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Gecloute Bilddaten

35 Cloud

Foto und Montage: Doc Baumann

Vor ein paar Wochen hatte ich an dieser Stelle etwas zum Thema Bilddatensicherung geschrieben. Wenn Digitalfotos unwiederbringlich verloren gehen, dann meist deshalb, weil ihre Besitzer sie nicht an verschiedenen Stellen gesichert haben. Als Alternative empfiehlt unser Leser Jonas Oelke nun die Cloud. Ist das ein überzeugender Ausweg?

Um meinen Text mit ein paar Worten zusammenzufassen: (Bild)datensicherheit fällt nicht vom Himmel; man muss schon etwas dafür tun. Hinterher zu jammern, weil die nur auf dem Handy oder einer einzigen Festplatte gesicherten Bilddaten plötzlich weg sind (und das als Anlass zu nehmen, den guten alten Papierabzügen nachzutrauern), bringt nichts. Man sollte mit mehreren Festplatten, eventuell zusätzlichen DVDs und dergleichen, dem möglichen Verlust aktiv etwas entgegensetzen.

Leser Jonas Oelke hat das Thema aufgegriffen und uns folgende Mail dazu geschickt:

„Hallo Herr Künne, hallo Herr Baumann,

meine E-Mail bezieht sich auf den Beitrag ,Wenn Digitalfotos den Bach runter gehen‘ aus dem DOCMA-Blog.

Da ich schon einmal aufgrund schlechter oder fehlender Datensicherung Bilder verloren habe, beschäftigte ich mich mit dieser Thematik in letzter Zeit intensiver. 

Ich sehe in der heutigen Zeit in der Cloud-Lösungen eine unglaubliche Chance. Dabei können Unmengen an Daten problemlos gesichert werden. Die Daten auf fünf verschiedenen Festplatten an verschiedenen Standorten zu sichern, ist einerseits zeitraubend, und andererseits ist das Backup auch nur so lange nützlich, wie die Daten aktuell sind.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie fotografieren auf einer Hochzeit und kommen nach Hause, importieren die Bilder, machen vielleicht schon erste Sicherungen … Dann legen Sie sich schlafen,  haben aber den Kamin nicht komplett ausgemacht, plötzlich fängt das Wohnzimmer, in dem Sie eben noch gearbeitet haben Feuer – dabei wird ihr Computer sowie ihr Backup-Medium zerstört. Dann sind die Bilder unwiederbringlich weg. Das kann Ihnen auch mit einer Cloud-Lösung passieren, jedoch kann das Online-Backup je nach Internetleitung schon abgeschlossen sein, bevor das Speichermedium Feuer fängt. Damit ist der Zeitraum, in dem die Bilder nur an einem Standort gesichert sind, deutlich kürzer.

Weiterhin empfinde ich diese Lösung als wesentlich kostengünstiger, Crashplan zum Beispiel bietet für lediglich 5 € / Monat unbegrenzten Online-Speicherplatz – für circa 60 € im Jahr bekommen Sie noch nicht mal eine 2TB Festplatte. 

Ich kann die Bedenken der Datensicherheit von Dritten durchaus nachvollziehen, jedoch vertraue ich auf die Verschlüsselung durch den Anbieter. Sofern die Server in Deutschland oder wie bei Jottacloud in Norwegen stehen, brauche ich mir auch keine Sorgen um unzureichende Datenschutzgesetze machen. Bei vielen Anbietern ist auch eine eigene Verschlüsselungsphrase möglich.

Sollte wirklich mal ein Cloud-Anbieter vom Netz gehen, vermute ich, dass dieses Vorhaben rechtzeitig den Kunden mitgeteilt wird und ich mich dann nach einer Alternative umsehen kann. 

Das heißt natürlich nicht, dass man auf Backups zuhause verzichten sollte. Ich handhabe es so, dass ich, sobald ich Bilder importiert habe, ein Time-Machine Backup mache. Der Ordner, in dem die Bilder gespeichert werden, wird mit der Cloud synchronisiert. Nachdem alle Bilder fertig sind, verschiebe ich diese auf eine heimische Win-Server Lösung, auf der ebenfalls ein Cloud-Client läuft, der die Daten sichert. 

Ich möchte Ihnen zeigen, dass die Cloud eine einfache sowie meiner Meinung nach sichere Methode zur Ergänzung der eigenen Backup-Lösung sein kann, und dass wir diese Chance nutzen sollten!

Viele Grüße von der Ostseeküste

Jonas Oelke“

 

In dem von Herrn Oelke geschilderten Fall, dass die Wohnung abbrennt, in der Rechner und Backup stehen, ist seine Vorgehensweise gewiss die sicherere Variante. Allerdings kann man wohl auch nicht ausschließen, dass die Halle eines Cloud-Betreibers mal abbrennt oder unter Wasser gesetzt wird.

Mein Problem ist aber nicht diese Eventualität, sondern mein Misstrauen gegenüber dem Web. Höchstwahrscheinlich haben weder NSA noch BND oder andere Geheimdienste ein besonderes Interesse an unseren Landschafts-, Porträt- und Hochzeitsfotos (sofern dort nicht irgendwelche Verwandte dritten Grades eines nach Syrien gereisten IS-Kämpfers mitgefeiert haben). Bei Aktaufnahmen wäre ich schon nicht mehr so sicher. Bei manchen Reportagefotos hingegen kann man dieses Interesse mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit voraussetzen.

