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Vorsicht beim Abbestellen von Newslettern!

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Fotos und Montage: Doc Baumann

 

Die Anzahl betrügerischer Mails, die wir täglich erhalten, nimmt ständig zu. Bei unverlangten Newslettern habe ich bisher immer verärgert auf „Abbestellen“ geklickt, bis mir irgendwann klar wurde, dass auch diese simple Aktion eine Verbindung zu bösartiger Schadsoftware herstellen kann.

 

Über Schadsoftware, Viren, Trojaner und anderes digitales Ungeziefer muss ich Sie sicherlich nicht aufklären. Die Medien berichten ständig darüber, und jeder sorgfältige User pflegt seine Firewall, installiert brav die neuesten Virenscanner und schaut sich seine Mails sehr genau an, bevor er auf einen Link klickt, der alles Glück dieser Erde verspricht – tatsächlich jedoch in die Hölle böser Server führt.

Auch ich habe all das stets beherzigt. Nun gibt es aber nicht nur tolle Versicherungsangebote, Gewinnbenachrichtigungen von Lotterien oder afrikanische Damen, welche die Millionenerbschaft ihres jüngst verblichenen (oder wörtlich: „verendeten“) Gatten freundlicherweise mit mir teilen wollen, sondern auch allerlei Newsletter. Als Journalist bekomme ich vielleicht besonders viele davon – die meisten wahrscheinlich echt, aber trotzdem (für mich) völlig uninteressant. Ich nehme an, Sie kennen das auch. Lange Zeit habe ich die nur genervt gelöscht, aber so vermehrt sich die Menge des digitalen Mists, der täglich den Mail-Kasten verstopft, auf Dauer ins Unüberschaubare. Wenn man morgens den Rechner einschaltet und das Mail-Programm 63 neue, ungelesene Mails anzeigt, sinkt die Laune gleich rapide.

Also habe ich irgendwann begonnen, am unteren Ende dieser Newsletter nach dem winzigen „Abbestellen“ oder „Unsubscribe“ zu suchen und beherzt darauf zu klicken. Danach wird man mit einer Website verbunden, die einem meist bestätigt, dass man nun ausgetragen sei, mitunter aber auch erst einmal eine lange Liste von Gründen für die Abbestellung (der nie eine Bestellung vorausgegangen ist) anbietet, die man ankreuzen muss, ehe man sich verabschieden darf.

In einem dieser Fälle dauerte der Verbindungsaufbau zur „Unsubscribe“-Seite so lange, dass ich mich fragte, ob in dieser Zeit nicht massenhaft Daten von meinem Rechner heruntergeladen oder umgekehrt unerwünscht darauf geschaufelt würden. Ich brach die Verbindung ab. Danach recherchierte ich ein wenig im Web und wurde schnell fündig: Selbstverständlich stellt man auch mit dem „Abbestellen“-Klick eine Verbindung zu einem Server her, was nicht weniger unangenehme Folgen nach sich ziehen kann, als würde man gleich auf einen Button hereinfallen, unter dem in roter Schrift steht: Mit einem einzigen Klick holen Sie sich hier die aktuellste Schadsoftware auf Ihren Rechner – nur zu!

Also habe ich das mit dem Abbestellen auch wieder aufgegeben. Bei besonders hartnäckigen und häufigen Newslettern suche ich schon mal im Web, ob es die entsprechende Firma überhaupt gibt. Manche gibt es, andere gar nicht – und ein paar gibt es fast, das heißt sie unterscheiden sich mitunter nur durch einen Buchstaben von einem realen Anbieter.

Fazit also: Man muss höllisch aufpassen, ehe man auf „Abbestellen“ klickt. Ohne zeitraubende Recherchen zuvor würde ich das nicht mehr machen. Und ich denke, nicht mal dann ist man wirklich sicher.

Ob die Absender nun Daten klauen wollen oder Viren installieren, oder ob sie „nur“ nicht-gewollte Werbung versenden, da sie ja Mailadressen im Zehntausenderpack für wenig Geld kriegen – man mag versuchen, noch so umweltbewusst zu leben; der Energieverbrauch für diesen Digitalschrott ist immens.

