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Affinity 3.3: Die Werkzeuge gibt’s gratis, zusätzliche KI-Power kostet extra

In DxO PhotoLab 10 soll eine Schaltfläche Bilder direkt an Affinity weiterreichen. Im fertigen Programm ist sie seit dem dem Update 10.0.1 jetzt auch implementiert. Eine Randnotiz, gewiss. Und doch zeigt sie die Richtung: Alle wollen andocken an jenes inzwischen ziemlich professionelle Bildberabeitungsprogramm der Affinity Suite, das seit knapp einem Jahr nichts mehr kostet.

Kurven, die Farbe halten

Mit Version 3.3, die für Windows und macOS zum Herunterladen bereitsteht, bekommt Affinity eine überarbeitete RAW-Entwicklung, die laut Canva schneller rechnet und bei Belichtung, Lichtern und Schatten natürlichere Tonwerte liefern soll. Die Gradationskurve arbeitet nun farbtonerhaltend, Farben kippen also auch bei kräftigen Helligkeitskorrekturen nicht weg. Dazu kommen getrennte Kurven für Sättigung und Farbton nach dem Vorbild der Farbgebung im Filmschnitt sowie globale Voreinstellungen, die sich auf mehrere Fotos zugleich anwenden lassen.

Eine neue Skriptfunktion automatisiert wiederkehrende Handgriffe, und eine kostenlose Anbindung an die KI Claude soll Anweisungen in Alltagssprache verstehen, etwa für Stapelverarbeitung oder Druckvorbereitung. Den meisten Raum bekommt allerdings der Nachthimmel: Ein eigener Arbeitsbereich für Astrofotografie fällt nach ersten Eindrücken so umfangreich aus, dass er eine gesonderte Besprechung verdient hätte. Die Hersteller von Spezialprogrammen für Sternenjäger dürften das mit gemischten Gefühlen lesen.

Das Kaufhaus und seine Gratisabteilung

Interessanter als jede Kurve ist die Verpackung. Affinity wird Teil der neuen Canva ProSuite, die zusätzlich die Animationssoftware Cavalry, das Datenvisualisierungswerkzeug Flourish und die KI-Plattform Leonardo enger mit Canva verzahnt; hinzu kommen der Import von InDesign-Dateien sowie Unterstützung für Capture One und DaVinci Resolve. Man fühlt sich an die großen Hollywood-Studios der dreißiger Jahre erinnert, die Drehbuch, Dreh, Verleih und Kinosaal in einer Hand hielten. Canva baut sich gerade dasselbe für Bilder: vom Rohdatenfoto bis zur fertigen Präsentation, alles unter einem Dach.

Dass Serif einmal Teil dieses Gebäudes würde, hätte man im englischen Nottingham selbst kaum geglaubt. Noch im September 2022 verkündete das Haus auf Twitter, als Adobes Figma-Übernahme scheiterte, man lasse sich von niemandem kaufen. Im März 2024 übernahm Canva den Hersteller, und am 30. Oktober 2025 ersetzte eine einzige, kostenlose Affinity-Anwendung die drei Einzelprogramme. Geld verdient Canva seither mit optionalen KI-Funktionen im Pro-Abo. Daran ändert auch 3.3 nichts: Das Programm bleibt kostenfrei, einige KI-Werkzeuge bleiben Canva Pro vorbehalten, den Einzelnutzer 12 Euro im Monat oder 110 Euro im Jahr kosten.

Geschenk mit Hintergedanken?

Großzügigkeit und das alte Prinzip von Rasierer und Klinge schließen sich hier nicht aus. Für Fotografen ist Affinity 3.3 zunächst ein gutes Geschäft, denn wer ohne Abo nur RAW-Dateien entwickeln will, bekommt das Astro-Modul gleich mit. Erste Rückmeldungen von Anwendern fallen allerdings gemischt aus; manche sehen bei der reinen RAW-Entwicklung kaum Fortschritt. Bezahlt wird ohnehin mit Bindung. Wer seine Arbeitsabläufe einmal im Canva-Kosmos eingerichtet hat, zieht nicht mehr so leicht aus.

Wie lange „kostenlos“ hält, weiß heute niemand, und die Geschichte des Hauses lehrt, dass Versprechen in dieser Branche eine überschaubare Halbwertszeit haben. Wer umsteigt, sollte seine Bilder deshalb in offenen Formaten wie TIFF oder DNG sichern, damit der Auszug möglich bleibt, falls sich das Geschäftsmodell eines Tages ändert.


