
Adobe bringt seine Kreativwerkzeuge erstmals in Googles Chatbot Gemini. Das bestehende Plugin für Claude wächst auf mehr als 80 Tools und enthält jetzt auch Acrobat-Funktionen für PDFs.
In Gemini sollen Nutzer im Chat auf Werkzeuge aus Photoshop, Lightroom, Adobe Express und Firefly zugreifen können, etwa um Fotos zu optimieren, Marketingmaterial zu gestalten oder Designs anzupassen. Welche Tools und Arbeitsschritte dafür nötig sind, entscheidet Adobe im Hintergrund. Die Einführung steht noch bevor, einen Termin nennt Adobe nicht. Gemini kommt nach Angaben von Adobe auf mehr als eine Milliarde Nutzer im Monat. Weitere Funktionen sollen später folgen.
Das Plugin Adobe for Claude deckt jetzt Acrobat, Express, Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, InDesign und Adobe Stock ab. Mit den Acrobat-Werkzeugen lassen sich Seiten löschen, PDFs zusammenführen oder aufteilen, sensible Stellen schwärzen und Dokumente in andere Formate exportieren. Wer selbst Hand anlegen will, öffnet die Datei in einem neuen interaktiven Editor, sortiert Seiten um, ändert Text oder setzt Kommentare und Markierungen. Die Funktion Document Review lässt Claude das Dokument analysieren und Anmerkungen direkt im Editor eintragen.
Für Express-Designs gibt es einen ebenenbasierten Editor. Bilder, Texte, Farben und Schriften lassen sich darin einzeln auswählen und ändern, ohne dass Claude das ganze Design neu generiert. Bisher lief die Bearbeitung in Claude nur über Anweisungen im Chat.
Die Installation erfolgt über die Adobe-Seiten für Claude und Gemini.
Was heißt das für Fotografen und Bildbearbeiter?
Die eigentliche Bildbearbeitung wandert damit nicht in den Chatbot. Wer RAW-Dateien entwickelt, Farbe für den Druck abstimmt oder Retuschen auf Pixelebene macht, bleibt in Lightroom Classic und Photoshop. Dort sieht man, was man tut, und kontrolliert jeden Regler. Im Chat beschreibt man ein Ergebnis und bekommt eine Interpretation davon zurück. Für ein Hochzeitsporträt, das der Kunde abnimmt, reicht das nicht.
Interessant wird die Integration dort, wo Fotografen heute Zeit verlieren, ohne zu fotografieren. Drei Beispiele:
Aus einem fertigen Bild schnell Varianten für Instagram, Newsletter und Website ableiten, mit Text und passendem Format, ohne Express eigens zu öffnen. Das passt zu Adobes Beschreibung, liefert aber Gebrauchsgrafik, keine Gestaltung mit Anspruch.
Der größere Hebel liegt bei den PDFs. Angebote, Rechnungen, Portfolios, Model-Releases und Bildrechte-Verträge laufen im Fotografenalltag fast immer als PDF. Seiten zusammenführen, ein Portfolio für einen bestimmten Kunden kürzen, persönliche Daten in einem Release vor der Weitergabe schwärzen: Solche Aufgaben erledigt man künftig im selben Chat, in dem man auch die Anschreiben formuliert. Die Funktion Document Review kann einen Vertrag gegenlesen und auf Stellen hinweisen. Eine juristische Prüfung ersetzt das nicht.
Wer Claude oder Gemini ohnehin für Texte und Korrespondenz nutzt, spart sich damit den Wechsel zwischen Programmen. Wer das nicht tut, hat wenig Grund, damit anzufangen.
Zwei Punkte sollte man vor dem ersten Versuch klären. Erstens landen Bilder und Dokumente bei zwei Anbietern, Adobe und dem Chatbot-Betreiber. Bei Kundenaufträgen mit Vertraulichkeitsklausel, bei unveröffentlichtem Material und bei Personenfotos ist das eine Frage des Vertrags und der DSGVO, nicht des Komforts. Zweitens nennt die Pressemitteilung weder Preise noch Voraussetzungen. Ob und wie weit ein Creative-Cloud-Abo nötig ist und welche Dateiformate die Photoshop- und Lightroom-Werkzeuge im Chat verarbeiten, bleibt offen. Wer RAW-Dateien einspielen will, sollte das mit einem unkritischen Testbild ausprobieren.
Die Empfehlung ist entsprechend nüchtern: Den PDF-Teil ausprobieren, wenn man ohnehin mit Claude arbeitet. Für die Bildbearbeitung im Chat reicht vorerst ein Test mit einem Bild, an dem nichts hängt
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