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Bildperspektive ermitteln: Dreipunktperspektive

Viele Fotos haben nicht nur zwei, sondern drei Fluchtpunkte.

Wir gehen in der Regel davon aus, dass bei der Ansicht einer Straßenszene die senkrechten Kanten der Gebäude auch im Bild senkrecht ausgerichtet sind – daher habe ich das Foto dort in Hinblick auf diese Erwartung „entzerrt“. Tatsächlich jedoch ist das durchaus nicht so, sondern es handelt sich lediglich um eine abendländische Darstellungskonvention, die seit den Perspektivkonstruktionen der Renaissance eine solche Wiedergabe fu?r richtig und angemessen erklärt. Dabei ist eigentlich klar: Je weiter etwas entfernt ist, um so kleiner wirkt es, und das gilt unabhängig von der Richtung. Offensichtlicher als viele andere Fotos hat diese Aufnahme von Manhattan nicht nur zwei, sondern drei Fluchtpunkte: Zwei davon liegen auf dem Horizont, der dritte weit unterhalb der Erdoberfläche.

Im Unterschied zu einer von oben nach unten fotografierten Szene mit einem tief liegenden Fluchtpunkt weisen vom Bodenniveau aufgenommene einen solchen mehr oder weniger weit oben auf. Bei u?blichen Fotos macht sich dieser Effekt nicht stark bemerkbar, und der Fotograf beziehungsweise Bildbearbeiter kann entscheiden, ob die senkrecht fluchtenden Kanten „entzerrt“ werden sollen oder ob diese Konvergenz beibehalten werden kann. Die verkleinerte Ansicht der Fluchtlinienkonstruktion des oberen Fluchtpunktes rechts zeigt, dass bei einer Aufnahme mit gerade oder nur leicht schräg gehaltener Kamera dieser Punkt sehr weit oben liegt – das hat zur Folge, dass eine Perspektivekorrektur nicht auffällt.

Deutlich niedriger liegt der obere Fluchtpunkt, wenn Sie nach oben schauen oder bei geneigter Kamera in diese Richtung fotografieren. Das World Trade Center habe ich 1996 vor seiner Zerstörung durch ein Glasdach fotografiert; bei einer solchen Aufnahme mit einem nur knapp außerhalb der Bildgrenzen liegenden Fluchtpunkt greift die Erwartung senkrecht wiedergegebener Gebäudekanten nicht mehr. Wu?rde man ein solches Bild „entzerren“, sähe das Ergebnis nicht korrigiert, sondern höchst befremdlich und falsch aus.

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