Ein Riesenrad bietet ideale Voraussetzungen für fotografische Experimente mit Modding-Objektiven. Im Gegensatz zu anderen Fahrgeschäften sind die Bewegungen gemächlich und vorhersehbar, was Erfolgserlebnisse auf Anhieb verspricht. Die Kombination aus Cambo-Optiken und einem modifizierten Pancolar eröffnet dabei ungewöhnliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Cambo-Objektive nutzen eine Tessar-Rechnung, das Pancolar basiert auf dem Planar. Beide wurden von Paul Rudolph zwischen 1860 und 1902 für Zeiss berechnet. Ob er sich für den neuen Bildlook begeistern könnte?
Aktuell gibt es immer wieder den einen oder anderen Aufreger, der Objektiv-Modding moniert. Wie auch immer, Banksy darf seine Bilder schreddern – und mein Objektiv gehört mir. Der Eingriff in die Optik ist im Übrigen reversibel.
Nein, weder Anschlag noch Unfall. Nur die Zweige eines Baums sind ins Bild geraten. Um die raschen Farbwechsel vollständig zu erfassen, hat sich die Serienbildfunktion bewährt.Die Cambo-Optiken werden über Filteradapterringe mit dem Pancolar verbunden. Im Vergleich zu anderen Modding-Objektiven bietet diese Kombination mehr Raum für fotografische Experimente. Mit einem Helicoid-Adapter ähnelt die Handhabung der eines Zooms.
Allein genutzt reicht die Pancolar-Bandbreite von zart bis hart: von piktorialistischen Qualitäten bis zu grafischen Abstraktionen. Geprägt vom Bestreben, die Fotografie als Kunstform zu etablieren, entwickelte sich der Piktorialismus zu einer internationalen fotografischen Strömung, die ihre Blütezeit zwischen 1890 und 1920 erlebte. Cambo-Optiken in Kombination mit einer unveränderten Normalbrennweite erzeugen moderate Ergebnisse. Wie das aussehen kann, zeigt dieser Beitrag.
Der hintere Linsenblock des Pancolars lässt sich oft mit der Hand herausdrehen. Nach dem Lösen des Rings (links) hilft ein Gummisauger, die Linse ohne Fingerabdrücke zu entnehmen. Am Rand gefasst, wird sie umgedreht wieder eingesetzt: Was vorher nach außen zeigte, zeigt dann nach innen.Ein ausgedienter Polfilter dient als Träger der Cambo-Optiken. Sein Glas (rechts) gibt die Größe der Trägerplatte vor.Die Trägerplatte kann mit dem Cuttermesser geschnitten werden. Das Material heißt Gutta-Hobbycolor, ist in Bastelläden, Baumärkten und online ab 3 Euro zu haben.Zum Fixieren der Cambo-Optiken eignen sich Haftpads ebenso gut wie Heißkleber.Das modifizierte Pancolar an einer MFT-Kamera bietet eine äquivalente Brennweite von 100 Millimetern und lässt diesen Effekt entstehen.Vom gleichen Standpunkt mit einer Vollformatkamera aufgenommen, entsteht mit dem Pancolar dieser Look.
Das Pancolar ermöglicht je nach Motiv und Abstand zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Harte, farbige Lichter ließen dieses Bild entstehen.
Weiches Licht eignet sich für piktorialistisch inspirierte Aufnahmen.Der Modding-Guide führt Schritt für Schritt zum Ziel: vom Kauf einer Cambo-Kamera bis zur Adaption der Objektive. Ihr Ausbau erfordert lediglich einen Schraubendreher, ein Objektivschlüssel ist willkommen.
Der Modding-Guide: Die kostenlose Kindle-App ermöglicht das Lesen auf PC, Handy und Tablet. Eine Leseprobe lädt zum Ausprobieren ein.
Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.