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Spiegellose Kleinbildkameras: Was kommt da auf uns zu?

Vor wenigen Wochen stellte Nikon sein spiegelloses Z-System vor, nun folgte Canon mit dem EOS-R-System, womit sich die Zahl der Anbieter im spiegellosen Kleinbildbereich verdoppelt hat. Mit weiteren Ankündigungen ist am 25. September 2018 auf der photokina zu rechnen. Was bedeutet das für den Kameramarkt und wie sieht die Zukunft der Spiegelreflexsysteme aus? Spiegellose Kleinbildkameras: Was kommt da auf uns zu?

Spiegellose Kleinbildkameras

Spiegellose Kleinbildkameras: Das Canon EOS-R-System, die bislang jüngste Neuvorstellung im spiegellosen Kleinbildsegment; weitere werden vermutlich noch in diesem Monat folgen. Quelle: Canon

In den nunmehr zehn Jahren spiegelloser Kamerasysteme wurde immer wieder prophezeit, dass die etablierten Spiegelreflexsysteme bald durch die spiegellose Konkurrenz verdrängt würden. Dessen ungeachtet behaupteten Canon und Nikon lange ihre Marktführerschaft – und zwar mit Spiegelreflexkameras. Canons spiegelloses EOS-M-System mit APS-C-Sensoren und Nikons 1-Zoll-System waren bewusst so konzipiert, dass sie die Dominanz der DSLRs nicht gefährdeten. Die Einführung der neuen spiegellosen Kleinbildsysteme macht aber offensichtlich, dass auch Canon und Nikon die Zukunft in der spiegellosen Kameratechnologie sehen.

Natürlich hat keiner der beiden Hersteller sein Spiegelreflexsystem aufgekündigt und Nikon hat gerade erst die Einsteiger-DSLR D3500 angekündigt. Die Wachablösung steht dennoch kurz bevor. Vermutlich wird noch eine weitere, bereits in der Entwicklung befindliche Generation der Profimodelle mit einstelliger Modellnummer auf den Markt kommen, aber wenn diese in die Jahre gekommen ist, wird vermutlich kaum noch jemand nach DSLRs fragen. Die Forschung und Entwicklung konzentriert sich auf die spiegellosen Systeme; neue Objektive werden vor allem für diese entwickelt werden, und wenn noch eine modernisierte DSLR auf den Markt kommt, dann als Abfallprodukt der Spiegellosen, da sich Komponenten wie Sensoren oder Prozessoren gleichermaßen in Kameras mit wie ohne Spiegel nutzen lassen.

Neben Sony und Leica bieten nun auch Canon und Nikon spiegellose Kleinbildkameras an, aber es wird kaum bei nur vier Herstellern bleiben. Gerüchteweise heißt es, dass Panasonic auf der photokina eine Kleinbildkamera ankündigen wird, und dass die Panasonic-Pressekonferenz am 25. September unmittelbar auf die Leica-Pressekonferenz im selben Saal folgt, mag Zufall sein oder auch nicht.

Was ist mit den übrigen Kameraherstellern? Fuji ist mit seinem X- (APS-C) und GFX-System (Mittelformat) breit aufgestellt; ein Kleinbildsystem zwischen diesen beiden Formaten ergäbe wenig Sinn. Olympus könnte es Panasonic nachtun und auf Kleinbild als zweites Standbein setzen, aber falls es solche Pläne gibt, werden sie sehr gut geheim gehalten. Damit bliebe noch Ricoh, die unter der Marke Pentax APS-C-, Kleinbild- und Mittelformat-DSLRs im Portfolio haben, aber mit ihren Versuchen im spiegellosen Bereich bislang weniger erfolgreich waren. Sigma hat bereits spiegellose Modelle mit Foveon-Sensoren im APS-C- und APS-H-Format im Programm; zu darüber hinausgehenden Plänen ist nichts bekannt. So oder so wird die photokina wohl Klarheit schaffen. In jedem Fall dürften 2019 mehr Hersteller spiegelloser Kleinbildsysteme unterwegs sein, als dieses Marktsegment ernähren kann; es wird also zu einer Konsolidierung kommen müssen, die nicht jeder Kamerahersteller überleben wird.

Canons und Nikons neue Systeme scheinen vor allem darauf abgestellt zu sein, die eigenen Kunden in die spiegellose Zukunft mitzunehmen – und nicht so sehr, Sony Kunden abzujagen. Eher geht es darum, die Abwanderungsbewegung in Richtung Sony zu stoppen, die Nikon bereits den zweiten Platz bei den Verkaufszahlen gekostet hat. Nikons zunächst angekündigte Objektive für das Z-System fallen gegenüber den von Canon vorgestellten Objektiven deutlich ab, aber entscheidend wird erst einmal sein, wie gut die Kunden beider Hersteller ihre vorhandenen Objektive mit einem Adapter nutzen können. Für den Aufbau eines breiten Spektrums nativer Objektive für die spiegellosen Kameras haben beide noch ein wenig Zeit.

