
Nach Bloomberg will Apple am oder um den 27. Oktober ein MacBook Pro mit OLED-Display und Touchscreen vorstellen, in 14 und 16 Zoll. Dazu sollen ein OLED-iPad-mini, ein 14-Zoll-MacBook-Pro mit M6 und ein iMac mit M6 kommen.
Statt der bisherigen schwarzen Kerbe in der Bildrandmitte bekommt das Gerät wohl ein „Dynamic Island“, die wie beim iPhone interaktiv sein und sich je nach App ausdehnen soll. Als Chips gelten M5 Pro und M5 Max, obwohl im Februar noch von M6 die Rede war. Leichter soll es werden, dünner eher nicht, denn der bekannte Apple-in-die-Glaskugel-Blicker Mark Gurman hat seine früheren Berichte über ein schlankeres Gehäuse selbst relativiert. Tastatur und Trackpad bleiben, und ein verstärktes Scharnier soll verhindern, dass der Bildschirm beim Antippen nachfedert. Offen sind der Name (Pro oder Ultra) und der Preis. Seit der Erhöhung im Juni kostet schon das 14-Zoll-Modell mit M5 Pro ab 2.499 Dollar, das neue dürfte darüber liegen.
Wie sich macOS verbiegen soll
Die spannendere Frage ist die Oberfläche. Die Elemente eines Mac sind für einen winzigen Zeiger gebaut, nicht für eine Fingerkuppe. Gurmans Formel lautet „touch-friendly, not touch-first“: der Mac, den man seit zwanzig Jahren kennt, Berührung nur als Zugabe, kein iPad im Mac-Gehäuse.
Technisch heißt das, dass die Darstellung der Eingabe folgt. Wer klickt, sieht die gewohnte, dichte Oberfläche. Wer tippt, etwa auf einen Eintrag der Menüleiste, bekommt größere, fingergerechte Bedienelemente. Bloomberg beschreibt ein Menü, das sich um den Finger legt und passende Optionen anbietet. Dazu kommen Zoomen mit zwei Fingern und schnelles Scrollen. 9to5Mac folgert daraus, dass macOS im Ruhezustand so aussieht wie heute und sich erst beim Berühren anpasst. Das ist eine Deutung, keine Bestätigung.
Spuren gibt es bereits. macOS Golden Gate brachte direkte Berührung in Sidecar und Pull-to-Refresh unter anderem in Safari, Mail und Kalender. Die Beta von 27.2 enthält Gestenerkennung für Safari, Fotos, Notizen und Schnellansicht, und Dock-Symbole wachsen beim langen Drücken wie auf dem iPhone. Allerdings ließe sich manches davon auch mit Sidecar erklären. Gurman zufolge testet Apple die Geräte mit 27.2, das gegen Ende Oktober erwartet wird. Das passt zum erwarteten Vorstellungstermin. Bilder der neuen Oberfläche sind bislang nicht aufgetaucht.
Ein Tabu mit Verfallsdatum
Im Oktober 2010, bei der Vorstellung von OS X Lion, erklärte Steve Jobs, es werde keinen Touchscreen-Mac geben. Berührungsflächen wollten nicht senkrecht stehen, im Demo wirke das toll, auf Dauer werde der Arm müde. Unter Technikern heißt das Phänomen „Gorilla Arm“. Die Fingergesten wanderten stattdessen aufs Trackpad.
Dann kam am 27. Oktober 2016 die Touch Bar, ein schmaler OLED-Streifen statt der Funktionstasten, ein Kompromiss zwischen Tabu und Fingerspitze. 2021 verschwand sie aus den großen Modellen, im Oktober 2023 mit dem letzten 13-Zoll-Gerät ganz. Fällt die Vorstellung tatsächlich auf den 27., sind es genau zehn Jahre. Das ist Zufall, aber ein hübscher. Andererseits haben Besitzer eines iPads mit Magic Keyboard auch bislang nicht im Übermaß über Gorilla Arm-Erkrankungen geklagt.
Abwägung und Fazit: gespannt sein, aber abwarten
Wer ein iPad mit Tastatur kennt, kennt das Mischen: der Zeiger für das Genaue, der Finger zum Scrollen und Antippen. Das ist ein echter Gewinn, und Gurmans Bonus-Ansatz ist klug. Nach meiner Erfahrung wäre diese Art ein Macbook zu bedienen durchaus förderlich und würde den Einsatzbereich eher erweitern als einschränken. Dagegen stehen Fingerabdrücke auf einem makellosen OLED, der doppelte Pflegeaufwand für zwei Darstellungen von Seiten des Herstellers und die Furcht vieler Mac-Nutzer, es könnte ihnen gehen wie einst den Windows-8-Anwendern. Die Probe ist nicht die Vorführung, in der Hände im Video immer elegant wirken, sondern der Alltag nach drei Wochen.
Ein Argument spricht zusätzlich fürs Warten: Neu ist an der ersten Generation das Display, nicht die Leistung. Die Chips, M5 Pro und M5 Max, stecken schon in den regulären MacBook Pro. Neue Technik, neue Oberfläche und ein eigens verstärktes Scharnier sind zudem Zutaten, bei denen sich Kinderkrankheiten gern erst im Alltag zeigen. Wer dagegen die zweite Generation abwartet, bekommt voraussichtlich M7 Pro und M7 Max (nach den Berichten irgendwann 2027) und eine Oberfläche, die Apple bis dahin nachgebessert hat. Das ist eine Vermutung auf Gerüchtebasis, aber eine, die zu Apples bisherigen Mustern passt.




