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GraphicConverter: Kacheln

Neben diversen symmetrischen Musterfüllungen bietet GraphicConverter eine wichtige und oft ­vermisste Funktion: Perspektivisches Bedecken einer Ebene per Kachelung.

GraphicConverter ist für Mac-Anwender eine hervorragende Ergänzung zu Photoshop. In den beiden letzten Folgen hatten wir eher technische Highlights vorgestellt wie Stapelverarbeitung und den Umgang mit Bilddaten. Diesmal schauen wir uns einige der Filter näher an. Ein KPT-Plug-in bot früher ein Modul zur Füllung von Flächen mit perspektivischer Kachelung an. Wenn man damit einmal gearbeitet hat, vermisst man es recht häufig, denn in Photohop ist so etwas nur mit viel Aufwand und Handarbeit umzusetzen. Auch die Symmetrie-Kachelungen bieten hilfreiche Unterstützung in der täglichen Bildbearbeitungspraxis.
Perspektivisch kacheln
Unter »Filter > Core Image Filter > Kacheleffekt > Per­spektivisch kacheln« wird das zugrundeliegende Bild als Element vervielfältigt, das repetitiv die Vorschaufläche perspektivisch verkürzt ausfüllt. Die konkrete Ausprägung der Perspektive steuern Sie durch Positionierung von vier Anfassern (hier links rot markiert). Mit Hilfe der Einstellungen [1, rechts unten] ist zwar auch eine numerische Eingabe möglich – praktisch nehmen Sie hier jedoch eher Feinkorrekturen vor oder merken sich die Werte, um sie identisch auf ein anderes Bild anzuwenden. Wie die Abbildung zeigt, lassen sich natürlich auch Wände oder Decken entsprechend gestalten.
Perspektive-Regeln beachten
Wenn Sie sich nach kurzer Übung mit der Handhabung der vier Kontrollpunkte vertraut gemacht haben, werden Ihnen schnell passende Kachelungen gelingen. Voraussetzung dazu ist selbstverständlich ein Ausgangsbild, das allseitig bruchlos an seine vervielfältigten Nachbarn anschließt. (Wie das geht, erfahren Sie in DOCMA 32 auf Seite 65.) Da Sie die so generierte Fläche in der Regel in eine Montage integrieren wollen, achten Sie auf entsprechende Übereinstimmung. Das bedeutet auch, dass Sie optisch unsinnige Verzerrungen vermeiden sollten. Das Ergebnis links ist falsch und kaum brauchbar, das rechts davon hingegen entspricht den Regeln perspektivischer Projektion.
Affin kacheln
Ein anderer GraphicConverter-Filter trägt den Namen »Affin kacheln«. Bei jedem der »Kachel­effekte« – mit Ausnahme von »Perspektivisch ­kacheln« – finden Sie in der Mitte des Vorschaufensters einen Knopf, den Sie frei verschieben ­können. Damit wählen Sie die Stelle des Ausgangsbildes, die der Musterfüllung zugrundeliegen soll. Zwar entspricht »Affin kacheln« näherungsweise Photoshops »Ebenenstil > Musterüberlagerung«, hat diesem gegenüber aber den wichtigen Vorzug, dass sich das Muster auch drehen lässt. Hinzu kommen zwei weitere Regler für »Strecken« und »Verzerren«.
Kaleidoskop-Filter
Die meisten der GraphicConverter-Kachelungs­filter basieren auf Symmetriefunktionen. Eine zen­trierte Symmetrie erlaubt »Kaleidoskop«. Auch hier wählen Sie zunächst mit dem Knopf in der Vorschau den Bildursprung, dann bestimmen Sie mit den beiden Reglern die Werte für »Anzahl« und »Winkel«. Dem Muster links wurde »Anzahl: 4« zugewiesen; bei einem sehr hohen Wert [4, rechts] entstehen konzentrische Gebilde. Legen Sie einen wiedererkennbaren Bildausschnitt wie ein Auge zugrunde, erzielen Sie schnell verblüffende Resultate. »Kaleidoskop« liefert übrigens brauchbare Basis­muster für »Perspektivisch kacheln«.
Symmetrie-Kachelungen
Schauen wir uns noch einige weitere Beispiele da­für an, was sich mit den »Kacheleffekten« machen lässt. Abbildung [5] zeigt neun Muster, die alle auf das eingeblendete Auge zurückgehen. Von links nach rechts und oben nach unten sind das: »8-fach reflektierte Kachel«, »4-fach reflektiert«, »4-fach gedreht«, »4-fach übersetzt«, »Gleitend reflektiert«, »Parallelogramme«, »6-fach reflektiert«, »Dreieckig kacheln« sowie »12-fach reflektierte Kachel«. Wie bei einem realen Kaleidoskop hängt das Ergebnis davon ab, welches gespiegelte Objekt sich im Zen­trum befindet, aber auch davon, wieviele Spiegel­achsen es gibt. Hier haben Sie zusätzlich die Wahl, die Größe des Ausschnitts festzulegen sowie einen Drehwinkel vorzugeben; in manchen Fällen kommen weitere Parameter wie etwa »Spitzer Winkel« hinzu. Je nach Vorgabebild, Zentrum und Kachelungsgröße generieren Sie auf diesem Wege entweder abstrakte Muster oder solche, die sich aus wiedererkennbaren Elementen zusammensetzen. Das ist für Oberflächen in Photoshop-Montagen hilfreich, kann aber zum Beispiel auch dazu dienen, Texturen für 3D-Objekte vorzubereiten. Anders als beim »Perspektivischen Kacheln« ergeben sich Anschluss und Übergang der Elemente hier meist durch die Symmetriefunktion und bedürfen keiner speziellen Vorbereitung als repetitives Muster. Für eine exakte Wiederholung sollten Sie sich die Parameter aufschreiben. Einzelne Kacheln lassen sich für Photoshops Musterfüllung fixieren.
Diesen und weitere Artikel, Tipps, Tricks und Workshops finden Sie im DOCMA-Heft Nr 47 (4-2012). Mehr Infos zum Heft gibt es hier. Wer keine Lust hat zum Kiosk zu gehen, kann sich diese Ausgabe (und ältere) bequem bei uns im Webshop bestellen.

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Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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