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Lösungsvorschlag für die Corona-Krise

So ließen sich unbürokratisch viele wirtschaftlichen Folgen klein(er) halten

Ein Problem unter vielen bei der Bewältigung der Corona-Pandemie, deren Anfänge wir gerade erleben, sind die wirtschaftlichen Folgen für Kleingewerbe, Freiberufler, Künstler und viele sogenannte Solo-Selbstständige. Doc Baumann hat einen Vorschlag, wie sich dieses Problem teilweise lösen ließe. Der Staat würde dabei viel Geld und bürokratischen Aufwand sparen und die Betroffenen würden sofort von einer entsprechend umgesetzten Regelung profitieren (plus ein paar Gedanken zum WirvsVirus-Hackathon der Bundesregierung) – lesen Sie hier einen Lösungsvorschlag für die Corona-Krise.

Lösungsvorschlag für die Corona-Krise
Leider wird es nicht so einfach werden, den corona-Virus in den Griff zu kriegen. / Foto und Montage: Doc Baumann

Noch vor ein paar Tagen sagte unser Wirtschaftsminister in einer Talkshow, die Schließung von Schulen und Kitas sei deswegen nicht möglich, weil viele im Gesundheitsbereich Tätige Teilzeitkräfte seien, die sich um ihre Kinder kümmern müssten – dann hatte jemand die Idee der Notfallversorgung, und plötzlich geht das.

Die Unterstützung der vielen Kleingewerbetreibenden, Selbständigen und Freiberufler, die aufgrund der neuen und sinnvollen Bestimmungen ihre Arbeit für die Dauer der Krise nicht ausüben können, scheint ein vergleichbar schwieriges Problem zu sein und beschäftigt die Politiker seit Tagen.

Die bisherigen Lösungsvorschläge kosten viel Geld (unser aller Steuergeld, und das Steueraufkommen und damit die zu verteilenden Mittel dürfte in diesem Jahr erheblich sinken) und sie sind mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden. Viele mögliche Antragsteller wissen zudem, dass sie später gar nicht so viel erwirtschaften können, um den KfW-Kredit plus 7% Zinsen überhaupt zurückzuzahlen.

Aber ohne Unterstützung gäbe es nach der Krise einerseits Millionen zusätzlicher Menschen, die Sozialhilfe beantragen müssten, und andererseits keine Angebote mehr, um bestimmte Leistungen zu erbringen. Eine Lösung muss also jetzt und unmittelbar gefunden werden, ehe es zu spät ist und die Folgen nicht mehr bewältigt werden können.

Lösungsvorschlag für die Corona-Krise: Das Problem der Fixkosten

Die genannten Berufsgruppen leiden zum einen darunter, dass sie keine Einnahmen mehr haben (was sich kaum ändern lässt) – zum anderen darunter, dass sie weiterhin Ausgaben haben (was sich ändern ließe). Sofern sie Angestellte haben, werden die Möglichkeiten der Kurzarbeiterregelung gewisse Erleichterung verschaffen.

Aber das betrifft Solo-Selbstständige und Freiberufler selten. Bleiben also andere Fixkosten: Einige davon sind tätigkeitsabhängig, wer aber nichts produziert, muss auch nichts anschaffen, verbraucht weniger Strom, Wasser usw. Andere Kosten sind völlig fix, ob man nun was tut oder nicht, und sie sind regelmäßig fällig. Die wichtigsten, die mir dazu einfallen, sind Miete und Versicherungen.

Hier setzt nun mein Lösungsvorschlag für die Corona-Krise ein: Die Regierung hat durch ihre sinnvollen und notwendigen Maßnahmen für viele Berufe ein praktisches Betätigungsverbot ausgesprochen. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Verbote bleiben zunächst ausschließlich bei den entsprechend Tätigen hängen, die noch dazu in der Regel über geringe Rücklagen verfügen. Es wäre also sozial angemessen, die entstehenden Einschränkungen auf mehr Schultern zu verteilen und noch dazu auf solche, die durchschnittlich tragfähiger sind.

