Lichtakademie

Studioblitz Tutorial: Wie funktioniert Rembrandt Licht?

Was bitte hat Rembrandt van Rijn mit Fotolicht zu tun? Der Barock-Maler aus dem niederländischen Leiden war doch bereits fast 200 Jahre tot, als die Fotografie erfunden wurde. Das Rembrandt Licht hat mit Fototechnik erst mal noch gar nichts zu tun, dafür aber umso mehr mit der Beobachtung von Licht. 

Wie alle Maler nutzte Rembrandt (1606 – 1669) das Verständnis von Licht und Schatten dazu, den Menschen und Objekten in seinen ­Bildern mehr Lebendigkeit zu verleihen. Genau das machen wir als Fotografen auch, nur oft nicht so bewußt wie wir sollten. Rembrandts Werke zeichnen sich durch starke Kontraste aus, weshalb er als ein Meister des „Chiaroscuro“, also der Hell-Dunkel-Malerei gilt. Fotografen können viel von ihm (und auch von den anderen Meistern der Malerei) lernen. Zum Beispiel, wie man durch die Erzeugung extremer Lichtverhältnisse mit einfachen Mitteln dramatische Stimmungen ins Bild bringt.

01/05 Model, Kamera und Leuchte

Rembrandt Licht

Wir nutzen hier erneut unser Model Victoria, mit kurzen blonden Haaren und in einem kurzen, weißen »Jumpsuit«. Sie posiert etwa einen Meter von einer mittelgrauen Wand entfernt. Die Vollformat-Kamera ist 1,50 Meter vom Model entfernt, mit einem 85 Millimeter Porträt-Tele bestückt und hat eine Belichtungszeit von 1/125 Sekunde bei Blende f/4.0, 100 ISO und einem Weißabgleich von 5600 Kelvin voreingestellt. Die Leuchte, ein 250 Wattsekunden-Blitz, stellen wir links in einer Entfernung von etwa einem Dreiviertelmeter neben das Model. Lichtformer ist ein kleiner Normalreflektor mit 18 Zentimeter Durchmesser und die Leistung ist auf 3.0/10, also etwa 2 W/s herunter geregelt. Das entspricht einem Systemblitz mit Leitzahl 56, der auf 1/16 gedimmt ist. Man muss hier also nicht unbedingt mit einem Studioblitz arbeiten. Wichtiger ist die Höhe: Hier ist der Blitzkopf in 1,80 Meter angebracht, also etwas oberhalb des Kopfes unseres Models.

02/05 Split-Lighting

Rembrandt Licht

Die Übersetzung des Fachbegriffs Split-Lighting in geteiltes Licht, trifft es relativ gut: Wir haben helles Licht auf der einen Gesichtshälfte (a) und absolute Dunkelheit auf der anderen (b). Geheimnisvoll ist das, aber es fehlt naturgemäß auch die Hälfte der Information. Problematisch ist dieses Licht, wenn man auf das helle Auge (c) blickt: Auch hier steht das dunkle Geheimnis im Vordergrund und nicht die Information.

03/05 Rembrandt Licht

Rembrandt Licht

Verschiebt man die Lampe um 30 Zentimeter in Richtung Kamera, bildet sich das, was man als den klassischen Rembrandt-Effekt kennt. Unter dem Auge auf der der Lichtquelle abgewandten Seite erscheint ein helles Dreieck (d).

Tipp: Je weiter man das Licht zur Kamera bewegt, desto größer wird das Dreieck, bis es sich ganz öffnet und nur noch ein harter ­Nasenschatten bleibt.

04/05 Rembrandt Licht mit hellem Hintergrund

Nicht immer ist ein tiefschwarzer Hintergrund gewünscht. Um die Umgebung stärker ins Bild zu bringen, kann man die Leuchte einfach um etwa 45 Grad in der Horizontalen (e) in Richtung des Models drehen. Wenn der Hintergrund sich – wie hier – nah hinter dem Model befindet, reflektiert er das Licht (f) und macht die Konturen von ­Victoria (g) sichtbar.

05/05 Weichere Schatten

Gefälliger wird der Effekt, wenn man zwei weitere Parameter verändert: Zunächst hilft ein größerer Lichtformer, der für weicheres Licht sorgt. Das kann eine Softbox sein, ein weißer Durchlichtschirm oder – wie hier gezeigt – ein Beautydish (h). Der machte es auch nötig, die Leistung der Leuchte zu erhöhen: In diesem Fall um zwei Blendenstufen von 3.0 auf 5.0/10, also von 2 W/s auf 8 W/s.

Eigene Rembrandt Licht-Experimente?

Damit Sie mit diesem Setting spielen und es weiterentwickeln können, haben wir es in die set.a.light 3D-Communtity unter der Setup ID 11031943 freigegeben. Wer noch keine set.a.light 3D-Lizenz besitzt, sollte unser Sonderangebot wahrnehmen. Um das Setup selbst im Studio auszuprobieren, laden Sie hier das BLITZMA Rezept für diesen Film-Stil mit weiteren Details.

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Christoph Künne

Christoph Künne ist Mitbegründer, Chefredakteur und Verleger der DOCMA. Der studierte Kulturwissenschaftler fotografiert leidenschaftlich gerne Porträts und arbeitet seit 1991 mit Photoshop.

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