werden. Das AI Lab hat das Potenzial, für viele professionelle Bildschaffende genau diese Rolle einzunehmen – als die lang ersehnte Kommandozentrale im kreativen Chaos der künstlichen Intelligenz.




Das hört sich vielversprechend an. Kein ständiges Übersee-Hin und Her mit den eigenen Gestaltungen, vielleicht auch weniger Wartezeit während der Rushhour. Allerdings gibt es für uns noch eine besonders wichtige Frage: Lässt sich das Tool auch für Videosequenzen nutzen? Bin gespannt.
Noch nicht, aber es würde mich wundern, wenn nicht bald auch 🙂 Dein Entwicklung steht noch am Anfang.
Das klingt so, als würde ich alle Modelle auf dem Rechner haben müssen – und, dass die Verarbeitung lokal stattfindet. Da ich keinen NVIDIA-Fetisch habe, scheidet das aus. Ist es auch möglich, die Modelle über AI Lab auch online zu nutzen?
Nein, die Verarbeitung findet natürlich extern statt, aber die Daten (also die Prompts und die fertigen Bilder) werden lokal abgelegt.