
Wer glaubt, man hätte mit der Anschaffung eines der neu vorgestellten Apple-M5-MacBooks das letzte Wort in Sachen mobiler Kreativpower gesprochen, könnte beim Blick auf die Preisliste ernüchtern. Doch was steckt wirklich hinter den beeindruckenden Zahlen – und für wen lohnt sich der Sprung auf die neue Generation?
Die zwei Seiten des M5: Protz und Pragmatismus
Apple inszeniert den M5 Max, also die höchste Ausbaustufe der neuen 14″- und 16″ MacBook Pros als das Werkzeug für alle, die sich nicht mit Kompromissen abfinden wollen. 18 CPU-Kerne, 40 GPU-Kerne, bis zu 128 GB gemeinsamer Speicher und eine Bandbreite von 614 GB/s – das klingt nach Rechenzentrum im Notebook-Format. Der Einstieg ins MacBook Pro 14″ mit M5 Max beginnt bei 3.850 Euro, die Maximalvariante mit 128 GB RAM, 8 TB SSD und Nano-Textur-Display kratzt die an der 8.000-Euro-Marke. Man fragt sich dann vielleicht, ob das noch ein Arbeitsgerät oder schon ein Statussymbol ist.
Wenn es etwas bescheidener ausfallen darf, steht dem gegenüber das MacBook Air 15″ mit M5, das mit 10 CPU- und 10 GPU-Kernen, maximal 32 GB RAM und 153 GB/s Bandbreite deutlich bodenständiger daherkommt. Die Preisspanne reicht von 1.500 bis etwa rund 3.200 Euro für die Vollausstattung – und damit bleibt das Air für viele ambitionierte Kreative die realistischere Option.
Was die Zahlen im Alltag bedeuten
Apple verspricht beim M5 Max bis zu achtmal schnellere KI-Bildgenerierung, 6,5-mal flottere Sprachmodelle und 5,5-mal schnellere Videoeffekte im Vergleich zum M1 Max – das sind die offiziellen Marketingzahlen. Unabhängige Tests bestätigen: Die Richtung stimmt, auch wenn die Maximalwerte vermutlich selten im Alltag erreicht werden.
Für Fotografen, die regelmäßig mit 45-, 60- oder gar 100-Megapixel-RAWs hantieren und große Batch-Vorgänge in Auftrag geben, bringt der M5 tatsächlich einen spürbaren Vorteil. Die Exportzeiten in Lightroom Classic oder Capture One verkürzen sich gegenüber dem M1 um das 1,5- bis 2-fache. Wer jedoch vor allem JPEGs sortiert oder gelegentlich ein paar Ebenen in Photoshop verschiebt, wird den Unterschied eher im Portemonnaie als auf dem Bildschirm bemerken. Aber auch hier gilt die alte Erfahrung: Wenn ein neuer Rechner nicht wirklich mindestens doppelt so schnell arbeitet wie das Vorgängermodell, nimmt man den Unterschied im Alltag kaum wahr.
Im Videoschnitt zeigt sich ein ähnliches Bild: 4K-, 6K- und 8K-Material lässt sich auf dem M5 Pro mit beeindruckender Leichtigkeit schneiden und exportieren. 4K-H.264 wird mit bis zu 292 Bildern pro Sekunde verarbeitet, 8K-HEVC mit rund 159 Bildern. KI-gestützte Effekte wie Super Scale oder Face Refinement laufen bis zu doppelt so schnell. Wer regelmäßig mit mehreren Kameraspuren und aufwendigem Grading arbeitet, spart mit dem M5 nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.
Auch 3D-Künstler profitieren: In Blender rendert der M5 Max komplexe Szenen rund 1,7-mal schneller als der M1 Max. Cinema 4D mit Redshift zeigt, dass Apple zur Mittelklasse der PC-Grafikkarten aufschließt, auch wenn die absolute Spitze weiterhin von Nvidia besetzt bleibt. Wirkliche Vorzüge gegenüber deutlich günstigeren PC-Lösungen hat nur, wer KI- oder 3D-Software unbedingt auf mobiler Apple-Hardware laufen lassen will oder muss.
KI zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Hat man das im Hinterkopf ist man verwundert, dass Apple den M5 als lokale KI-Maschine inszeniert. Immerhin relativieren sie dieses Versprechen im Kleingedruckten. Stable Diffusion läuft auf dem M5 bis zu sechsmal schneller als auf dem M1, ein Bild in Standardauflösung (meist 512x 512 Pixel) benötigt statt 15 nur noch etwa 5 Sekunden. Lokale Sprachmodelle mit bis zu 14 Milliarden Parametern lassen sich dank des großen Speichers flüssig betreiben, der erste Token erscheint rund 3,6-mal schneller als auf dem M1. Hier spielt der M-Mac seinen bisher einzigen Vorzug in Sachen KI aus: Durch das Shared-Memory-Konzept, bei dem der Arbeitsspeicher auch gleichzeitig als Videospeicher fungiert, hat der Mac hier mehr Möglichkeiten große Modelle zu handhaben als PCs, die durch den separaten Video-Speicher auf ihren Grafikkarten stärker eingeschränkt sind.
