Adobe hat Topaz gekauft

Die im Juni angekündigte Übernahme von Topaz Labs ist abgeschlossen, einen Kaufpreis hat keine Seite genannt. Dafür gibt es die üblichen Beruhigungstropfen: Topaz bleibt eine eigenständige Marke, Topaz Photo und Topaz Video bleiben als eigene Programme für Desktop, Mobilgeräte und Browser erhältlich, Bestandskunden werden weiter betreut wie gewohnt. Solche Sätze stehen in fast jeder Pressemitteilung dieser Art. Sie sind ungefähr so belastbar wie das „Wir bleiben Freunde“ nach einer Trennung, ehrlich gemeint im Augenblick, aber ohne Gewähr für die Zukunft.
Aber was genau macht Topaz? Es ist ein wenig Zauberei wie im Hollywood-Filmen: Ein Standbild aus der Überwachungskamera, das Nummernschild ein Haufen grauer Klötzchen. Der Ermittler beugt sich über die Schulter des Technikers und spricht das Zauberwort: „Vergrößern.“ Ein Klick, ein Surren, und aus dem Pixelbrei tritt gestochen scharf das Kennzeichen hervor. Jahrzehntelang war diese Krimi-Szene der Lieblingswitz aller, die ernsthaft mit Bildern arbeiten. Jeder wusste schließlich, dass kein Rechner der Welt zurückholen kann, was die Kamera nie aufgenommen hat. Inzwischen gehört der Witz zum Lieferumfang. Und seit dieser Woche gehört die Firma, die ihn am überzeugendsten erzählt, zu Adobe.
Das Zubehör kehrt heim
Topaz begann Mitte der Nullerjahre als Hersteller von Zusatzmodulen für Photoshop, also als kleine Werkstatt am Rand des Adobe-Kosmos. Später machte sich die Firma mit eigenständigen KI-Programmen selbstständig, erfolgreich genug für einen Technik-Emmy im Jahr 2025 und, laut CG Channel, rund 48 Millionen Dollar Jahresumsatz. Nun kehrt das Zubehör heim, allerdings eher als Organspende.
Überraschend kommt das nicht. Seit der Adobe Max im Oktober 2025 stecken Topaz-Modelle als Fremdanbieter-Option in Photoshop, abgerechnet über Adobes KI-Kontingent, seit Februar 2026 ist Gigapixel auch in der Cloud-Fassung von Lightroom zu haben. Wer eine Technik so gründlich angemietet hat, stellt sich irgendwann die naheliegende Frage: Warum eigentlich noch Miete zahlen?
Was „eigene Marke“ bedeutet
Nun muss man Adobe nicht gleich böse Absichten unterstellen. Ein Blick in die jüngere Geschichte der Bildbearbeitung mahnt allerdings zur Vorsicht. Als Adobe 2005 Macromedia schluckte, lebte das Zeichenprogramm FreeHand noch knapp zwei Jahre, dann war Schluss, man hatte ja Illustrator. Google kaufte 2012 die Nik Collection, ließ sie verstauben, verschenkte sie 2016 und war vermutlich erleichtert, als DxO sie ein Jahr später rettete. Und der 20-Milliarden-Griff nach Figma scheiterte 2023 erst an den Wettbewerbshütern in Brüssel und London. Große Softwarehäuser kaufen in aller Regel, um Lücken zu schließen oder Konkurrenten einzuhegen, oft beides.
Im Juni hieß es noch, Topaz-Chef Eric Yang werde das Topaz-Team weiter leiten. Jetzt heißt es, er wechsle in Adobes Abteilung für digitales Video und Audio. Beides lässt sich zusammenlesen, gewiss. Nur verschieben sich Formulierungen in Pressemitteilungen selten aus reiner Laune.
Wer in Topaz eine Fluchtburg vor dem Abo-Reich aus San José gesehen hat, erlebte die Enttäuschung ohnehin schon vor einem Jahr. Seit dem 3. Oktober 2025 verkauft Topaz keine Kauflizenzen mehr, nur noch Abonnements im Rahmen von Topaz Studio. Adobe musste die Firma also nicht erst auf Miete umstellen. Sie kam bereits vorkonfektioniert.
