Altglas

Best-of-Altglas: Normal ist alles andere als langweilig

Das „Nifty Fifty“ galt als Kit-Objektiv der analogen Kleinbildkamera. Kaum eine wurde ohne verkauft. Wer in seinem fotografischen Leben bisher nur ein Kit-Zoom benutzt hat, wird erstaunt sein, was eine alte Festbrennweite optisch leisten kann. Innerhalb dieser Objektiv-Gattung zeigt der Bild-Look die deutlichsten Unterschiede, wenn man eine geschickte Auswahl aus dem übergroßen Angebot trifft.

Best-of-Altglas: Normal ist alles andere als langweilig

50er kann man nie genug haben, sagen manche. Doch spätestens nach dem fünften wahllos gekauften 50er könnte es langweilig werden. Hier hat einer rund 50 Normalbrennweiten einem Vergleich unterzogen, der diesem Namen gerecht wird. Die Ergebnisse vermitteln drei zentrale Erkenntnisse. Erstens: Vergleichbare Aufnahmen bei natürlichem Licht anzufertigen ist schwierig. Zweitens: Unter konstanten Bedingungen sind die Unterschiede relativ gering. Drittens: Ändert sich das Licht, lassen sich Aufnahmen noch hinsichtlich ihrer Schärfe vergleichen. Bildwirkung und Stimmung sind kaum noch sinnvoll vergleichbar.

1×1 einer Auswahl

Historisch umfasst die Bandbreite dieser Gattung der Kleinbildobjektive rund 50 Jahre Entwicklung, die im Bild-Look ihren Ausdruck findet. Vieles sind schlicht bei Offenblende sichtbare Fehler, die zu ihrer Zeit nicht besser korrigierbar waren. Genau diese Fehler machen heute einen guten Teil vom Reiz alter Objektive aus. Später erfolgte eine Computer-gestützte Berechnung, was im Laufe der Jahrzehnte die Abbildungseigenschaften immer ähnlicher werden ließ. Doch auch hier finden sich Perlen – als Kontrapunkt zu alten oder einfacheren optischen Rechnungen.

Planar 1896. Best-of-Altglas: Normal ist alles andere als langweilig
Best-of-Altglas: Das Planar-Design stammt von 1896, ließ sich aber erst ab 1920 im Biotar kommerziell erfolgreich umsetzen und findet sich bis heute in aktuellen Objektiven.

Technische Basis

Die Grundlagen von Triplet, Planar und Tessar stammen aus der Zeit von 1893 bis 1902. Sie unterscheiden sich durch die Anzahl ihrer Linsen. Als Trioplan von Meyer Görlitz machte das Triplet mit nur drei Linsen Karriere. Schärfster Konkurrent war das Tessar mit vier Linsen. Beide wurden vielfach kopiert und in Millionenauflagen produziert. Trotz technischer Fortschritte blieb ihre Lichtstärke auf F/2.8 begrenzt. Eine Planar-Konstruktion mit sechs Linsen angeordnet in vier Gruppen (6/4) wurde in den 1920er Jahren als Biotar mit Lichtstärke F/2 populär.

Biotar. Best-of-Altglas: Normal ist alles andere als langweilig
Das Biotar 58/2 war eine der frühen Top-Optiken bei Zeiss. Die russische Kopie hieß Helios 44 und bediente nach 1945 den Massenmarkt.
Primoplan. Best-of-Altglas: Normal ist alles andere als langweilig
Kontrapunkt: Primoplan 58/1.9 mit ungewöhnlicher 5/4-Rechnung von Meyer-Görlitz, das der technische Fortschritt schnell verdrängte. Es ist heute ein gefragtes Objektiv (A. Blexen).

Doppel-Gauß-Konstruktionen

Als ein Highlight der Weiterentwicklung gilt das Pancolar der 1960er Jahre. Jeder Anbieter hatte auf dieser Grundlage basierende Objektive im Programm. Fortschritte der Glastechnologie ermöglichten später ein 6/5-Design. Leitz nutzte fürs Summicron beide Design-Varianten. Ebenso wie Pentax, Minolta, Nikon, Olympus, Yashica, Zeiss und viele andere. Auch zahllose OEM-Produzenten hielten sich an diese bewährte Konstruktion. Der Bild-Look all dieser Derivate nähert sich weiter an. Zunehmend auf Schärfe und Kontrast optimiert, verändern sich der Verlauf in die Unschärfe und das Bokeh.

Jupiter8
Kontrapunkt: Jupiter 8, eine Sonnar-Rechnung aus den 1930er Jahren und nur an spiegellose Kameras adaptierbar. Für analoge Spiegelreflexkameras war dieses optische Design mit 50 Millimeter Brennweite technisch nicht realisierbar.
Planar T
Ausnahmeerscheinung: Zeiss-T-Planar 50/1.7, ungewöhnlicher optischer Aufbau und überzeugende Abbildungseigenschaften. Hier wurde es ausführlich vorgestellt.

Best-of-Altglas

Im nächsten Beitrag der Reihe stehen alte Lichtriesen und ihre moderaten Vertreter im Mittelpunkt. Was mit Lichtstärke F/1.2 kompositorisch gelingt, sollte auch mit F/1.4 möglich sein. In diesem Segment sinken die Preise und die Auswahl nimmt zu. „Wer in seiner Fototasche nicht mindestens ein 1,4er hat, dem ist nicht zu helfen“, schrieb Winfried Warnke in seiner Kolumne im FotoMagazin, dachte dabei aber nicht unbedingt an Altglas.

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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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