Poor Man’s Leica – Teil 2: Das Leitzphone

Ein geriffelter Ring rund um das Kameramodul, dazu ein winziger roter Punkt auf mattschwarzem Gehäuse, so klein, dass man ihn suchen muss, und doch groß genug, dass er alles bedeutet. Vorab eine Klärung, denn die Modellnamen sind ein Labyrinth. Das Leitzphone von Leica ist ein Xiaomi 17 Ultra mit Leica-Veredelung, also das fotografische Spitzenmodell der Marke Xiaomi. Zu verwechseln ist es weder mit dem gewöhnlichen 17 Ultra ohne roten Punkt noch mit den deutlich günstigeren Xiaomi 17 Pro-Handys, die kleinere Sensoren haben. Unter dem roten Punkt des Leitzphones steckt also die beste Kamera, die Xiaomi zu bieten hat, und das merkt man.
Poor Man’s Leica-Serie Die billigste Art, mit Leica digital zu fotografieren, ist keine Leica, sondern ein Smartphone. Ein dreiteiliger Test der beiden Wege dorthin: Teil 1 seziert die Leica-LUX-App auf dem iPhone 17 Pro, Teil 2 das Leitzphone auf Basis des Xiaomi 17 Ultra, Teil 3 stellt beide gegeneinander, in Bild, Technik und Preis.
Was für Hardware wirklich verbaut ist
An dieser Stelle verlässt der Test die Welt der Software-Kosmetik aus Teil 1. Die Hauptkamera des Leitzphones löst mit 50 Megapixeln auf einem Ein-Zoll-Sensor auf, dem größten, den die Smartphone-Fotografie derzeit bietet, davor eine mit Leica abgestimmte Optik bei f/1.67, unterstützt von der hauseigenen Sensortechnik Light Fusion 1050L mit erweiterter Belichtungsspanne. Dazu ein 50-Megapixel-Ultraweitwinkel mit 14 Millimetern. Der eigentliche Paukenschlag aber ist das Tele: ein 200-Megapixel-Periskop auf vergleichsweise großem 1/1,4-Zoll-Sensor, mit stufenlos-mechanischem Zoom von 75 bis 100 Millimetern, mit Bildstabilisierung und Makrofähigkeit ab dreißig Zentimetern. Als erstes Smartphone-Tele überhaupt trägt es Leicas apochromatische Güteprüfung. Nur zu Ergänzung: das Video reicht bis 8K.
Auch hier gilt: Nominell 50 Megapixel, faktisch liefert der Sensor ab Werk 12,5-Megapixel-Dateien durch Zusammenfassung der Pixel, die vollen 50 nur auf Wunsch. Das ist der übliche Handel großer Sensoren, und er ist ehrlicher gemacht als bei der App, weil er den Fotografen entscheiden lässt, statt ihm die Wahl zwischen Objektiv und Auflösung aufzuzwingen.
Was das Leitzphone in der Bedienung besser kann
Zwei Dinge, die der iPhone-Lösung fehlen. Erstens lässt sich hier der Porträt-Modus mit dem bewegten Live-Modus verbinden, jene kurze Sequenz also, aus der sich im Nachhinein das beste Standbild fischen lässt. Wer je versucht hat, ein lachendes Kind im richtigen Sekundenbruchteil zu treffen, versteht sofort den Nutzen. Zweitens, und das ist der eigentliche Trumpf, arbeitet der Zoom stufenlos über echte Optik, während die LUX-App jede Objektiv-Simulation an eine feste Brennweite kettet. Man denkt in Bildausschnitten, und die Hardware folgt, wenn man am geriffelten Ring des Objektiv-Sets dreht
Wo der Lack abblättert
Bei aller Substanz bleibt das Leitzphone ein Zwitter. Der physische Leica-Ring am Kameramodul, mit dem sich der Bildausschnitt von Hand einstellen lassen, ist ein schöner Gruß an die analoge Vergangenheit, ergonomisch aber eher Zierrat als Werkzeug, ein haptisches Zitat, so wie eine Kühlerfigur an einem Elektro-Auto. Die mitgelieferte Hülle wirkt spürbar höherwertiger als das gebrochene Elend, das Leica den iPhone-Besitzern zumutet, und sie trägt, wichtig für jeden Markenfetischisten, auch den roten Punkt, wenn auch wieder einen sehr kleinen. Dafür ist sie so glatt geraten, dass das Gerät bei jeder Unachtsamkeit aus der Hand zu gleiten droht.
Beim Zubehör bleibt eine Antwort offen: Der passende Griff für das Telefon gehörte nicht zum Leihgerät und ließ sich nicht prüfen. Der iPhone-Grip aus Teil eins des Artikels wiederum koppelt sich zwar brav mit dem Leitzphone, verrichtet dann aber standhaft gar nichts. Zwei Ökosysteme, die einander zwar die Hand schütteln, sich aber weigern, miteinander zu reden.
Die Rechnung mit dem roten Punkt
Nun zum Preis, denn hier wird es lehrreich. Das Leitzphone gibt es nur in einer einzigen Ausstattung, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher, ein Terabyte Speicher, für 2000 Euro. Dieselbe Kameratechnik steckt aber auch im schlichten Xiaomi 17 Ultra, das bei 1500 Euro beginnt. Der rote Punkt, der schwarze Anzug und der Kameraring und die simulierten Leica-Objektive kosten also, auf den Punkt gebracht, rund 500 Euro Aufpreis. Wer die Substanz will und auf das Standesabzeichen verzichten kann, kauft die Leica-Schwester ohne Leica-Namen und spart den Gegenwert eines guten Objektivs. Die Pointe der Serie beginnt sich abzuzeichnen: Der teuerste Bestandteil ist der Name. Wie sich die beiden Poor Man’s Leicas im Bild-Vergleich schlagen, erklärt der dritte Teil der Serie.






