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Klarstellung

Im Editorial der aktuellen DOCMA-Ausgabe geht Doc Baumann u.a. auf die bevorstehende Bundestagswahl ein und fragt sich, wen man überhaupt noch wählen kann. Das sollte keinesfalls als Aufruf zur Wahlverweigerung verstanden werden.

Liebe DOCMAtiker/innen,

auch Bildbearbeiter sind Wähler. Darüber hinaus tragen sie eine Menge dazu bei, Politiker auf großflächigen Wahlplakaten als makellos glattgebügelte Sympathieträger erscheinen zu lassen. Ohne uns gäbe es keine schönen Wahlplakate; also sollte es ohne uns auch keine Wahl geben. Mit anderen Worten: Am 22. wählen gehen!
In der aktuellen DOCMA habe ich in meinem Editorial auch ein paar Sätze zur Bundestagswahl am 22. September geschrieben. Mit ein wenig Abstand gelesen, könnte man meinen Text – unten noch einmal wiedergegeben – so missverstehen, als wolle ich zur Wahlenthaltung aufrufen. Keineswegs! Mir persönlich wäre es ja vielleicht lieber, meine Mitbürger, die ihr Kreuzchen nicht an der von mir bevorzugten stelle machen, blieben zu Hause – aber der Demokratie täte das nicht gut, und man könnte einer Regierung, die nach einer Wahl mit schwacher Beteiligung ins Amt gekommen ist, immer leicht vorwerfen, sie repräsentiere einen nur geringen Teil der Bevölkerung.
Ich habe noch nie die Partei wählen können, von der ich mir die Erfüllung all meiner politischen Wünsche tatsächlich hätte erwarten können. Das wäre auch ziemlich unrealistisch. Daher kann ich immer nur die wählen, die meinen Vorstellungen am nächsten kommen – und damit versuchen, eine Regierung der Parteien zu vermeiden, die ich für noch schlimmer halte. Seit ich wählen darf, habe ich stets "das geringere Übel" gewählt. Aber ich habe gewählt, jedes Mal. Und ich möchte Sie bitten, das auch zu tun. Trotz aller Kritik am Wahlkampfzirkus, an der Borniertheit und Kurzsichtigkeit der Regierenden, an peinlichen Wahlgeschenken und Wahlversprechungen … immerhin können wir wählen, und pauschal zu behaupten, die einen seien unterm Strich auch nicht besser als die anderen, klingt plausibel, ist aber dennoch nicht richtig.
Also: Gehen Sie wählen!

Mit den besten Wünschen
Ihr Doc Baumann


Auszug aus dem Editorial aus DOCMA 54:
Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Da überlegt man als Bürger und Bild­be­arbeiter, welcher Partei man seine Stimme geben möchte. Neulich sah ich eine schöne Karikatur in der Frankfurter Rundschau, die als Säulendiagramm die derzeitigen Wähler­positionen visualisierte. Danach steht an der Spitze die Gruppe der Nichtwähler – weit abgeschlagen folgen als Split­terparteien die im Bundestag vertretenen. Rechnet man die rund 40?% Verweigerer (gewiss nicht alle aus staatsbürgerlich ehrenwerten Gründen), bleiben für die übrigen recht mickrige Prozentsätze, die den Anspruch, die Mehrheit der Bevölkerung zu vertreten, etwas ver­messen erscheinen lassen.
Doch wen wählen? Lassen wir mal politische Werte für einen Augenblick draußen vor und schauen nur auf die Kohle. Die derzeitige Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP ist gerade dabei, die Künstlersozialkasse praktisch ­abzuschaffen, indem sie es verweigert, zahlungspflichtige ­Fir­men angemessen überprüfen zu lassen. Da haben die Lobbyisten mal wieder kräftig gedreht. Das geht den allermeisten von uns an die Existenzgrundlage.
Die Oppositionsparteien dagegen wollen die KSK stärken. Bravo! SPD, Grüne und Linkspartei wollen auch für gute Zwecke die Steuern der ­Besserverdienenden erhöhen. Klingt sozial. Aber wie wäre es, erst einmal die – auch von den Parteien im linken Spektrum oft mitgetragene – maßlose Verschwendung unserer Steuergelder in den Griff zu kriegen? Bundeswehr-Drohne, ­Bahnhof Stuttgart, Flughäfen Berlin und Calden, die Geschäfte von Ex-Ministerpräsident Mappus und so fort … in jedem einzelnen Fall mindestens Hunderte von Millionen Euro. Ganz zu schweigen von den zahllosen frühpensionierten und in höhere Gehaltsklassen katapultieren Beamten.
Wen soll man da noch wählen? Politiker, die die Bevölkerung ständig aufs Peinlichste belügen, bis sie angesichts neuer Fakten zurückrudern müssen? Wie können Regierungen (pseudo-)empört auf die US-Bespitzelung reagieren und gleichzeitig dem mutigen Mann, der sie ans Licht gebracht hat, Asyl verweigern? Obama sollte seinen unverdienten Friedens-Nobelpreis an Edward Snowden weiterreichen!

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