Also, seien Sie vorsichtig und warnen Sie auch Ihre Freund/innen, nicht unbedacht auf „Abbestellen“ zu klicken!

 


Nachtrag: Werbeschrott auf Papier


Unerwünschte Werbung gibt es bekanntlich nicht nur digital, sondern auch ganz traditionell auf Papier. Zum Beispiel jeden Samstag von der Deutschen Post als „Einkauf aktuell“ in 20 Millionen Briefkästen bundesweit. Können Sie sich vorstellen, wie viele Bäume dafür wöchentlich gefällt werden müssen?

Nicht weniger schlimm ist jedoch, dass dieser bunte Müll in Plastikfolie eingeschweißt ist. 20 Millionen mal! Ich vermute, die Mehrzahl dieser Wurfsendungen landet ungelesen im Müll. Aber in welchem? Restmüll? Gelber Sack? Da gehört Papier nicht rein. Papiertonne? Da wiederum sollte kein Plastik rein.

Übrigens: Für diese Sch … hat die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse die Post für ihr „reichweitenstärkstes Werbemedium ausgezeichnet“. Leben wir eigentlich im Irrenhaus?

Bisher habe ich an jedem Wochenende das Zeug aus dem Briefkaste geholt, mir zähneknirschend die Arbeit gemacht, den Plastikumschlag abzureißen, diesen in den gelben Sack, das Papier ungelesen in die Papiertonne zu werfen (und mir fest vorgenommen, bei den Firmen, die das in Auftrag geben, bestimmt nicht zu kaufen). Auf Dauer wird diese Fetzerei aber etwas lästig.

Vor kurzem wollte ich einen Brief in den Briefkasten werfen. Im gleichen Augenblick kam eine Frau mit einem kleinen Bündel dieser plastikverpackten „Einkauf aktuell“ und stopfte sie in den Briefkastenschlitz gegenüber. Ich grinste sie zustimmend an, sie grinste zurück und sagte: „Wenn die Post meinen Kasten vollmüllen kann, kann ich das umgekehrt doch auch!“

Das halte ich für eine prima Entsorgungs-Idee – sagen Sie’s weiter!

 

  1. jwfoto

    Auf das in den Postbriefkasten werfen muss man erst mal kommen, aber das ist Super gut. Muss man nachmachen, den diese Wurfsendung nervt sehr. Und mit dem Abgabestellen von diesen nervenden E-Mail ist mir bis jetzt nicht in den Sinn gekommen. Danke für den Hinweiß. Meisten benutze ich, wenn vorhanden eine E- Mail -Adresse und Teile direkt dem Absender mit, dass bei erneuten Belästigung ein Klage und Anzeige eingereicht wird und zu 99% hilft das.
    Gr. Joachim

  2. duenkler

    Dieser Tipp schadet nur den Nutzern diese einen Briefkastens! Ich finde diesen Vorschlag also überhaupt nicht gut – eher im Genteil.

    Hier bitte keine Werbung/Werbezeitschriften. — hält meinen Briefkasten sauber 🙂

  3. lichtzeichner

    Wie kann es sein, dass bei Herunterladen eines Mail-Anhanges auch gleich ein Programm installiert wird und auf der anderen Seite normale Bilder des „Mail-textes“ blockiert werden (auch beim DOCMA-Newsletter) – schwerer Programmfehler oder gewünschtes (von wem?) Feature?

    Wie kann es sein, dass der Browser beim Anzeigen einer Website Programmcode mit herunterlädt und unkontrolliert ausführen darf? Nicht nur Bilder anzeigen, oder in einem geschützten Bereich – nein mit Vollzugriff auch auf das gesamte System – schwerer Programmdesignfehler oder in Kauf genommene Schlampigkeit?

    All diese Dinge sind seit Jahren und X Programmversionen bekannt – auch den Antivirenherstellern. Der Erfolg von Gegenmaßnahmen ist endenwollend.

    Ich habe mich bei solchen unverlangten Newsletters nie abgemeldet, da ich daduch die Existenz der Email-Adresse bestätigt hätte. Die Zeit habe ich in die Aktualisierung des Spamfilters und Liste der unerwünschten Absender gesteckt.
    Der Erfolg? Ehrlich gesagt: genauso überschaubar.

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