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Abo, Abo, Abo … Der neue/zukünftige Software-Standard?

Immer mehr Software-Firmen wechseln zum Abo-Vertriebsmodell. Sie kaufen eine Software (genau genommen eine Software-Lizenz) also nicht mehr, sondern zahlen mit einem Vertrauensvorschuss an die Zukunft regelmäßig Geld an eine Firma, die im Gegenzug Service-Leistungen beziehungsweise zukünftig regelmäßige Innovationen, Verbesserungen und Bugfixes verspricht. Olaf Giermann fragt sich, ob sich dieses Modell für jede Software und jeden Anwender eignet.

Abo

©Sikov – stock.adobe.com


Anlass dieses Blogbeitrags


Anstoß zu meinem heutigen Blog war die Verkündung, dass die Schreib-Software Ulysses ab sofort nur noch im Abonnement erhältlich ist. Der Abopreis ist fair, es gibt einen lebenslangen Preisnachlass für Kunden wie mich, die die Software für macOS und iOS gekauft haben. Ich habe prinzipiell auch kein Problem damit, zu einem Abo zu wechseln. Gute Software kostet Geld und wer gute Software produziert, soll dieses Geld auch gern bekommen.

Abo

Ulysses – eine der besten Softwares für Schreiber.

In diesem Fall frage ich mich nur, wofür genau ich in diesem Fall den Abo-Preis zahlen soll? Für Innovationen oder neue Funktionen? Da hat sich seit langer Zeit in Ulysses nichts getan. Warum sollte sich das mit dem Abo plötzlich ändern? Und wenn es neue spannende Funktionen gibt, würde ich ein Update gern auch bezahlen. Andere Online- oder Server-Dienste sind nicht im Abo-Preis enthalten. Es geht also wirklich nur um regelmäßige Zahlungen durch den Anwender. Entsprechend harsch fallen viele Bewertungen der Anwender im App-Store oder auf der Facebookseite von Ulysses aus.

Ganz so extrem wie die vielen Kommentatoren sehe ich es nicht, denn Ulysses ist wirklich eine ausgereifte, tolle, blitzschnelle und zuverlässige Software mit Mark-up-Funktionen, iCloud-Sync und einer schicken, aufgeräumten Oberfläche. Für diese habe ich den aufgerufenen Preis gezahlt und bin damit sehr zufrieden. Ich schreibe/mark-up-formatiere damit meine DOCMA-Artikel, meine Blog-Beiträge (wie diesen) und sammle im Büro und unterwegs auf dem Smartphone/Pad darin Ideen.

Software-„Besitz“ nützt auf lange Sicht nichts – irgendwann wird die Software nicht mehr vom neuen Betriebssystem/Rechner unterstützt werden. Dann muss man exportieren/umformatieren/updaten. Letztlich ist die Entscheidung pro oder contra Abo eine reine Preis-Leistungsentscheidung.


Meine Abo-Software-Sammlung


Und da stelle ich fest, dass sich die Liste meiner Software-Abonnements zunehmend verlängert. Bei all diesen Abonnements bekomme ich einen irgendwie gearteten Mehrwert, so dass sich die Ausgaben letztendlich für mich rechnen:

  • Adobe Creative Cloud

    Abo

    Die Creative Cloud von Adobe bietet nicht nur Kreativ-Programme, sondern auch Online-Speicher, freie Assets und – wie hier gezeigt – eine voll integrierte Social-Plattform für Bildkünstler aller Art.

    Der Shitstorm war 2013 groß, als Adobe den Wechsel zum Abomodell verkündete. Für den aufgerufenen monatlichen Preis der gesamten Suite oder des Fotografie-Programms bekommt man jedoch nicht nur einige der aktuell mächtigsten Kreativ-Programme, sondern auch Online-Speicher, frei nutzbare Assets und Mobile Apps, die nicht nur reine Spielerei sind. Vor allem Lightroom mobile – als Camera- und Portfolio-App – erweitert die Möglichkeiten meines iPhones und den bequemen Bildersync hier enorm. Die Integration der Bildplattform Behance ist toll. Nicht jeder braucht all das, aber insgesamt hat Adobe ganz gut abgeliefert (meine Mindmap an Verbesserungen und Neuerungen seit CS6 ist inzwischen ein ziemlicher Klopper, auch wenn jedes einzelne Update bisher eher bescheiden wirkte) und meine Workflows nachhaltig verändert und verkürzt, auch wenn es aktuell noch eine Reihe von Bugs und Baustellen gibt.

