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Mac Studio M5 Ultra: Ein halbes Terabyte RAM für den Schreibtisch, und Photoshop merkt es nicht einmal

Die Zukunft des Grafikstudios könnte ein Aluminiumklotz von der Größe eines dicken Brotkastens sein, der an einem Sprachmodell mit über einer Billion Parametern rechnet. Kein Serverschrank, kein summender Nebenraum, kein Vertrag mit einem Rechenzentrum am anderen Ende der Welt. Nur diese Kiste, ein Netzkabel und, im Inneren, 512 Gigabyte Arbeitsspeicher, die sich der Prozessor mit der Grafikeinheit teilt, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Vor drei Jahren hätte man dafür ein kleines Firmenbudget gebraucht.

Bald steht es vielleicht neben dem Monitor und braucht kaum mehr Strom als ein kräftiger Fön. Dann spuckt es etwa alle drei Minuten wahlweise ein 16 Megapixel-Bilder in Flux3-Qualität aus, einen Kampagenen-Entwurf in 5 Minuten oder auch kurze Videoclips aus. Die dauern natürlich auch viel länger als man das von den Software-as-a-Service (SaaS)-Angeboten der großen Anbieter kennt, aber die Kombination von sensiblen Daten und KI ist dann kein Problem mehr.

Apple hat den Mac Studio Ende August überraschend aufgerüstet, mitten im Sommer statt wie üblich zum Herbst, und den M5 Ultra vorgestellt. Die Eckdaten lesen sich beeindruckend: eine 36-Kern-CPU, eine 80-Kern-GPU, bis zu 512 Gigabyte gemeinsamer Speicher mit 1,2 Terabyte pro Sekunde Bandbreite, dazu ein Interconnect zwischen den beiden verschmolzenen Chiphälften, der mit 4,4 Terabyte pro Sekunde fast doppelt so schnell arbeitet wie beim Vorgänger. Bleibt die Frage, die man sich bei jeder Rekordmaschine stellen sollte, bevor man das Datenblatt bewundert: Wer um alles in der Welt braucht das eigentlich?

Für Photoshop wäre das ungefähr so, als führe man mit dem Formel-1-Wagen zum Bäcker

Zuerst die Enttäuschung: Wer sich die Kiste kauft, weil sie Ebenen sich schneller stapeln und Masken sauberer ziehen sollen, überschätzt, was Bildbearbeitung heute an einem Rechner reißt. Ja, der M5 Ultra bringt erstmals sogenannte Neural Accelerators in jeden einzelnen Grafikkern, die Raytracing-Einheit ist eine Generation weiter, und Apple verspricht bis zu 80 Prozent mehr reine Grafikleistung. In der Praxis heißt das: Das generative Füllen rechnet flotter, große Panoramen mit vielen hundert Ebenen ruckeln nicht mehr, und ein 100-Megapixel-Studio-Shot mit vielen Ebenen lässt sich noch einen Hauch „echtzeitiger“ bearbeiten.

Allerings rührt Photoshop die 512 Gigabyte kaum an. Selbst eine ausgewachsene Composing-Datei mit Dutzenden Smartobjekten im 16-Bit-PSB-Format kommt selten über ein paar Dutzend Gigabyte hinaus. Für klassische Bildbearbeitung ist schon ein kleinerer oder älterer M-Mac mit „nur“ 64 Megabyte RAM reichlich dimensioniert. Neu gekauft beginnen diese Geräte bei etwa einem Drittel des Preises. Den Ultra dafür zu kaufen, wäre der Formel-1-Wagen für den Weg zum Bäcker: eindrucksvoll, aber die Beschleunigung verpufft an der ersten roten Ampel.

Der eigentliche Adressat sitzt nicht in der digitalen Dunkelkammer, sondern im Sprachmodell

Das halbe Terabyte ist nicht für Bilder da, sondern für Gewichte. Ein großes Sprachmodell muss vollständig in den Arbeitsspeicher passen, wenn es schnell und ohne Cloud antworten soll, und genau hier ist die gemeinsame Speicherarchitektur die eigentliche Pointe der Maschine: Prozessor und Grafikeinheit greifen auf denselben Pool zu, ohne Daten hin- und herzuschaufeln. 512 Gigabyte reichen, um Modelle lokal laufen zu lassen, die sonst nur in Serverfarmen wohnen. Wer mehr will, koppelt per Thunderbolt 5 mehrere dieser Rechner zu einem kleinen Verbund und trainiert Modelle jenseits der Billionen-Parameter-Grenze im eigenen Büro.

