KI-Podcast Folge 19: Doc Baumann über Fotografie, KI und Kunst

In Folge 19 des KI-Podcasts des Deutschen Fotorats ist DOCMA-Mitherausgeber Doc Baumann zu Gast. Gemeinsam mit Jürgen Scriba und Boris Eldagsen diskutiert er darüber, wo Fotografie endet und das KI-Bild beginnt – und warum die Unterscheidung mehr als eine Frage der verwendeten Software ist.
Baumann zieht eine klare Grenze: Ein KI-generiertes Bild hat physikalisch nichts mehr mit Fotografie zu tun. Entscheidend ist für ihn das kausale Verhältnis zwischen einer realen Szene und dem daraus hervorgegangenen Bild. Bei einer Fotografie trifft Licht von einem tatsächlich vorhandenen Motiv auf einen lichtempfindlichen Sensor oder Film. Ein Bildgenerator berechnet dagegen Bildinhalte aus einem Modell. Deshalb hält Baumann auch Begriffe wie „KI-Foto“ für problematisch: Sie legen einen fließenden Übergang nahe, obwohl zwei grundsätzlich unterschiedliche Verfahren dahinterstehen.
Interessant wird die Diskussion, als es um die Wahrnehmung solcher Bilder geht. Die Gesprächspartner sprechen darüber, dass Betrachter ein Bild häufig anders bewerten, sobald sie erfahren, dass es mit KI generiert wurde. Anschließend geht es um die schwierigere Frage, ob ein KI-Bild Kunst sein kann. Eldagsen betont dabei die menschliche Intention und versteht Kunst als Ausdruck menschlicher Erfahrung. Baumann argumentiert offener: Auch ein Bild ohne eindeutig formulierte Absicht könne eine starke ästhetische Wirkung entfalten.
Dabei landet das Gespräch schließlich beim „Latent Space“, vereinfacht gesagt dem mathematischen Raum, in dem ein KI-Modell gelernte Zusammenhänge zwischen Bildmerkmalen repräsentiert. Baumann zieht Parallelen zu menschlichen Erinnerungs- und Assoziationsprozessen. Die Diskussion führt damit über technische Fragen hinaus zur alten Frage, wodurch aus einem Bild überhaupt Kunst wird.
Die Passage mit Doc Baumann beginnt bei 48:38 Minuten. Zuvor behandelt Folge 19 unter anderem die Kennzeichnungspflichten des europäischen AI Acts, aktuelle Bild- und Videogeneratoren sowie die Kosten professioneller KI-Workflows.