  • Evernote

    Abo

    Evernote.

    Ich finde das Programm und seine Oberfläche eigentlich ganz fürchterlich (rudimentäre Tabellen, keine Formatvorlagen, klickreiche/unzureichende Organisationsmöglichkeiten …). Aber als Webclipper inklusive Texterkennung auf Screenshots für mich unentbehrlich. Habe dafür noch keinen adäquaten Ersatz gefunden. Hier zahle ich in erster Linie genau dafür und für den unendlichen Speicherplatz.

  • TextExpander

    Abo

    Dank TextExpander habe ich schon seit Jahren kein einziges der auf dem Screenshot gezeigten Worte mehr in voller Länge getippt.

    Abgesehen von Photoshop ist TextExpander wohl die Software, auf die ich am wenigsten verzichten möchte, da es mir täglich beim Schreiben aller Art das Eintippen von Tausenden von Zeichen im E-Mail-Verkehr, Social-Media, DOCMA-Artikeln – sogar beim Benennen von Ebenen in Photoshop – und so weiter erspart. Ohne TextExpander würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden. 😉 Inbegriffen im Abopreis ist der Sync meiner Tastenkürzel zwischen all meinen Büro- und Mobilgeräten. Das zahl ich gerne!

  • SaneBox
    Ein E-Mail-Helfer, der wichtige von unwichtigen Mails trennt, das Terminieren und Nachverfolgen von Mails und nervige Mail-Sender für immer ins Nirvana schickt. Kein Muss, aber sehr hilfreich, wenn man täglich mehr als hundert Mails bekommt.
  • Modo
    Abo

    Modo – Mein Haupt-3D-Programm

    Mein Haupt-3D-Programm. Genau genommen habe ich hier nicht wirklich ein Abo, sondern einen Maintenance-Vertrag. Das heißt: Ich zahle zwar jährlich einen höheren dreistelligen Betrag, um alle zukünftigen Updates erhalten zu können. Wenn ich diesen Vertrag kündige, kann ich jedoch die letzte erhaltene Version uneingeschränkt nutzen (bis Sie von keinem Betriebssystem oder Rechner mehr unterstützt wird). Für mich ist das tatsächlich das fairste Modell für alle Seiten. Denn wer eine Software liebt und häufig nutzt, wird sich sowieso jedes neue Update kaufen. Wenn man dann auch noch diese günstigere sozusagen „Rent-to-Own-Option“ hat und man potentiell jederzeit aussteigen kann, ohne gleich die Programmfunktionalität zu verlieren … Ja, das hat doch was, oder?


Außenseiter, Spitzenreiter!


Und dann gibt es da noch so außergewöhnliche Firmen wie Pixologic. Dort hatte ich vor einigen Jahren die wirklich großartige 3D-Sculpting-Software ZBrush gekauft und habe seitdem regelmäßig kostenlose Updates mit neuen wirklich „Bomben-Features“ erhalten, hinter denen sich sämtliche Bezahlt-Updates aller anderen Softwareschmieden wirklich verstecken können. Ich habe aber tatsächlich keinen Schimmer, wie deren Geschäftsmodell auf diese Weise überhaupt funktionieren kann und wovon die Firma denn ihre Programmierer bezahlt. Vielleicht sollte Pixologic dieses Geheimnis mal allen anderen Firmen verraten?

Abo

Bild: Olaf Giermann. Mit ZBrush modelliert, mit Keyshot texturiert, beleuchtet und gerendert.


Besinnung auf das Wesentliche


Was will ich nun überhaupt mit diesem Blogbeitrag sagen? Ganz einfach: Ich frage mich gerade: Was brauche ich wirklich? Welche Software nutze ich ständig und wieviel Geld bin ich gewillt, dafür auszugeben?

