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Filmplakat

„Filmplakate“ waren das Thema der ersten DOCMA-Bildungsoffensive 2011. Unser Autor Uli Staiger hat das Projekt gemeinsam mit Prof. Petra Scheer an der MDH Mediadesign Hochschule in Berlin ins Leben gerufen.

Wer heute ein kreatives Studium aufnimmt, muss neben Photoshop eine Vielzahl von digitalen Werkzeugen beherrschen. Das gilt nicht nur für Fotografen, sondern auch für Grafiker und andere Mediendesigner. „Bei uns lernen die Studierenden neben vielen anderen Qualifikationen auch die Entwicklung einer systematischen Methodik für Bildbearbeitungs- und Bildcomposingprozesse“, erklärt Petra Scheer, Professorin am Berliner Standort der MDH Mediadesign Hochschule die Anforderungen. „Wie so etwas jenseits theoretischer Lehrbuchansätze funktioniert, erfährt man allerdings am besten von Praxis-Profis.
Uli Staiger hat mit seinem engagierten Workshop bei unseren Studenten dazu beigetragen, dieser Qualifikation ein Stück näher zu kommen. Die Ergebnisse spiegeln die kreative und konzeptionelle Auseinandersetzung mit einem vorgegebenen Thema wider.“
Aber warum macht Uli Staiger das? Wir haben ihn gefragt: „Die Antwort ist ganz einfach: Weil ich es wichtig finde, dass die jungen Leute in der Ausbildung möglichst früh eine realistische Idee davon bekommen, was sie später im Beruf können müssen und vor allem in welcher Tiefe sie etwas wissen sollten.“ Staigers Antwort hat uns zum Nachdenken gebracht. Wenn der Staat bei der Ausbildung zunehmend spart, ist es doch eigentlich die Aufgabe von Leuten wie uns, unser Wissen denen zur Verfügung zu stellen, die es in Zukunft brauchen werden. Nach langer Diskussion in der Redaktion entstand ein Plan: Die DOCMA-Bildungsoffensive 2011. Wir bieten in diesem Jahr Hoch- und Fachschulen, deren Ausbildungspläne die Arbeit mit Photoshop einschließen, an, Workshops für ihre Studierenden bei ihnen vor Ort abzuhalten. Kontakt mit uns (redaktion@docma.info) aufnehmen können Lehrende. Die Abstimmung der Inhalte des Workshops erfolgt im Dialog mit dem jeweiligen Referenten.
Bei diesem Workshop an der MDH Mediadesign Hochschule ging es in erster Linie darum, eine kommerzielle Idee nach Vorbild oder frei auf Papier zu konzeptionieren und anschließend mit den passenden Werkzeugen umzusetzen. Wir zeigen auf den folgenden Seiten in groben Zügen, wie die Studentin Katrin Kleinod das amerikanische Originalplakat der 2009er Verfilmung von Sherlock Holmes nachempfunden hat.

Konzept
Das Konzept entstand aus der Erinnerung an dieses formal relativ einfache Kinoplakat, das als Vorankündigung des Kinostarts in den USA diente, und daher mit vergleichsweise wenigen grafischen Mitteln auskommt. Das Scribble hatte vornehmlich den Zweck zu dokumentieren, was alles für das Fotoshooting benötigt werden würde.

Ausgangsbild
Die dem Plakat zugrunde liegende Aufnahme entstand im Studio der Hochschule und kam mit sehr wenig Beleuchtungstechnik aus. Das Model Michael Schulz wurde mit einem tubenförmigen, harten Spot von vorne oben ausgeleuchtet und vor einem schwarzen Hintergrund fotografiert.

Grundfarblook
Nach den typischen Haut- und Detailretuschen wie dem Beseitigen der Tränensäcke, korrigierte Katrin Kleinod zunächst die Lichtstimmung mit einer selektiven Farbkorrektur der Rot- sowie der Gelbtöne in Verbindung mit einer Kontraststeige

Gesichtskorrekturen
Das Gesicht des Models machte sie mit einer ebenso einfachen wie effektiven Korrektur schmaler: Auf drei leeren Ebenen trug sie mit schwarzer Malfarbe unterschiedliche künstliche Schatten auf und verrechnete diese in den Modi „Weiches Licht“ und „ Ineinanderkopieren“

Glut und Rauch
Die Glut der Pfeife ist aus dem Foto eines Kamins entliehen, da beim Fotografieren echter Rauch nur gestört hätte. Der Rauch selbst wurde mit passenden Pinselspitzen gemalt, und besteht aus mehreren Ebenen mit unterschiedlichen Deckkräften. So wirkt er vielschichtiger und weniger künstlich, als wenn er in nur einem Arbeitsdurchgang entstanden wäre.

Typografie
Die Typografie ist ein wichtiger Schritt vom Motiv zum Filmplakat. Während der Name des Schauspielers und das Ankündigungsdatum mit einfachen Ebeneneffekten auskommen, besteht der Sherlock-Holmes- Schriftzug aus texturierten Einzellettern, die mit komplexen manuell erzeugten Schattenwirkungen versehen wurden.

Abnutzungsspuren
Auch bei der Gestaltung der Alterungsspuren an den Rändern des Plakats hat es sich Katrin Kleinod nicht leicht gemacht. Statt mit Strukturüberlagerungen zu arbeiten, zog sie es vor, den Abnutzungseffekt mit unterschiedlichen Pinselspitzen, verschiedenen Verrechnungsmodi und weißer Farbe manuell aufzutragen.

Finaler Farblook
Der finale blaue Farbton entstand durch zwei unterschiedlich blaue Vollton-Ebenen, die im Modus „Ineinanderkopieren“ verrechnet wurden. Die eine Ebene ist dunkler und kräftiger und hat eine Deckkraft von 60 %, die andere ist etwas heller, mit einer Deckkraft von 100 %, aber einer Ebenenmaske, die den Mittelteil ausspart.

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