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Adobe Fresco – Meinung und Ersteindruck

Vorgestern erschien Fresco – die neue Zeichen- und Mal-App von Adobe für das iPad. Wir berichteten. Gestern installierte ich Fresco auf meinem iPad. Leider hatte ich aufgrund verschiedener anstehender Projekte noch nicht die Zeit und Muße, um mich bis ins letzte Detail mit der App auseinanderzusetzen oder etwas ernsthaftes „hinzupinseln“. Deshalb an dieser Stelle mein erster Eindruck und ein paar Gedanken.

Adobe Fresco
Fresco, die neue Mal- und Zeichen-App von Adobe. Vorerst für das iPad, später auch für Android-Tablets.

Adobe Fresco – die UI

Die Programmoberfläche ist sehr aufgeräumt und als iPad-Nutzer findet man sich – auch aufgrund der kurzen Einführung – sofort auch ohne größere Anleitung zurecht. Zur Not gibt es hier das Handbuch. Arbeitsflächen-Drehung, dunkle oder helle Oberfläche, Gestensteuerung … geht alles. Einzelne Paletten (zum Beispiel den Farbwähler oder die Pinselvorgaben) und Bedienelemente (zum Beispiel die Felder für die Pinseleigenschaften) kann man abdocken und beliebig auf dem Bildschirm positionieren, ohne dass sie sich ständig wieder schließen. Ein Touch-Punkt erlaubt das schnelle Wechseln vom Malen zum Radieren. Mag ich alles. Top!

Adobe Fresco
Die Paletten kann man abdocken und frei positionieren, ohne dass sich diese automatisch schließen. Mir gefällt vor allem auch die Mini-Ebenenansicht, die platzsparend ist, aber schnellen Zugriff auf Masken und Co. ermöglicht. Ungeplantes Gekritzel by Olaf Giermann. 😉

Adobe Fresco – die Pinsel

Es gibt drei Pinselarten in Fresco:

  • Pixelpinsel – das sind die Pinselspitzen, die Ihr auch aus Photoshop kennt. Hier stehen sehr viele der Vorgaben von Kyle T. Webster direkt in der App zur Verfügung, die es auch für den Desktop kostenlos gibt. Außerdem könnt Ihr aber auch eigene Pinsel laden – entweder über die Dateien-App oder die Libraries. Auf diese Weise lassen sich übrigens sämtliche mit Adobe Capture erzeugten Pinsel in Fresco nutzen, was nicht einmal Photoshop beherrscht.
  • Interaktive Pinsel (Live-Brushes) – diese sind für mich das eigentliche Highlight der App. Denn per KI (Adobe Sensei) trainierte Algorithmen sorgen für einen realistisch wirkenden Farbauftrag – in Öl (7 verschiedene Pinselvorgaben) oder Aquarell (4 verschiedene Pinselvorgaben). Zusammen mit der in dem neuen iPadOS gesteigerten Performance des Apple Pens fühlt sich das ohne Übertreibung einfach fantastisch an.
  • Vektorpinsel sind ein anderes Highlight, das sich vor allem an Zeichner oder Kalligraphen richtet. Die erzeugten Pinselstriche sind auflösungsunabhängig und damit ohne Qualitätsverlust beliebig skalierbar. Auch ist das Malgefühl und die Pinselperformance super.

Schade finde ich, dass die Aquarellfarben in alle Richtungen diffundieren. Bei der Desktop-Software Rebelle (mehr Infos) kann man die Farbe virtuell pusten oder per Regler in verschiedene Richtungen fließen lassen. Toll wäre es gewesen, wenn Fresco dafür die Möglichkeiten des iPads nutzen würde und man die Fließrichtung durch Neigen des iPads bestimmen könnte. Aber vielleicht ist das ja ein geplantes Feature für ein zukünftiges Update.

Alles in allem ist Fresco meiner Meinung nach für Version 1 eine wirklich sehr gelungene App, die Spaß macht, schnell und übersichtlich ist und hochwertige Pinseleffekte ermöglicht. Top, Adobe!

Jetzt kommen wir aber mal zu dem weniger erbaulichen Teil.

Adobe Fresco – Preise

Die meisten Fragen zu Fresco werden schnell und unkompliziert in den Fresco-FAQs beantwortet. Mal etwas mehr „Butter bei die Fische“ 😉 bekommt Ihr von mir:

Fresco lässt sich kostenlos nutzen (mit 2 GB Online-Speicher), um die Premium-Funktionen (inklusive 100 GB Online-Speicher) zu nutzen, ist jedoch ein Abo erforderlich, das mit ziemlich unverschämten 11 Euro pro Monat (!) zu Buche schlägt für die man bereits das Foto-Abo inklusive Photoshop und Lightroom bekommt, oder die meiner Meinung nach fantastische Painting-App Procreate (hier jedoch sogar schon für eine Einmalzahlung von etwa 10 Euro), die im Funktionsumfang derzeit Fresco (noch?) um Längen schlägt – wenn man von den Interaktiven-Pinseln und Vektor-Pinseln von Fresco einmal absieht.

Welche denn nun die Premium-Funktionen genau sind, findet man erst nach dem Installieren der App heraus (eine Unsitte!). Hier ein Screenshot, doch welche Pinsel genau in der kostenlosen Version fehlen, weiß ich auch nicht:

Adobe Fresco
Diese Premium-Funktionen von Fresco lässt sich Adobe teuer bezahlen – falls man nicht bereits das gesamte CC-Abo oder ein Einzel-Abo einer Adobe-Desktopsoftware hat, bei denen die Fresco-Vollversion enthalten ist.

Die Premium-Version von Fresco ist übrigens Teil des Gesamtabos der Creative Cloud sowie bei den Abos einzelner Apps (zum Beispiel ausschließlich Illustrator oder Photoshop). Für Nutzer des Foto-Abos steht sie leider nicht zur Verfügung – wahrscheinlich weil dessen Zielgruppe, wie der Name schon sagt, die Fotografen und nicht Maler und Zeichner sind. Bleibt zu hoffen, dass aber Photoshop für das iPad auch Teil des Foto-Abos sein wird.

Also wenn Ihr mich fragt: Bei dem aktuellen Preismodellen können sich mit Fresco alle Nutzer des gesamten Creative Cloud-Abos über eine neue, wirklich tolle Zugabe zu ihrem Abo freuen. Abonnenten einzelner Apps kenne ich persönlich nicht. 😉 Für Nutzer des Foto-Abos kommt hier wohl nur die kostenlose Version von Fresco in Frage, da deren Premium-Abo den monatlichen Abopreis mal eben verdoppeln würde.

Oh: Photoshop für das iPad

Fun-fact: In den FAQ taucht bereits die Frage auf, inwiefern sich Photoshop auf dem iPad und Fresco unterscheiden:

Adobe Fresco
In den Fresco-FAQ wird schon mal der Unterschied zwischen Fresco und iPad-Photoshop erklärt, obwohl letzteres noch gar nicht erschienen ist. 😉

Offensichtlich lässt Photoshop für das iPad wohl also nicht mehr lange auf sich warten. Tatsächlich sieht die Oberfläche von Fresco der Photoshop-Oberfläche sehr ähnlich, die bereits in einigen Vorschau-Videos gezeigt wurde (Beispielvideo). Aber die sind inzwischen auch schon ein Jahr alt.

Beste Grüße,
Eurer Olaf Giermann

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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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