FAQ – Affinity 3.3 von Canva


Was ist neu in Affinity 3.3?

Affinity 3.3 bringt eine überarbeitete RAW-Entwicklung, eine farbtonerhaltende Gradationskurve, eigene Kurven für Sättigung und Farbton sowie einen Arbeitsbereich für Astrofotografie. Dazu kommen globale Voreinstellungen für mehrere Fotos, ein Blend-Werkzeug für Vektorformen, eine Skriptfunktion zur Automatisierung und eine kostenlose Anbindung an die KI Claude. Das Update erschien im September 2026 für Windows und macOS.


Ist Affinity 3.3 kostenlos?

Ja, Affinity 3.3 ist kostenlos nutzbar. Einige KI-Funktionen sind allerdings dem Abo Canva Pro vorbehalten, das für Einzelnutzer 12 Euro im Monat oder 110 Euro im Jahr kostet. Canva finanziert Affinity seit dem Umstieg auf das kostenlose Modell im Oktober 2025 über diese optionalen, kostenpflichtigen KI-Funktionen.


Was ist die Canva ProSuite?

Die Canva ProSuite ist ein Paket professioneller Kreativprogramme von Canva, zu dem Affinity gehört. Neben Affinity umfasst sie die Animationssoftware Cavalry, das Datenvisualisierungswerkzeug Flourish und die KI-Plattform Leonardo, die enger mit der Canva-Hauptanwendung verzahnt werden. Zusätzlich soll der Datenaustausch leichter werden, etwa durch den Import von InDesign-Dateien und die Unterstützung von Capture One und DaVinci Resolve.


Was verbessert Affinity 3.3 bei der RAW-Entwicklung?

Affinity 3.3 nutzt eine überarbeitete RAW-Entwicklung, die laut Canva schneller arbeitet und bei Belichtung, Lichtern und Schatten natürlichere Tonwerte liefern soll. Die Kurvenfunktion ist jetzt farbtonerhaltend, sodass Farben auch bei starken Helligkeitsänderungen stabil bleiben. Getrennte Kurven für Sättigung und Farbton orientieren sich an Werkzeugen zur Farbgebung aus der Videobearbeitung. Erste Rückmeldungen von Anwendern fallen gemischt aus.


Eignet sich Affinity 3.3 für Astrofotografie?

Affinity 3.3 enthält erstmals einen eigenen Arbeitsbereich für Astrofotografie. Nach ersten Eindrücken fällt er sehr umfangreich aus. Damit wird das kostenlose Programm zu einer zugänglichen Alternative zu spezialisierten Programmen für die Bearbeitung von Nachthimmelaufnahmen.


Welche KI-Funktionen bietet Affinity 3.3?

Affinity 3.3 bietet eine kostenlose Anbindung an die KI Claude, die Anweisungen in Alltagssprache verstehen soll, zum Beispiel für die Stapelbearbeitung von Dateien oder die Vorbereitung von Druckdaten. Ergänzend automatisiert eine neue Skriptfunktion wiederkehrende Arbeitsschritte. Weitere KI-Werkzeuge in Affinity stehen nur Abonnenten von Canva Pro zur Verfügung.


Seit wann gehört Affinity zu Canva?

Canva übernahm den britischen Affinity-Hersteller Serif im März 2024. Am 30. Oktober 2025 ersetzte Canva die drei Einzelprogramme Affinity Photo, Affinity Designer und Affinity Publisher durch eine einzige, kostenlose Anwendung namens Affinity. Version 3.3 setzt dieses Modell fort und bindet Affinity in die neue Canva ProSuite ein.


Funktioniert DxO PhotoLab 10 direkt mit Affinity 3.3?

Noch nicht vollständig. DxO PhotoLab 10 sollte eine direkte Exportfunktion an Affinity erhalten, doch die entsprechende Schaltfläche fehlt in der fertigen Version. Laut DxO fehlt noch eine benötigte Komponente der Anbindung, die mit einem späteren Update nachgereicht werden soll.


Welche Nachteile hat das kostenlose Affinity?

Der wichtigste Nachteil ist die Abhängigkeit von Canvas Geschäftsmodell. Der Artikel argumentiert, dass der Preis für die kostenlose Software in der Bindung an das Canva-Angebot liegt und niemand weiß, wie lange das Programm kostenlos bleibt. Serif hatte 2022 noch erklärt, sich nicht übernehmen zu lassen. Wer umsteigt, sollte Bilder deshalb zusätzlich in offenen Formaten wie TIFF oder DNG sichern.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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