Woher kommt der helle Fleck in den Smartphone-Fotos?
Wenn Sie mit dem Smartphone fotografieren, werden Sie das Problem kennen: In Gegenlichtsituationen zeigt sich unweigerlich ein heller Fleck im Bild, der dort nicht hingehört. Als Erklärung wird meist auf „Lens Flares“ verwiesen, aber das trifft es nicht so ganz. Und warum sind Smartphones überhaupt so anfällig dafür?
Aufnahmen im Gegenlicht waren natürlich schon immer eine Herausforderung – schon in der analogen Ära. Helle Lichtquellen im Bild, sei es die Sonne oder ein Scheinwerfer, bereiten einem Objektiv Probleme: Ein Teil des Lichts dringt nicht auf dem vorgesehenen Weg durch die Linsen bis auf den Film oder heutzutage den Sensor, sondern wird reflektiert, entweder diffus am unzureichend geschwärzten Innentubus oder gerichtet von den Vorderseiten der Glaselemente. Wenn sich dieses frei im Objektiv vagabundierende Licht dann doch noch an der Bildentstehung beteiligt, legt es einen kontrastmindernden Schleier über das Motiv und erzeugt helle, oft farbige Flecken, die die Form der Blende haben, denn dort musste es ja mindestens einmal hindurch. Solche blendenförmigen Artefakte bezeichnet man als Blendenflecke; allgemein spricht man auf Englisch von Lens Flares. Filmregisseure erzeugen die Blendenflecken manchmal künstlich und setzen sie als Stilmittel ein – wer’s mag …

Der helle Fleck in Smartphone-Aufnahmen entsteht ein bisschen anders. Dass er mit traditionellen Blendenflecken wenig zu tun hat, erkennt man schon daran, dass er immer einzeln auftritt (einmal pro Lichtquelle, genauer gesagt), und er zeigt auch nicht unbedingt die Form der Blende. Echte Blendenflecke dagegen kommen gewöhnlich im Rudel und dann gerne in mehreren verschiedenen Farben.
Das Beispielfoto oben ist typisch für das Phänomen, um das es hier geht: Die untergehende Sonne rechts oben im Bild erzeugt eine grünliche Spiegelung links unten – eine Linie, die die Lichtquelle und ihr Spiegelbild verbindet, geht stets durch die Mitte des Bildes. Die Spiegelung ist ein zweites Bild der Lichtquelle, hat also auch deren Form, nur eben gespiegelt. Gegen solche Artefakte lässt sich nicht viel ausrichten; auch eine Streulichtblende (die Smartphones ja sowieso nicht haben) würde keine Abhilfe schaffen. Man kann nur den Bildwinkel etwas variieren, damit die Spiegelung an eine Stelle verschoben wird, an der man sie später leichter wegstempeln kann. In diesem Beispiel würde man den Fleck so verschieben, dass er gänzlich über der Wasseroberfläche oder besser noch dem ohnehin fast schwarzen Blattwerk liegt. Bei mehreren Lichtquellen wäre das allerdings fast unmöglich.

Dass die Spiegelung die Form der Lichtquelle hat, illustriert ein anderes Beispiel, das während der (in Deutschland nur partiellen) Sonnenfinsternis am 12. August entstanden ist. Die größtenteils verfinsterte Sonne links oben erscheint dennoch überstrahlt, aber ihre Spiegelung rechts unten lässt deutlich erkennen, wie sich der Mond vor die Sonnenscheibe geschoben hat. Im Original, also ungespiegelt, sah das natürlich etwas anders aus.

Aber wie entstehen die störenden Spiegelung denn nun? Von der analogen Fotografie kennt man sie ja nicht, und auch bei Aufnahmen mit Digitalkameras treten sie nur unter bestimmten Bedingungen auf. Hier wird das in das Objektiv fallende Licht nämlich weder von den Linsen noch vom Innentubus reflektiert, sondern vom Sensor beziehungsweise von dessen Schutzglas. Eine Vergütung soll das verhindern, was aber nur teilweise gelingt. Damit das zurückgeworfene Licht nun aber nicht harmlos durch die Frontlinse ins Freie entweicht, sondern ein zweites Mal zum Sensor reflektiert wird, ist neben dem Sensorschutzglas eine weitere plane Glasfläche nötig. Die findet man durchweg nicht im Objektiv selbst, und wenn Sie in Ihren Fotos dennoch gespiegelte Lichtquellen entdecken, sollten Sie nachschauen, ob Sie nicht ein Filter davor geschraubt haben. Ein UV-Filter beispielsweise mag zum Schutz der Frontlinse taugen, aber es provoziert eben auch störende Reflexionen, und für Gegenlichtaufnahmen schraubt man es daher besser ab.
Bei Smartphones ist das keine Option, denn ein planes Schutzfilter vor jedem Kameramodul ist fest eingebaut. Damit vertragen die Handys auch die im Alltag oft raue Behandlung, aber andererseits stellen sich bei Gegenlichtaufnahmen unweigerlich Reflexionen der Lichtquellen ein. Zugunsten der Robustheit der Smartphone-Kameras muss man diesen Nachteil akzeptieren.