Was bedeutet das konkret? Statt staatliche Zuschüsse aus Steuermitteln zu verteilen und Kfw-Kredite mit aufwendigen Antragsunterlagen anzubieten, würde es nur einen einzigen Erlass benötigen, um diese Probleme zu lösen oder wenigstens zu erleichtern:

Mietzahlungen für die betroffenen Berufsgruppen werden für die Dauer der Krise ausgesetzt (oder um einen erheblichen Faktor reduziert). Für Vermieter, die auf die Mieteinnahmen angewiesen sind, um Hypothekenrückzahlungen zu leisten, wird die Laufzeit aller Hypothekenverträge automatisch um die Dauer der Krise verlängert und Zahlungen während dieser Zeit ausgesetzt.

Zudem ist eine  berufliche Risikoabsicherung weitgehend überflüssig, solange der Beruf nicht ausgeübt wird. Betroffene können also für die Zeit der Krise auf entsprechenden Versicherungsschutz verzichten; die Vertragslaufzeit wird automatisch um die Dauer der Krise verlängert. In Härtefällen kann bei  den Versicherungen beantragt werden, die Zahlungen, die auf die Dauer der Krise entfallen, zurückzuerstatten.

Eindeutig missbräuchliche Anträge und Annahme von Vorteilen werden nach dem Ende der Krise hart bestraft.

Ich bin kein Wirtschaftsfachmann und kann daher nicht umfänglich beurteilen, welche Folgen eine Umsetzung dieser Maßnahmen hätte. Sicherlich gäbe es auch bei manchen Vermietern Engpässe, aber in der Regel verfügen sie über ein besseres Rücklagepolster. Und für echte Härtefälle könnte man Hilfsmaßnahmen vorsehen, die aber sowohl von der Zahl der Fälle wie von der Höhe der Kosten her deutlich geringer lägen. Warum sollen in einer allgemeinen Notsituation nur die beruflichen Mieter unter Einschränkungen leiden, nicht aber die Vermieter, in deren Räumen die Arbeit, derentwegen sie angemietet wurde, wegen staatlicher Auflagen gar nicht mehr ausgeübt werden kann?

Wenn Sie diese Ideen gut und sinnvoll finden, wäre es hilfreich, wenn Sie sie verbreiten und mit dafür sorgen, dass sie schnell bei Entscheidungsträgern landen.

WirvsVirus-Hackathon der Bundesregierung

Ein Freund, mit dem ich diese Vorschläge – natürlich am Telefon – diskutierte, wies mich auf eine Webseite der Bundesregierung hin, wo man vielleicht derartige Ideen einbringen könnte.

Da habe ich dann gleich gelernt, wie man so was ganz bestimmt nicht aufziehen darf. Zunächst einmal: Der größte Teil der Fragen und Hinweise ist auf Englisch. Probleme mit der deutschen Sprache offenbaren sich gleich anfangs auch mit der Frage: „Was ist dein Name?“, „Was heißt du?“, mag man sich vielleicht in bestimmten Stadtvierteln fragen, aber auf einer Regierungsseite sollte man doch das korrekte „Wie?“ benutzen. Dann viel Gewese um Rahmenbedingungen, aber eigentlich keine Stelle, wo man eine konkrete Idee eintragen könnte. Schließlich die Frage „Wer sind die Stakeholder?“ Die wer? Die Leute, die das Holz halten, wenn ein Scheiterhaufen errichtet wird? Das seien Aktieneigentümer, erläuterte mir mein Freund (nicht mal der Google-Übersetzer kennt den Begriff). Aber bei dem Fragenkontext geht es gar nicht um Aktiengesellschaften oder Wirtschaftsbetriebe. Man hätte schlicht fragen können (was zuvor mit anderen Worten aber schon x-mal abgefragt wurde: Wer sind die von den vorgeschlagenen Maßnahmen Betroffenen? Aber das klingt natürlich bei weitem nicht so wichtig. Mit einem solchen Kommunikationsschwachsinn wird man sicherlich keine allgemein akzeptierten Wege aus der Krise finden.