Doch während Apple die lokale KI-Leistung betont, werden die spannendsten Funktionen ausgelagert: Die nächste Generation der personalisierten Siri und komplexe KI-Anwendungen laufen nicht mehr auf dem eigenen Gerät, sondern auf Googles Gemini-Servern. Was an sensiblen Aufgaben bleibt, wird lokal verarbeitet – alles andere wandert in die Cloud. Wer also glaubt, mit dem M5 völlig unabhängig zu sein, sollte sich die Zusammenhänge und Abhängigkeiten genauer ansehen.
Für wen lohnt sich der Umstieg?
Die Antwort hängt weniger vom Prozessor ab als von den eigenen Ansprüchen. Wer täglich mit riesigen RAW-Batches, 6K- oder 8K-Videos oder komplexen 3D-Szenen arbeitet, wird mit dem MacBook Pro 16″ M5 Max tatsächlich etwas Zeit und Nerven sparen. Für KI-Anwender, die lokal mit großen Modellen arbeiten wollen, öffnet der M5 neue Möglichkeiten, die beim M1 noch verschlossen waren.
Für alle anderen – Fotografen mit moderaten Batches, Cutter mit überschaubaren Projekten, Bildbearbeiter ohne Hang zu exzessiven Ebenenstapeln – bleibt der ältere Mac selbst mit einem M1-Prozessor ein zuverlässiges Werkzeug. Die Plattform ist stabil, die Geschwindigkeit reicht für die meisten Aufgaben aus. Das neue MacBook Air 15″ M5 empfiehlt sich für alle, die ein leichtes, leises Gerät ohne Lüfter suchen und keine professionellen Grenzbereiche ausloten. Es ist kein Kompromiss, sondern ein vollwertiges Arbeitsgerät für die Mehrheit der Anwender.
Fazit
Apple liefert mit dem M5 Max und dem M5 Air keine Revolution, sondern nur die jährliche Weiterentwicklung. Die Geräte sind schneller, leiser und effizienter als zuvor. Um es in Apple-Sprache zu sagen: „Es sind die besten MacBooks aller Zeiten“, aber die davor waren das auch schon. Jedes Jahr, wieder und wieder.
Wer solche Macbooks für seine realen Workflows tatsächlich braucht, wird die moderaten Leistungszuwächse schätzen. Wer sie nur begehrt, sollte sich fragen, ob die eigene Kreativität wirklich an der Hardware scheitert – oder vielleicht doch an ganz anderen Grenzen. Und wer glaubt, mit einem 8.000-Euro-Notebook völlig unabhängig zu sein, sollte nicht vergessen, dass das kommende Siri seine Antworten vor allem auf einem Google-Server sucht.
Eine persönliche Anmerkung
Ich arbeite seit etwa 30 Jahren mit Apple-Laptops. Fast zwanzig Jahre lang waren sie für mich vor allem bessere Reiseschreibmaschinen. Damals „hielten“ diese MacBooks bei mir jeweils etwa drei Jahre, wenn auch mit mindestens einem Tastaturwechsel. Dann erforderten neue Softwarefunktionen leistungsfähigere Prozessoren. Seit über zehn Jahren nutze ich die MacBooks als Hauptrechner. Allerdings mit der Maßgabe, grundsätzlich nur die Maximalausstattung einzusetzen. Wie man oben lesen kann, ist das ein ziemlich teures Vergnügen. Allerdings auch eins, das man nicht so oft wiederholen muss. Mein letztes Macbook Pro habe ich 2021 angeschafft, also vor fünf Jahren. Es ist natürlich keine Rakete mehr, tut aber im Alltag auch mit aktuellster Software und vielen großen Bildern seinen Dienst klaglos und mit überschaubarem Zeiteinsatz. Das gilt natürlich nur, wenn man KI-Berechnungen grundsätzlich beim Dienstleister erledigen lässt. Der hat eigentlich immer die neuste Hardware und im Vergleich zum Selberhosten von Flux und Deepseek sind die laufenden Kosten ein Witz.
Die Frage, die sich im Grunde stellt, wenn wir in Zukunft immer mehr mit KI und anderen Tools als SaaS, also als Software-as-a-Service, und vielleicht immer weniger mit lokal laufenden Programmen arbeiten werden, ist: Brauchen wir dann eigentlich noch diese Rechenzentren im Notebookformat auf dem Schreibtisch? Darüber sollte man mal in Ruhe nachdenken, wenn das Marketing-Geschrei verklungen ist.





