Digitale Cyanotypie

 

Die Ausgangsidee war im Prinzip ganz einfach: Wir wollten mit einem iPhone, einem Bürodrucker und ohne den Einsatz einer Dunkelkammer ein Unikat erschaffen, also ein Bild, das man genau so nicht noch einmal hinbekommt. Dazu bedienten wir uns modernster Technik bei der Aufnahme und einer der ältesten Edeldrucktechniken bei der Ausgabe.

Natürlich kann man ein solches Bild auch am Monitor ausarbeiten und dann mit einem Fotodrucker ausgeben. Das Spannende am analogen Verfahren ist für uns Digital-Kontrollfreaks von heute aber nicht die Perfektion, die wir auf Knopfruck erzeugen, wenn wir wollen, sondern ihr Gegenteil: Die bewußt gewählte Zufälligkeit.

Der Spaß am Zufall, am Unvorhersagbaren, an den Ungenauigkeiten – kurz der Spaß am "Irgendwie" erscheint uns heute als wilkommene Abwechslung zur Präzision und der "Geht/Geht nicht"-Welt des computerisierten Teils unseres Lebens und Erlebens. Folgen Sie uns also auf die Reise von der digitalen Gegenward in die analoge Vergangenheit.

 

 

Unser Ausgangsbild: Fotografiert von Ralf Mohr mit einem iPhone 4 und der App Hipstermatic.
Hier ist der Künstler noch einmal selbst im Bild zu sehen, wie er sich darüber wundert, wie stark man die Bilder mithilfe der Gradationskurve umarbeiten muss, damit sie eine gute Negativ-Vorlage abgeben.
Mohr schaut über die Schulter von Michael Weyl, einem Fineart-Fotografen, der sich sich seit einigen Jahren vornehmlich dem Handel mit Verbrauchsmaterial für analoge Fotografie verschrieben hat. Er bearbeitet unsere Vorlage auf dem iPhone. Das ist sicher etwas fummeliger als nötig, dafür braucht man aber keinen Zwischenschritt am PC.
Nach dem Druck des Negativs auf Transparentpapier hat es nur noch wenig Ähnlichkeit mit der Vorlage, die Ralf Mohr per E-Mail geschickt hatte – im Hintergrund auf einem iPad angezeigt zu sehen.
Bevor es ans Werk geht, gibt uns Michael Weyl noch eine Einweisung auf die Schnelle. Sicher ist sicher, obwohl wir uns ja alle zu den alten "Laborhasen" zählen – auch wenn diese Erinnerungen bei mir zumindest schon fast zwei Jahrzehnte alt sind.
Labor? Na ja, wir wollten zwar ohne Dunkelkammer auskommen, doch ist es sehr praktisch unsere Übung in in der Dunkelkammer von Michael Weyl vorzunehmen. Dort hat man Platz, man kann ein wenig herumsauen und die Schalen stehen griffbereit. Da wir das Licht nicht ausmachen müssen, gibt es außerdem allerlei zu gucken.
Ganz besonders Ralf Mohrs Herz geht auf, bei alle den hier versammelten Laborschätzen und den schönen - oder wenigstens geschönten – Erinnerungen, die er damit verbindet.
Inzwischen setzt Michael Weyl die erste Chemie an.
Sie besteht aus zwei Komponenten, die gemeinsam in eine flache Schale gegossen werden.
Dann streicht er die grüne Flüssigkeit mit einem breiten, weichen Pinsel aufs gute Büttenpapier.
Eins, zwei , drei, ganz viele: Jedes Blatt erhält bei Malen einen individuellen Rand. Er sollte mit den Maßen des ausgedruckten Negativs ebenso korrespondieren wie mit dem Motiv.
Nach dem Trocknen wird das Negativ aufs Büttenblatt gelegt und mit UV-Licht belichtet. Man kann beides auch der Sonne aussetzen, wenn das Wetter es zulässt. Wichtig ist, dass die Blätter plan aufeinander gepresst werden.
Nach dem Belichten kommt das Bild ins Stoppbad, das die unbelichteten Bereiche der Emusion auswäscht.
Nach dem Zwischenwässern wird das Ergebnis in einen Wasserbad mit etwas Wasserstoffperoxyd haltbar gemacht.
Zum Trocknen geht es ab auf die Leine.
Aber was ist das? Die nächste Bilder haben ja ganz andere Farben?
Das geht natürlich auch mit unserem Bild, wenn man es noch ein wenig weiterbearbeitet.

Wie das geht und was man bei dem gezeigten Verfahren im Detail beachten muss, erfahren Sie in DOCMA 51 in unserem Projektworkshop ab Seite 100.