Aber es gibt ja nicht nur Geheimdienste, es gibt auch Kriminelle. Etwa solche, die den heimischen Rechner blockieren und nur gegen Lösegeldzahlung wieder freigeben. Können Sie, lieber Herr Oelke, mir zusichern, dass die Cloud gegen all diese Versuche des Eindringens, Herunterladens, Manipulierens, Blockierens, Löschens usw. auf Dauer immun ist?

Ich mache nicht mal E-Banking, weil ich weiß, dass meine Bank im Falle unrechtmäßig überwiesenen Geldes mir erst mal unterstellen würde, ich sei schlampig mit meinen Daten umgegangen. Man kann bereits Autos mit moderner Elektronik hacken – die Tendenz in Richtung „intelligentes Haus“ wird es erlauben, Heizungen aus der Ferne abzuschalten oder Rechnern den Strom abzudrehen – und warum wohl investieren die mit schießfähiger Hardware bestens ausgerüsteten Staaten zunehmend Milliarden in die Vorbereitung von Cyber-Wars? Und selbst, wenn man den staatlichen Institutionen trauen würde – wie lange dauert es wohl, bis sich kriminelle Organisationen dieses Wissen verschafft haben?

Nein, lieber Herr Oelke, Sie haben mir mit Ihrem Cloud-Vorschlag leider keinen für mich gangbaren Ausweg aufgezeigt. Ihre Methode mag die billigere und weniger zeitaufwendige sein. Doch leider fehlt mir das Vertrauen. Ich befürchte zwar nicht, dass uns der Himmel auf den Kopf fallen könnte – weiß aber, dass jede Wolke, auch wenn sie im Augenblick noch so friedlich aussieht, sich irgendwann entweder in Dampf auflöst oder ihren Inhalt unkontrollierbar ausschüttet.

  1. bugfix

    lieber autor, die argumentation ist für mich nicht sehr nah am geschehen, besonders jemand, der von einem online-shop partizipiert und mit seiner geistigen leistung kunden fängt die online geld auf (s)ein geschäftskonto überweisen und so auch nicht wirklich nachvollziehbar. alle anderen argumente bzgl. der datensicherheit sind mindestens genauso wenig sinnvoll wie nützlich. schließlich gibt es den gewöhnlichen einbrecher schon wesentlich länger als den onlinedieb und nicht zu vergessen ist der heimische rechner der am wenigsten geschützte datenspeicher, angefangen beim passwortschutz über verschlüsselung… ganz zu schweigen von physischem schutz gegen diebstahl… sollte „die Halle eines Cloud-Betreibers mal“ abbrennen „oder unter Wasser gesetzt“ werden sind die daten im übrigen nur gefährdet wenn mein haus in der halle steht, gelle?

    mfg
    torsten

  2. hgoetz

    Datensicherung ist immer ein kontrovers diskutiertes Thema – aber wirklich 100-prozentige Sicherheit gibt es nun mal nicht. Was die Nutzung von „Clouds“ angeht, bin ich aber ganz auf der Linie der Herren Baumann und Kuenne. Ich traue diesen Webspeichern nicht ueber den Weg, halte mich auch von dem beliebten Onlinebanking fern, bargeldloses Zahlen nur sehr restriktiv. Meine Daten bleiben bei mir, mehrfach abgespeichert – und eine Platte ist auch räumlich getrennt. Gut, das Backup läuft nur wöchentlich.

  3. blumi

    das größte Problem bei der Cloud-Sicherung liegt meiner Meinung nach in den immer noch sehr bescheidenen Upload-Raten. Nach einem Shooting „mal eben“ 200 Raw-Dateien hochladen ist selbst mit einem VDSL-Anschluss eine zähe Angelegenheit.

    Die Gefahr von Datenklau in der Cloud sehe ich bei Fotos weniger kritisch – insbesondere im Verhältnis zur gewonnenen Sicherheit. Das Risiko von Datenverlust auf lokalen Laufwerken ist sicherlich höher.
    Ich sichere derzeit lokal und redundant auf ein externes Laufwerk. Sobald brauchbare Upload-Geschwindigkeiten verfügbar sind, erwäge ich Cloudsicherung (redundant, anstatt der externen Festplatte).

  4. shashi

    Herr Oelke reitet ein altbekanntes Pferd der trügerischen „Sicherheit“ (siehe „Versicherungen“…)- und er klappert mit den altbekannten psychologischen Taschenspielertricks.

    Sicherheit sehe ich ein gutes Stück weit als ein philosophisches Problem – und ich vermute, da bin ich nicht allein.
    Fakt ist, dass das Leben leider nicht ohne Risiko auskommt – aber genau da liegt auch das Geschäftsmodell von Geschäftemachern.
    Eine „Cloud“ wurde bisher nie vermisst – sie ist entstanden, so finde ich, weil mal wieder eine neue Profitquelle her musste. Und klar, dass es immer Millionen Menschen geben wird, die für heiße Luft bezahlen, weil das Marketing ihnen das schmackhaft gemacht hat. Die Naivität (zum Begriff „Doofheit“ will ich mich hier gar nicht versteigen) der Leute ist der Profit anderer Leute.

    Witzig übrigens, wie bei der Cloud der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird. Das erinnert mich irgendwie an die Schildbürger. Die anderen verdienen daran. Das sind die Schlauen.

    MfG – Frank

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