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Datenrettung: Oh Schreck, wo sind meine Bilder?

Gerade hat man einige meisterliche Fotos geschossen, hat sie den Models und dem Kunden noch auf dem Kameradisplay gezeigt, und dann sind sie plötzlich weg: 0 Dateien zeigt der Computer an! Während einem der kalte Schweiß ausbricht, fragt man sich, was nun noch zu retten ist. Meist eine ganze Menge, glücklicherweise. Wie gelingt eine Datenrettung?

Die Flash- oder EEPROM-Technologie, auf der praktisch alle Speicherkarten basieren, ist glücklicherweise sehr robust. Sie speichert Daten in Form elektrischer Ladungen, die zwischen isolierenden Schichten ohne Stromzufuhr erhalten bleiben – jahrelang. Aber wenn die Speicherkarten auch lange lesbar bleiben, ist die Zahl der Schreibzyklen beschränkt. Wenn eine Karte lange Zeit intensiv genutzt wird, kann es deshalb irgendwann zu Schreib- oder Lesefehlern kommen. Um die Lebensdauer zu verlängern, setzen die Hersteller auf das sogenannte wear levelling: Die Speicherzellen werden möglichst gleichmäßig genutzt und neue Dateien auf einer leeren Karte nicht immer wieder in den ersten Blöcken gespeichert.

Allerdings kann man auch einmal an eine Karte mit einem Fabrikationsdefekt geraten, der sich erst zeigt, wenn der betroffene Block daran ist, beschrieben zu werden. Zudem sind gefälschte Karten im Umlauf, deren Innenleben trotz des missbräuchlich genutzten Markennamens von geringer Qualität ist – selbst wenn die Karten zuverlässig funktionieren und die versprochene Kapazität haben, erreichen sie nicht die spezifizierte Geschwindigkeit.

Datenrettung: Oh Schreck, wo sind meine Bilder?
Bei einem Datenrettungsversuch werden vermeintlich verlorene Bilder meist wiedergefunden, manchmal aber auch uralte Aufnahmen.

Woran auch immer es liegt – es kann passieren, dass sich nach einem Foto-Shoot die Bilder auf einer Karte nicht lesen lassen oder der Computer sogar eine scheinbar leere Karte anzeigt. Und zwar selbst dann, wenn man sich die Bilder im Wiedergabemodus der Kamera angeschaut hat, diese also tatsächlich auf die Karte geschrieben worden sind.

Glücklicherweise sind die Aufnahmen dann selten verloren, sondern lassen sich mit einem Datenrettungsprogramm wiederherstellen. Auf meinen Macs verwende ich seit vielen Jahren PhotoRescue, aber es es gibt diverse Anwendungen für diesen Zweck. Wenn Sie keine derartige App besitzen, können Sie meist eine Demoversion herunterladen und damit ihr Glück versuchen – nur wenn die Datenrettung Erfolg verspricht, schalten Sie mit dem Kauf die Wiederherstellung frei.

Manchmal akzeptiert der Computer eine beschädigte Karte nicht und bietet nur an, sie zu formatieren. Tun sie das aber nicht – jedenfalls nicht mit dem Computer. Stecken Sie die Karte stattdessen wieder in die Kamera und formatieren sie mit dem entsprechenden Menübefehl. Damit ist sichergestellt, dass sie wieder das richtige Dateisystem bekommt. Die Formatierung setzt lediglich den Katalog der Dateien zurück, überschreibt die Dateien selbst aber nicht, so dass sie sich immer noch wiederherstellen lassen. Im ungünstigsten Fall verlieren Sie durch die Formatierung die ursprünglichen Dateinamen und müssen nach erfolgreicher Datenrettung noch die richtigen Dateiendungen eintragen. Ob es sich um ein JPEG oder eine Raw-Datei handelt, lässt sich ja durchweg an der Dateigröße erkennen.

Datenrettung: Oh Schreck, wo sind meine Bilder?
Datenrettung: Anwendungen wie PhotoRescue lassen sich über diverse Optionen konfigurieren, aber in der Regel führen schon die Standardeinstellungen zum Ziel.

Oft wird die Datenrettungssoftware nicht nur die gerade verlorenen Bilder finden, sondern auch noch ältere, manchmal Jahre alte Aufnahmen. Aufgrund des wear levelling kann es ziemlich lange dauern, bis eine Datei überschrieben wird – es sei denn, Sie schreiben Ihre Karten regelmäßig voll, bevor Sie sie auslesen. Vor vielen Jahren, als ich noch als Redakteur für Victor by Hasselblad arbeitete, war ich mal bei der Produktion eines Aufmacherfotos dabei. Plötzlich traten Probleme mit einigen Karten auf, und ich machte mich daran, die Bilder zu retten. Bei einer Karte hatte ein Assistent alle Bilder in den Papierkorb gezogen, und ich musste sie bloß wieder herausholen. Bei einer anderen Karte war aber tatsächlich das Dateisystem beschädigt und erforderte eine Wiederherstellung. Dabei tauchten ganz unerwartete Bilder auf – recht kunstlos aufgenommene, pornografische Szenen aus dem SM-Bereich. Seltsamerweise konnte sich keiner der Beteiligten erinnern, so etwas jemals fotografiert zu haben, und ich habe die Bilder dann gelöscht …

Wie gesagt: In der großen Mehrzahl der Fälle sind vermeintlich verlorene Bilder noch zu retten. Manchmal aber versagt auch eine darauf spezialisierte Software, und einen solchen Fall hatten wir vor Jahren mal bei einem Faces-of-Festival-Shoot in Zingst. Christoph Künne steckte eine neue CompactFlash-Karte in die Hasselblad, machte noch zwei Probeaufnahmen von mir und begann mit der eigentlichen Fotosession. Die Bilder wurden gespeichert und von den Porträtierten begutachtet, aber am Ende waren sie für den Computer nicht mehr vorhanden. Alle Versuche, sie mit PhotoRescue wiederherzustellen, führten zu keinem Ergebnis. Mit zwei Ausnahmen: Die Probefotos von mir waren drauf, aber natürlich völlig nutzlos. Wir haben nie herausgefunden, was da schiefgelaufen war.

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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