Der Adressat ist damit klar umrissen, und er fällt selten unter die Berufsbezeichnung „Kreativer“ im herkömmlichen Sinn. Es sind Videoprofis, deren Media-Engine mehr als zwei Dutzend gleichzeitige 8K-Ströme in ProRes verarbeiten soll. Es sind 3D-Studios, die ganze Szenen im Speicher halten. Vor allem aber sind es alle, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten und ihre Daten nicht durch fremde Rechenzentren schicken wollen: Werbeagenturen mit sensiblem Kundenmaterial, Anwaltskanzleien, Entwickler, Forscher. Der klassische Fotograf, Grafiker oder Layouter gehört ausdrücklich nicht dazu. Apple hat die Maschine nicht für ihn gebaut, sondern als kleine Gegen-Cloud.

Von der Renderfarm auf den Schreibtisch: eine alte Bewegung wiederholt sich

Das ist historisch betrachtet die eigentlich interessante Wendung. Rechenleistung pendelt seit Jahrzehnten zwischen zwei Polen. In den Neunzigern landete das Rendern von Kinofilmen in eigens gebauten Renderfarmen. Das waren riesige Rechnerhallen, weil ein einzelner Computer der Aufgabe nicht gewachsen war. Dann kam die Cloud und verlagerte alles noch weiter weg, in gesichtslose Serverzentren, die man mietete statt besaß. Und nun kehrt die Bewegung um: Das lokale Nutzen auch großer KI-Modelle, rutscht zurück auf den Schreibtisch. Der Mac Studio ist in diesem Bild kein klassischer Büro-Computer, sondern ein privates Rechenzentrum im Kleinformat, ein Heimkraftwerk für Tokens.

Der Reiz liegt weniger in der Geschwindigkeit als in der Souveränität. Wer lokal rechnet, zahlt nicht pro Anfrage, gibt keine vertraulichen Daten aus der Hand und ist nicht abhängig davon, ob ein Anbieter seine Preise anzieht oder einen Dienst einstellt. Für Unternehmen ergibt das eine nüchterne Rechnung: Die Anschaffung mag wehtun, doch gegen die dauerhaft laufenden Cloud-Kosten und gegen den Wert der eigenen Datenhoheit gerechnet, kann sich die Kiste tragen. Genau darauf zielt Apple: Die Nachfrage nach lokaler KI, befeuert durch die neue Generation von KI-Agenten und erratische politische Entscheidungen, öffnen eine neue Nachfragesituation.

Was das vermutlich kostet

Bleibt der Preis, und hier hilft nur der Blick auf das Vorgängermodell. Der M5 Ultra beginnt bei 6599 Euro, ein kräftiger Aufschlag gegenüber den 4999 Euro, mit denen der M3 Ultra vor knapp anderthalb Jahren gestartet war. Doch das ist die nackte Grundausstattung. Der volle Speicherausbau war schon beim Vorgänger die eigentliche Kostenfalle: Der Sprung von der Grundmenge auf 512 Gigabyte schlug dort einst mit rund 5000 Euro extra zu Buche, ehe Apple die Option wegen der Speicherknappheit zwischenzeitlich ganz strich und die Aufpreise anhob.

Aktuell sollte man eher mit 10.000 Euro und mehr rechnen, wenn man auf die Vollausstattung zielt. Unterm Strich liegt ein voll bestückter M5 Ultra mit reichlich Massenspeicher damit vermutlich im Bereich jenseits von 15.000 Euro in Richtung 20.000. Kein Zahlendreher: Der Aluminiumklotz auf dem Schreibtisch kostet so viel wie ein gebrauchter Mittelklassewagen. Belastbare Preise wird es erst geben, wenn die 512-Gigabyte-Variante ab Ende Oktober tatsächlich in den Konfiguratoren steht. Es hilft auch nichts, über einen etwas weniger performanten M3 Ultra mit 512 GB RAM nachzudenken. Der wird (weil bei Apple nicht mehr erhältlich) im Netz inzwischen für rund 20.000-25.000 Euro angeboten.

So gesehen beantwortet die Maschine die Ausgangsfrage selbst. Welcher Kreative braucht so einen Rechner? Beinahe keiner, jedenfalls nicht für Photoshop, nicht für Videoschnitt und nicht für Audioprojekte. Wer aber mit künstlicher Intelligenz arbeitet und dabei die Kontrolle über seine Daten behalten will, für den ist die kleine Kiste weniger ein Luxus als eine Wette darauf, dass die Zukunft der KI nicht allein in der Cloud liegt, sondern wieder auf dem eigenen Schreibtisch steht. Ob diese Wette aufgeht, wird man in zwei, drei Jahren wissen. Bis dahin steht auf manchem Schreibtisch ein Rechenzentrum, das meist leiser summt als der Kühlschrank mit den Bürogetränken.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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