Die Wahrheit in der Vergrößerung
Hochskalieren erfindet. Die Modelle raten mit enormer Treffsicherheit, wie ein Detail ausgesehen haben könnte, und liefern das Ergebnis mit der Selbstgewissheit eines Fotos. Aus dem alten Krimiwitz ist also eine glaubwürdige Behauptung geworden, und diesen Unterschied vergisst man im Alltag gern.
Ausgerechnet Adobe hat 2019 die Content Authenticity Initiative angestoßen und treibt seither Herkunftsnachweise für Bilder voran, also den Versuch, im Strom synthetischer Bilder das Echte vom Gemachten unterscheidbar zu halten. Nun kauft dieses Haus den wohl besten Detailerfinder der Branche. Man kann darin einen Widerspruch sehen. Man kann aber auch argumentieren, dass beides zusammengehört: Wer künstliche Details liefert, sollte sie auch kennzeichnen, und dafür ist kaum jemand besser gerüstet als der Hersteller selbst. Welche dieser Lesarten sich durchsetzt, wird sich daran zeigen, ob ein hochgerechnetes Archivbild in Photoshop künftig als solches erkennbar bleibt. Die Antwort steht noch aus.
Bequem, aber nicht folgenlos
Einiges spricht trotzdem für den Deal. Topaz’ Neurostream-Technik soll den Grafikspeicherbedarf großer Modelle um bis zu 95 Prozent senken, was lokale Verarbeitung auf gewöhnlichen Rechnern möglich machen könnte, statt jedes Bild in die Cloud zu schicken. Der Umweg zwischen Programmen entfällt, und die Restaurierung alter Film- und Fernsehbestände dürfte von Adobes Reichweite profitieren.
Gleichzeitig verschwindet ein unabhängiger Anbieter aus einer Nische, in der kleine Spezialisten dem Riesen jahrelang überlegen waren. Genau solche Nischen haben den Markt beweglich gehalten. Kurzfristig dürfte sich für Photoshop-Nutzer vieles bequemer anfühlen, mittelfristig wird die Auswahl kleiner. Wer noch alte Topaz-Kauflizenzen besitzt, sollte die Installationsdateien sichern, sie bleiben gültig. Und wer auf Topaz als Alternative zu Adobe gesetzt hat, darf sich schon jetzt in Ruhe nach der nächsten umsehen.
„Vergrößern“, sagt der Ermittler im Fernsehen. Adobe hat den Befehl offenbar verstanden, bezieht ihn aber längst nicht mehr nur aufs Bild.




Ist ohnehin gleichgültig. Bis vor einiger Zeit brachte Topaz recht gute Software, allerdings waren die vielen in kurzen Zeiten erscheinenden Updates qualitativ, besonders die starre automatische Gesichtserkennung, immer schlechter. Als dann die Einzelprogramme zur Photo AI zusammengefasst wurden, war das Ende der Entwicklung der Software praktisch zu Ende. Dann führten sie, wie Adobe, das Zwangsabomodell ein und waren zumindest für mich gestorben.
Die Photo AI war ein Zeit lang recht gut, da man aus verschiedenen Programmen die Bearbeitung eines Fotos an Photo AI weitergeben und nach der Bearbeitung in Photo AI wieder an das übergebende Programm zurückgeben konnte. Ein Vorgang, der bei ordentlicher Programmierung zumindest unter Windows einwandfrei funktionieren kann und auch ein paar Version von Photo AI lang sehr gut funktioniert hat. In den letzten Versionen nicht mehr. Man muss also eine TIF-Datei speichern, in Photo AI öffnen, abspeichern und muss es dann in der anderen Software wieder einlesen. Ein Kniefall vor Adobe?
Ansonsten meine ich, dass Denoise in Photo AI und vorher schon im eigenständigen Programm Topaz DeNoise besser als in anderen Programmen, inklusive DxO, arbeitet. Die anderen Komponenten von Photo AI finde ich nicht so gut, da gab es in älteren Versionen IMO bessere Algorithmen.
Doch, wie erwähnt, ist Topaz seit der Einführung des Abomodells für mich gestorben, folglich ist mir auch gleichgültig was sich Adobe wieder einmal einverleibt hat.