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Hans Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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6 Kommentare

  1. Leute, glaubt einem, der seit vielen Jahren Vermieter ist:
    Die Miete alleine ist es nicht!
    Die Mietnebenkosten fressen die Leute fast noch mehr auf, als die Kaltmiete.
    So habe ich jahrelang ein Haus auf dem Dorf für (lächerliche…) 5,- EURO pro m² vermietet-aber die Mieter mussten über die 800,- Kaltmiete hinaus auch noch rund 400-500,- für Heizung, Wasser, Kommunalabgaben, Versicherungen zahlen. Und Gaswerk, E-Werk, Stadtverwaltung, Versicherung kennen kein Erbarmen.
    Da liegt der Hund begraben und noch wo anders:
    Wer derart von der Hand in den Mund lebt, dass er nicht mal Rücklagen hat für einige Monate, der steht auch emotional und überhaupt auf tönernen Füßen.
    Der Mieter aus dem o.a. Beispiel machte mit seinem kleinen Gewerbe (Montageservice) Pleite, ich verzichtete für mehrere Monate auf die Mieteinnahmen, senkte danach dauerhaft die Miete um 20%, damit die junge Familie wohnen bleiben könnte. Aber der Knacks war passiert, die Anwälte und der Insolvenzverwalter teilten unter sich auf, was noch verwertbar war, seine Frau verlor die Nerven und verließ ihn mitsamt den Kindern und der Hausstand wurde aufgelöst.
    SO läuft das.
    Traurig, aber wahr.

    1. Das ist sicherlich alles wahr und traurig – aber irgendwo muss man ja mal anfangen. Zuschüsse und Kredite aus Steuermitteln sind fein, nur wird es in ein paar Monaten kaum noch Steuereinnahmen geben, wovon sollen die Zuschüsse dann bezahlt werden? Und die Vermieter können auch kein Interesse daran haben, jetzt noch möglichst hohe Mieten vollständig zu erhalten, wenn in ein paar Monaten niemand mehr da ist, der die gewerblichen Räume brauchen und bezahlen kann.
      Sicherlich hängt da ein ganzer Rattenschwanz dran, den ich weder wirtschaftlich noch juristisch überblicke. Aber es erscheint mir sinnvoll, die Belastung auf so viele tragfähige Schultern wie möglich zu verteilen.
      Viele Grüße
      Doc Baumann

      1. Richtig. Nicht nur die Vermieter sind gefragt, auch die Versicherer usw.
        Man sollte die Hilfsmittel zudem nicht mit der Gießkanne verteilen-die Einnahmen werden wegbrechen, wie Sie ganz korrekt prophezeien.
        Dann wird mehr Geld gedruckt (was die Notenbanken jetzt schon tun und was in derselben Liga spielt wie “Strom? – Der kommt doch aus der Steckdose!”. Die Folge: Geldentwertung wie nach dem großen Crash in den 20er Jahren. Das muss verhindert werden:
        Es sollte z.B. unmöglich gemacht werden, dass “Zombiewirtschaft” künstlich und mit Staatsknete am Leben erhalten wird. Da tummeln sich so einige Firmen, die schon seit langer Zeit nicht am, sondern unter dem Existenzminimum rumkrebsen.
        Allerdings sehe ich da zwar Handlungsbedarf, aber wer soll denn jetzt noch handeln?
        Wir sind weitgehend lahm gelegt und man kann nun eigentlich nur abwarten und vor allem Prioritäten setzen.
        Erste Priorität: Gesund bleiben oder gesund werden.
        In diesem Sinne: Bleibt gesund!
        Viele Grüße von Hubert Schmitz

  2. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass man Selbständigen, die älter als 63 und über die KSK sozialversichert sind, erlaubt, abschlagsfrei in Rente gehen zu können, falls deren Auftragslage wegbricht. Wer später eine gute Auftragslage hat, könnte ja wieder aus der Rente aussteigen und ein wenig länger arbeiten, um der Gesellschaft was zurückzugeben (wäre dann ein kann – kein muss).

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