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Nik Collection 2 by DxO

Olafs Meinung

Die gute Nachricht ist dieselbe gute Nachricht wie nach der Übernahme des zweifellos tollen Filterpakets „Nik Collection“ durch DxO: Die Filter gibt es noch und sie werden auch weiterentwickelt. Ich habe mir das Update auf Version 2 gekauft und möchte die doch etwas irreführende Nik Collection-Werbung von DxO mal etwas entwirren und Euch helfen zu entscheiden, ob sich das Update für Euch lohnt.

Nik Collection 2 by DxO
Das Update 2.0 verspricht vier große Neuerungen für die DxO Nik Collection. Abbildung: DxO

Nik Collection 2 – Die Neuerungen laut Hersteller-Seite

  • Es gibt 42 neue Presets:
    • 10 für Color Efex Pro,
    • 10 für Silver Efex Pro,
    • 10 für Analog Efex Pro,
    • 12 für HDR Efex Pro,
  • Anwenden von lokalen U-Point-Korrekturen auf Raw-Dateien
  • Unterstützung für High-DPI-Anzeigen,
  • erweiterte optische Korrekturen zur Reduktion von Unschärfe, Vignettierung, chromatischer Aberration und Verzeichnung.

Kompatibilität: Funktioniert mit Adobe Photoshop, Lightroom und DxO PhotoLab 2 ESSENTIAL Edition, unserem neuen eigenständigen Host Launcher für die Nik Collection 2.

Nik Collection 2 – Neuerungen im Klartext und meine Meinung dazu

Gibt es neue Filter?

Nein, alle Filter sind exakt dieselben wie in der Nik Software von Google beziehungsweise nach der Übernahme und Code-Optimierung durch DxO.

Was ist mit „Presets“ gemeint?

In den meisten Filtern sind das die »Voreinstellungen«, also die Kombinationen der verschiedenen Regler. In Color Efex Pro werden diese Voreinstellungen als »Zusammenstellungen« bezeichnet, da hier die verschiedenen Filter-Module des Plug-ins mit ihren individuellen Einstellungen kombiniert, also zusammengestellt, werden können. In Analog Efex Pro läuft das Ganze unter der Bezeichnung »Kameras«. In allen Plug-ins findet Ihr die neuen Presets unter dem Namen „En vogue“. Man erhält zwar nichts, das man mit den vorhandenen Nik-Reglern und gutem Auge auch selbst hinbekäme, aber wie das mit Presets (auch für Lightroom beispielsweise so ist: DAS muss man erst mal können). Und die Presets sind zugegeben doch ganz nett bis schick bis „interessant“ geraten.

Nik Collection 2 by DxO
“Neue Presets” meint in allen Filtern eine neue Kombination bereits vorhandener Filter-Elemente, in Color Efex sogenannte “Zusammenstellungen”. Erwarten Sie keine neuartigen Filter.

Kann man jetzt tatsächlich die U-Points der Nik Collection auf Raw-Dateien anwenden?

Nein, das wäre zwar schön, ist aber technisch nicht möglich (wohlgemerkt: die U-Points der Nik Collection!). DxO hält zwar das Werbeversprechen, aber es ist dennoch eine Mogelpackung. Denn clevererweise haben sie den zuvor schon kostenlos angebotenen Raw-Entwickler DxO PhotoLab 2 nun mal eben zu einem Teil beziehungsweise zum „Host Launcher“ der Nik Collection erklärt:

  1. Tatsache ist, dass PhotoLab tatsächlich ein eigenes U-Point-System für einfache Korrekturen enthält, das Ihr auf Raw-Dateien anwenden könnt, wobei die Änderungen ausschließlich als Metadaten gespeichert werden. Das ist zwar toll, aber nicht dasselbe wie zu sagen, die Nik Collection ließe sich per U-Point auf Raw-Dateien anwenden.
  2. Und ja, man kann die Nik Collection aus PhotoLabs heraus auf ein selektiertes Bild anwenden. ABER: Dafür wird wie eh und je ein JPEG oder TIFF gerendert, auf das dann wiederum die Nik Filter angewendet werden. Falls Ihr Eure Bilder mit Lightroom nicht nur verwalten, sondern auch entwickeln wollt, könnt Ihr die Bilder auch gleich von dort an die einzelnen Plug-ins schicken.
  3. Falls Ihr Eure Fotos mit Lightroom nur verwalten, aber mit DxO entwickeln wollt (»Datei > Zusatzmoduloptionen > Übergeben an PhotoLabs 2«), müsst Ihr die in DxO generierte JPEG- oder TIFF-Datei auch wieder in Lightroom importieren, um dort die Änderungen sehen zu können. Den „Workflow“ erläutert DxO hier: DxO PhotoLab- und Adobe Lightroom-Workflow – DxO

Was bleibt letztlich als Funktion? Naja, Ihr könnt schlicht die Raw-Datei aus Lightroom an PhotoLab übergeben und dort mit U-Points arbeiten. Aber zum Anwenden der Nik Collection müsst Ihr erst auch wieder eine gerasterte Datei rendern. Na ja.

Nik Collection 2 by DxO
DxO PhotoLab bietet zwar U-Points für Die Raw-Optimierung – diese bieten aber wiederum nicht all die Möglichkeiten, die die Nik Collection Filter enthalten. Aber genau das würde man angesichts der Werbeversprechungen doch erwarten.

High-DPI-Display-Support?

Für Mac-User mit einem Retina-Display (alle neueren Macbooks und iMacs) und Mac-/Windows-User mit einem externen hochauflösenden (zum Beispiel 4K-)-Display, sieht die optimierte Filter-Oberfläche nun nicht mehr so pixelig aus. Okaaaaay, nett.

Wo findet man die „erweiterten optischen Korrekturen“?

Nun ja, nicht in der Nik Collection. Denn das sind Funktionen, die durch die „Integration“ von PhotoLab 2 zur Verfügung gestellt werden – also durch einen zusätzlichen Raw-Konverter, aber nicht als Filter der Nik Collection, die Ihr aus Photoshop heraus aufrufen könnt. Schlecht ist der Raw-Konverter beileibe nicht. Aber er ist eben auch kein wirklicher Teil der Nik Collection. Wie ich oben sagte: Irgendwie schmeckt das Ganze nach Mogelpackung, obwohl die Funktionalität ja dann doch irgendwie, irgendwo, irgendwann … 😉 vorhanden ist.

Die „erweiterten optischen Korrekturen“ sind kein neuer Bestandteil der Nik Collection, sondern „nur“ der bekannte, bisher schon kostenlose DxO-Raw-Konverter PhotoLabs. Foto: Olaf Giermann

Nik Collection 2 – Für wen lohnt sich das Update?

Mein Fazit zur Version 2 der DxO-Nik Collection fällt ähnlich aus, wie das zu Version 1 (mehr dazu hier). Und es ist wie bei jeder Software, die man nicht mieten muss: Es geht immer nur darum, was man braucht oder aber vermisst:

  1. Fehlt Euch in der Google-Version (falls Ihr das olle Ding noch haben solltet) nichts und das Ganze läuft bei Euch stabil, dann braucht Ihr das Update auf die DxO-Nik Collection (Version 1) nicht.
  2. Die DxO-Nik Collection (Version 1) läuft auf meinen Macs deutlich performanter und vor allem stabiler als die alte Google-Version. Falls Ihr als Anwender externer Software (Photoshop, Lightroom, Affinity Photo …) damit zufrieden seid, braucht Ihr das Update auf Version 2 der DxO-Nik Collection nicht.
  3. Der größte Unterschied beim aktuellen Update besteht für mich darin, dass seine grafische Oberfläche nun auch auf hochauflösenden Monitoren nicht mehr verpixelt aussieht. Falls Euch das wichtig ist und Ihr zudem auch 42 vorgefertigte, neue Bildrezepte ausprobieren möchtet, dann entscheidet selbst, ob Euch das den Upgrade-Preis von circa 50 Euro (der gilt bis 30.6.2019) wert ist.
  4. Interessant ist das ganze Update und die aktuelle Collection vielleicht vor allem für Neukunden, die keinen sehr guten oder batchfähigen Raw-Konverter (wie zum Beispiel Affinity Photo-Nutzer) haben oder denen auch Photoshop oder Lightroom noch nicht als Host-Software für die Nik-Collection zur Verfügung steht. Diese können die Software-Lücke vielleicht mit PhotoLabs 2 füllen, das U-Points als Bedienelemente besitzt und bei dem die Integration der Nik Collection nun etwas verbessert wurde (man hat einen Knopf, um die Plug-ins zu öffnen, die Raw-Datei wird automatisch in TIFF o.Ä. konvertiert) und das man bei Bedarf für circa 100 € auf die Elite-Vollversion aufbohren kann.

Mein ganz persönliches Fazit: Ich nutze Lightroom beziehungsweise Capture One und Photoshop, brauche DxO PhotoLab also weder als Raw-Konverter noch als Host-App für die Nik Collection. Ich brauche auch die neuen Presets eher nicht, da ich meine eigenen baue – lasse mich davon aber gern vielleicht mal inspirieren. Für mich besteht das Update also hauptsächlich aus einer Optimierung der Filteroberfläche für das Retina-Display meines Macbook Pro – am Desktop nutze ich währenddessen noch keine High-DPI/Retina-Displays, sondern „nur“ mein Cintiq 27QHD plus einen herkömmlichen CG24-Zoll-Eizo. Ich habe jetzt also im Wesentlichen 50 Euro dafür bezahlt, dass die Nik Collection auf meinem Notebook, also unterwegs, etwas hübscher aussieht. Nun ja, was man mit dem Fuffi sonst noch so alles hätte anstellen oder kaufen können (außer ihn, wie in den üblichen Rapper-Phantasien mit vielen weiteren Fuffis angeberisch in einem Club herumzuwerfen *lach*), muss ich Euch nicht erzählen. Oder? 😉

Sehr empfehlenswert sind die Plug-ins dennoch für eine Reihe von Bildeffekten und für schnelle Optimierungen – auch wenn ich zugeben muss, dass ich seit der Einführung des Camera Raw-Filters in Photoshop CC kaum noch auf externe Plug-ins zurückgreife. Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Blogeintrag, falls dies jemand von Euch interessieren sollte.

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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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2 Kommentare

  1. Eine wirklich profunde, differenzierte Beurteilung der neuen Version. Auch ich habe grösste Vorbehalte zum neuen Update (oder ist es ein Upgrade??) und zur Produktpflege im Allgemeinen. Mein Verdacht: DxO beabsichtigt, die Nik Collection als eigenständiges Plug-in in sein PhotoLab zu integrieren und nicht mehr weiter zu pflegen. Was jetzt für € 60 angeblich als Verbesserungen angeboten wird, ist jenseits von Gut und Böse.
    Ich teile Olaf Giermanns Meinung, dass mit der Weiterentwicklung von Photoshop (z.B. Camera Raw-Filter) separate, externe Plug-ins obsolet geworden sind oder noch werden. In diesem Sinn interessiert mich Olaf Giermanns Angebot sehr, über diese Thematik einen eigenen Blogbeitrag zu verfassen. Oder allgemein gefragt: Welche Plug-ins machen für die Arbeit mit Lightroom und Photoshop heutzutage tatsächlich noch Sinn – vor allem für Leute wie mich, die keine ‘verrückten’, verfremdenden Filter auf ihre Fotos anwenden wollen?

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