Aber genau solche Fragen sollten Sie sich auch stellen:

  1. Profitieren Sie persönlich von einem Software-Abo? Zusatzleistungen wie Onlinespeicher oder Synchronisieren-Funktionen können mitunter durch Hinzubuchen weiterer Anbieter sogar mehr kosten.
  2. Am wichtigsten: Brauchen Sie die Software wirklich täglich oder zumindest mehrmals die Woche? Wenn nicht, lohnt sich ein Abo aus reiner Kosten-Nutzen-Rechnung meist nicht. Das Gegengewicht wäre hier nur, dass es keine vergleichbar günstigere Konkurrenz gibt.

So gesehen: Bin ich gewillt für mein liebstes Schreibprogramm Ulysses ein weiteres Abo abzuschließen? Ich tendiere gerade dazu, ja … Falls Ulysses innerhalb des nächsten Jahres nicht wie erwartet Verbesserungen abliefert, kann ich vorerst immer noch auf meine gekaufte Version zurückgreifen oder zu einer anderen Software wechseln.

Beste Grüße,

Olaf

Olaf Giermann

PS & apropos DOCMA-Abo. Ich höre es schon förmlich: „Ja, Ihr von DOCMA wollt doch auch, dass wir ein Abo abschließen, statt die Hefte nur am Kiosk zu kaufen.“ Ähnliches ist aber nicht immer dasselbe. 😉 Denn mit einem DOCMA-Abo profitieren Sie ( = Sie zahlen weniger pro Heft – von dem Sie jedes auf Lebenszeit Ihr Eigen nennen können – und Sie müssen dafür nicht zum Kiosk fahren), wir ( = der Heftdruck wird planbar) und die Umwelt ( = es müssen nicht übermäßig viele Hefte für die Zeitschriftenauslage produziert werden, von denen dann circa die Hälfte als unverkaufte Exemplare im Müll landet).

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  1. badera

    Für mich sind der direkte Draht in mein Portemonnaie und die dauerhafte Abhängigkeit keine Option. Im Gegenteil sogar mit ein Grund, mich endlich vom Aktivierungs- und Abozwang zu lösen und auf Linux zu wechseln. Natürlich wird es schmerzhaft, aber die Freiheit ist es mir wert. Insbesondere, weil es überhaupt keine technische Notwendigkeit für Abomodelle gibt, es geht lediglich um eine Gelddruckmaschinerie für die Anbieter – die ich nicht unterstützen werde.

  2. coffy

    Lieber einen Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach. Ein Abo mag für einen Profi von Nutzen sein, für einen der „nur“ seinem Hobby nachgeht, eher nicht.
    Sobald ich Abo lese stöhne ich. Ich will mich auch nicht mehr abhängig machen und schlisse mich der Meinung von badera an.

  3. genius

    Ich weiß ja nicht wer so naiv ist und glaubt, dass Abo-Modelle keine reine Profit orientierte Angelegenheit der Softwareentwickler sind.

    Besonder die Abzocker, die NUR Abo-Modelle anbieten.

    Als ob die Software sooo schlecht ist, dass man jedes update benötigt und ebenso.

    Ich könnte heute noch mit einer ganz alten Photoshop-Version sehr gut arbeiten.

    Reine Abzocke, nichts anderes.

  4. anonymous18612

    das schlimmste ist doch, dass man quasi enteignet wird, wenn man das abo nicht mehr zahlen kann oder will. was mache ich mit meinen dateien? das sollte sogar gesetzlich geregelt werden.

    die jungen merken das schon gar nicht mehr. ich hab noch ne platten und cd sammlung … was haben unsere kinder mal? NIX!

  5. epemsl

    Sie haben es selbst gesagt: „Und wenn es neue spannende Funktionen gibt, würde ich ein Update gern auch bezahlen.“
    Warum bauche ich dafür ein Abo ?
    Für mich ist es ein Abhängig machen, in dem ich mir Neuerungen eines Programmes von meinen Kunden nicht nur bezahlen lasse, sondern alle in ein Börsen gerechtes System ein(er)presse.
    Ich persönlich brauche keine Cloud. Und wenn ich nur PS benütze was bleibt dann noch übrig?

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