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Das günstigste Trioplan

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Das Trioplan 100/2.8 ist ohne Zweifel der bekannteste Vertreter dieser Gattung. Inzwischen ist diese Rarität durchaus unter 300 Euro erhältlich. Für drei Linsen immer noch ein stolzer Preis und an Kameras mit kleinem Sensor ist diese Brennweite möglicherweise von begrenztem Nutzen. Weit verbreitet, für einen Bruchteil des Preises erhältlich und universell einsetzbar sind Triplet-Objektive mit Normalbrennweiten.

Reflekta. Das günstigste Trioplan
Das Trioplan war über Jahrzehnte Standard-Objektiv verschiedenster Kameras. Für eine Adaption gibt es besser geeignete Optiken als die der Reflekta.

Apotar und Minar

Als Standardobjektiv der Rollfilmkamera Agfa Isolette galt das Apotar 85/4.5. Zusammen mit der Kamera ist das Porto bei eBay mitunter höher als der Kaufpreis. Ausbauen lässt es sich mit wenigen Handgriffen, die Adaptation erfordert ein wenig bastlerisches Geschick. Das Minar 35/4 findet sich nur in der Minox 35 AL. Sie kam 1987 auf den Markt, defekte Kameras sind heute günstig zu haben und ihre Optik ist fix ausgebaut. Die Brennweite scheint für ein Triplet ungewöhnlich. Doch seine Adaption gestaltet sich durch das geringe Auflagemaß der kleinen Minox fummelig und erfordert hohe Präzision – falls man Wert auf eine funktionierende Unendlich-Einstellung legt.

Apotar.
Die Adaption des Apotar 85/4.5 mittels Helicoid ist nicht besonders schwierig, aber Lichtstärke F/4.5 verspricht kein rekordverdächtiges Bokeh. Es gibt einfachere und leistungsfähigere Triplet-Adaptionen.
Minox 35.
Die Minox 35 AL erschien 1987 mit dem Minar 35/4, einem klassischen Triplet-Objektiv.
Beipspiel Trioplan
Typisch Trioplan: Das Lichtrendering im Bokeh ist einzigartig, setzt aber in der Regel Lichtstärke F/2.8 voraus.

Cassar, Cassarit und Cassaron

Diese Triplets wurden vom Münchner Hersteller Steilheil mit Brennweiten um 50 mm in erstaunlicher Vielfalt produziert. Sie waren unter anderem für die Braun Paxette mit M39-Anschluss erhältlich, eine Sucherkamera aus den 1950er Jahren. Der Anschluss lässt sich über einen Adapterring an ein M42-Helicoid anschließen. Verfügbare Spezifikationen zu diesen Objektiven sind ausgesprochen spärlich. Ihre Filtergewinde, sofern überhaupt vorhanden, zum Anschluss einer Streulichtblende weisen exotische Maße auf. Ähnlich verhält es sich bei Optiken von Staeble, die ebenfalls für diese Kameras hergestellt wurden. Selbst der ansonsten akribische Kadlubek-Katalog listet nur einen Bruchteil der in Auktionen angebotenen Optiken auf. Welche Variation man von diesen Objektiven bekommt, zeigt sich letztlich erst, wenn man es in der Hand hält.

Cassarit. Das günstigste Trioplan
Linsenschnitt Steinheil Cassarit 50/2.8: Fortschritte in der Glasherstellung und verbesserte Oberflächenvergütungen ermöglichten Variationen der Linsenform. Das vordere und hintere Element ist deutlich dicker als üblich. Unterschiede in der Abbildungsleistung lassen sich möglicherweise beim Pixelpeeping erkennen. Die M42-Version dieses Objektivs ist selten.

Domiplan und Pentaflex Color

Der ab 1963 produzierte Trioplan-Nachfolger mit Normalbrennweite heißt Domiplan 50/2.8, hat nur noch sechs Blendenlamellen und eine Naheinstellgrenze von 75 cm. Das baugleiche Pentaflex-Color war bei Photo Porst erhältlich. Die optische Leistung beider Objektive ist ohne Makel. Bis 1979 wurden rund zwei Millionen Stück hergestellt, und sie sind bei eBay mit etwas Glück und Geduld ab zehn Euro erhältlich. Die Adaption ist denkbar einfach und funktioniert auch an Nikon Spiegelreflexkameras.

Domiplan und Variante
Geht es ums Fotografieren ohne Bastelei und geringen finanziellen Aufwand, bieten sich diese Objektive an. Sie traten ab 1963 die Nachfolge vom Trioplan an.
Trioplan Lichtrendering
Das Trioplan sorgt je nach Lichtverhältnissen immer wieder für Überraschungen im Bokeh.
Trioplan abgeblendet
Entgegen anders lautenden Gerüchten liefert ein intaktes Trioplan abgeblendet gestochen scharfe Aufnahmen.

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cover ebook Trioplan
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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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