Beide Hersteller müssen allerdings noch die Frage beantworten, wie sie mit ihren spiegellosen Kleinbildsystemen Geld verdienen wollen. Von den Profimodellen werden generell nur geringe Stückzahlen abgesetzt; die Umsatz- und Gewinnbringer sind die Einsteiger- und Mittelklassemodelle, also Kameras mit APS-C-Sensor. Canon hat zwar schon seit sechs Jahren das spiegellose EOS-M-System im Programm, nur ist es eben ein separates System mit einem anderen, kleineren Objektivanschluss. Die Objektive für EOS R und M lassen sich nicht austauschen und selbst eine Adaptierung scheint in der einen wie der anderen Richtung unmöglich zu sein – die Auflagemaße von 20 beziehungsweise 18 mm verhindern das. Canon könnte preisgünstige EOS-R-Modelle mit kleinerem Sensor herausbringen, aber das wäre wohl das Ende des etablierten und recht erfolgreichen EOS-M-Systems. Auch Nikon könnte APS-C-Kameras mit dem dafür allerdings recht großen Z-Bajonett entwickeln und sein spiegelloses System ebenso breit aufstellen wie bisher das DSLR-System.

Spiegellose Kleinbildkameras: Die gewohnte Rangordnung ist jedenfalls im Fluss. Nachdem Sony bereits Nikon vom zweiten Platz verdrängt hat, werden die Karten durch den Wechsel von Spiegelreflex- zu spiegellosen Systemen völlig neu gemischt, und wer in ein paar Jahren den Markt dominieren wird, lässt sich noch kaum vorhersagen.

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  1. kkm3105

    Die Vorstellung der Z-Serie ist m.E. ein Flop – genauso große Gehäuse wie gehabt und gerade mal 3 Objektive dazu. Wobei die angekündigte Superlichtstärke bei einem dieser Gläser 4.0 ist… toll.

    • bilddateien

      na klar, Vollformat, eingebauter Sensorstabilisator, Lichtstärke 0,5 und dann klein wie eine Zigarettenschachtel … manche träumen klein …
      Ich schraub an die Gehäuse i. d. R. einen Batteriegriff, daß ich das Zeug vernünftig in der Hand halten kann, insbesondere bei längeren Brennweiten oder im Hochformat. So verschieden sind die Anforderungen.

  2. Reflashed

    Die Abwanderung stoppen? Ich glaube, dass diese jetzt erst richtig beflügelt wird. Wärend die Nikons wenigstens nur leicht hinterher hinken, hat Canon wohl eindrucksvoll bewiesen, dass sie nichts verstanden und nichts gelernt haben.
    Und wenn man jetzt als Canonuser eh eine neue, überteuerte Kamera nebst Adapter und Objektiven kaufen muss, so kann man auch gleich das Lager wechseln.
    Sony wird seine damalige Ankündigung wahr machen die Nummer 1 zu werden und Canon hilft dabei kräftig mit 😉

    • toscaledo

      Der Kollege hat vollkommen recht, die Abwanderung ist in vollem Gange. Die erste Cam von Sony kam genau vor 5 Jahren auf den Markt. Die beiden Platzhirsche hatten genügend Zeit hierauf zu reagieren und ggf. im Hintergrund konkurrenzfähige Produkte zu entwickeln. Das jeweilige Marketing hat wohl gepennt. Anders kann ich mir nicht erklären, dass man jetzt mit Adapter und praxisfremden Objektiven den Markt gewinnen will. Eine Erfolgsstrategie wären 3 Toplinsen an einem designten Gehäuse gewesen. Aber so … Rohrkrepierer.

  3. funatyc

    Ich verstehe ehrlich gesagt weder das Bashing von Canon noch von Nikon.
    Sowohl Canon als auch Nikon haben ganz solide und mehr als brauchbare spiegellose Systeme vorgestellt. Man darf nicht vergessen, es handelt sich um die ersten Geräte. Die Erwartungshaltung mit dem jeweils ersten Gerät gleich die neue Sony A7III oder die A7Rmk3 bzw. die A9 zu schlagen finde ich unverständlich. Das schaffen auch beide Geräte noch nicht, aber das müssen sie auch gar nicht. Ich erinnere mich wie herumgepöbelt wurde wieso Sony so kleine Geräte baut. Jetzt wird rumgepöbelt weil Canon und Nikon etwas handfestere Geräte gebaut haben die kein BG mehr benötigen um gut in der Hand zu liegen. Also ganz ehrlich, ich nutze die A7Rmk3 ohne BG und bin sehr glücklich mit der kleinen Form. Was mich persönlich mehr stört, sind die Objektive und die Preise die jeweils dafür verlangt werden. Was nützt es mir, wenn ich eine spiegellose Kamera kaufen kann, die genau so viel kostet wie eine Sony A7mk3 und ich damit zwar für knapp 2200 € auf dem Niveau einer Nikon D850 bzw. Canon EOS 5Dmk4 bin, die nativen Objektive aber so teuer sind, dass ich mir eine Sony A7mk3 und 4 Objektive zum Preis von einem Canon 50mm f/1.2 Z für 3500€ kaufen kann. (Samyang 14mm f/2.8FE AF 600€, Tokina Firin 20mm f/2 700€, Sony FE 50mm f/1.8 300€, Tamron FE 28-75mm f/2.8 800€, Sony FE 90mm f/28 Macro G 900 €) gibt noch diverse andere Kombis die man für E-Mount für 3500 € bekommt. Dennoch werden beide Geräte ihre Abnehmer finden. Aber die Abwanderung zu Sony wird es vermutlich nur geringfügig abbremsen.

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