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Terror-Anrufe aus der „Windows-Zentrale“

49 Windows

Foto und Montage: Doc Baumann

 

Seit einiger Zeit erhält Doc Baumann täglich einen Anruf von der Microsoft-Windows-Zentrale – jedenfalls behaupten die von stetig wechselnden Telefonnummern aus anrufenden Herren das. Wenn man die Kerle schon nicht los wird, kann man sie wenigstens ein bisschen ärgern, bevor man auflegt.

Den ersten Anruf nahm ich noch ernst – auch, wenn der Herr am anderen Ende der Leitung sich in einem deutlich afrikanisch gefärbten Englisch bei mir meldete. Er sei von der „Microsoft-Windows-Zentrale“. Um seine und meine Zeit nicht zu vergeuden, erlaubte ich mir, ihn gleich mit dem freundlichen Hinweis zu unterbrechen, ich sei kein Windows-User. Was er mir zu sagen habe, sei aber trotzdem sehr wichtig. Da ich viele dieser bedeutsamen Anrufe erhalte, teile ich ihm mit, für mich sei es aber nicht wichtig, verabschiedete mich höflich und legte auf.

Der nächste Anruf kam am folgenden Tag. Andere Telefonnummer, selber Text. Ich war nun etwas weniger höflich und bat den Anrufer, diese Belästigungen künftig zu unterlassen, ich habe kein Interesse. Nein, diese Anrufe würden Tag für Tag fortgesetzt, bis ich mir sein Anliegen anhöre. Ich legte auf.

Wie versprochen meldete sich „Microsoft“ auch am nächsten Tag wieder. Ich hatte schon überlegt, eine Trillerpfeife neben das Telefon zu legen – erinnerte mich aber eines Gerichtsurteils, derlei Notwehr sei wegen gerissener Trommelfelle als Körperverletzung zu verurteilen. Das wollte ich ja nun auch nicht, die Verurteilung, meine ich. Eigentlich auch nicht das kaputte Ohr  – wahrscheinlich sind das ein paar arme Schweine, die sich so ihr täglich Brot verdienen müssen. Ich antwortete also gar nicht. Nach einigen Sekunden Wartezeit legte der Aufrufer enttäuscht auf.

Das half aber auch nichts, der nächste Anruf kam. Diesmal hatten mich meine Englischkenntnisse mit einem Schlag verlassen und ich konnte nur auf Deutsch antworten. Auch das half; nach stereotypem Wiederholen von „Leider verstehe ich kein Englisch, bitte sprechen Sie Deutsch“ wurde die Verbindung unterbrochen.

Dasselbe Spiel einen Tag später. Danach wurde mir diese Variante langweilig und ich dachte mir etwas Neues aus.

„Hello Sir, this is the Microsoft Windows Center.“

Worauf ich in my badest possible English antwortete: „Good morning, that is very nice, but I need no new windows. My old function all good.“

„No, here is Microsoft Windows.“

„My windows are all so big that I can look outside, not micro-windows.“

„Sir, you don’t understand – I am talking about Microsoft Windows!“

„I am sorry, but I am too not interested at soft windows, I only have hard ones. They are better to clean.“

„I do not talk about real windows – Windows for your computer!“

„I have no computer.“

„Sir, you are lying!“

„No, I am sitting!“ (Fast hätte ich versehentlich ergänzt „in front of my computer“. Was mich an die schönen Koran-Verteilungsstände der Salafisten in der Innenstadt erinnerte, mit diesem großen Schild „LIES!“ daran, bei dessen Anblick ich mich beim ersten Mal angesichts der vielen „Sale!“- und „for women only“-Schriftzüge in den umliegenden Schaufenstern gefragt hatte, worum sie wohl ihre eigene Glaubenspropaganda als „Lügen“ bezeichnen …)

Danach gab mein Gesprächspartner endlich entnervt auf und kappte die Verbindung.

Mal sehen, was ich mir für den nächsten Anruf ausdenke.

  1. as42

    Ich bin bei solchen Anrufen eigentlich immer viel zu genervt, um meinen Spass mit den Anrufern zu haben. Aber so ist das sicher eine schöne Story für die Leser und die Enkel ;-). Auf den Versuch mit der Trillerpfeife würde ich es vielleicht mal ankommen lassen. Ob die Anrufer – in welchem Teil unserer schönen Erde sie auch sein mögen – die deutsche Rechtsprechung kennen? Ich bezweifle es.

  2. Andreas Urban

    Moin,
    solchem Telefon-Spam begegne ich mittlerweile durch Rufnummern-Sperre in der FritzBox (dürfte ja sehr verbreitet sein). Diese ist auch für die guten alten DECT-Telefone als Telefonanlage/-zentrale einsetzbar, dann laufen alle Telefonverbindungen darüber und man kann diese mit Regeln ausfiltern. Auch wenn die Rufnummern wechseln, haben diese meist ein kleinstes Gemeinsames (wie z.B. 002015). In Telefonie->Rufbehandlung->Rufsperren dieses kleinstes Gemeinsame einrtagen (und sei es nur übergangsweise) und schon ist Ruhe.

  3. Ragnar793

    Ich habe mir früher mal den Spaß gemacht, durch Gegenfragen rauszubekommen, wenn mein Gegenüber verdient. War recht interessant was man da so zu hören bekam.

  4. longin

    wenn man gut drauf ist und sich den Spaß machen will:

    – just a moment, hold the line I put you through
    und dann dan Telefon neben das Radio stellen.

    Dann nach einer Minute nochmals dran gehen
    – sorry, the /IT guy / responsible person is busy. Hold the line -> Telefon Radio

    Nach einer weiteren Minute:
    – sorry he is still busy. Can you call again tomorrow?

    🙂

  5. rf-tronic

    Hallo Herr Baumann, danke für den unterhaltsamen Artikel…jetzt habe ich eine Ahnung, wer zuhause bei meiner Frau angerufen hatte. Sie kann nämlich kein Englisch. Ja, ich mache mir auch manchmal meine Scherze – aber nur bei Abzockern. Also „Sie haben 2 Reisen gewonnen“ und ähnlich. Da konnte ich schon mal jemandem nachweisen, dass er lügt. Die Trillerpfeife finde ich auch etwas bedenklich, trifft sie doch meist den Falschen und macht es für diesen noch schlimmer. Aber das nächste mal versuche ich es mit Russisch. Wäre nur blöd, wenn der Anruf von dort kommt. Beste Grüße und frohe Weihnachten.

  6. Johannes Wilwerding

    Sehr lustiger Beitrag – ich wäre zu gerne dabei gewesen 🙂 Schlimm ist nur, dass der Microsoft-Abzock-Trick bei vielen anderen erfolgreich funktioniert – auch wenn davor immer wieder gewarnt wird:
    http://www.chip.de/news/Fake-Anrufe-bringen-Trojaner-Warnung-vor-falschen-Microsoft-Mitarbeitern_75584009.html

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