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Braucht man ein USB-Mikroskop?

92-usb-mikrosop: Braucht man ein USB-Mikroskop?

USB-Mikroskop / Foto: Doc Baumann

Gelegentlich benötigt man für Montagen gewisse Strukturen, die sich am besten durch extreme Vergrößerung kleiner Objekte beschaffen lassen – weit jenseits dessen, was Makro-Objektive leisten. Doc Baumann hat nun für diesen Zweck ein günstiges USB-Mikroskop bestellt und es getestet. Das Ergebnis: Es gibt gegenüber einem Scanner viele Nachteile, aber auch einige Vorzüge.

Das kleine Stück Metallgewebe, das ich beim Aufräumen in meiner Werkstatt gefunden hatte, sah interessant aus. Wenn man das richtig groß fotografieren könnte, würde es wahrscheinlich eine bemerkenswerte Struktur für eine Bildmontage abgeben. Wobei „richtig groß“ bedeutet: weit jenseits dessen, was ein Makro-Objektiv leisten würde.

Da ich schon häufiger an den Kauf eines günstigen USB-Mikroskops gedacht hatte, war das der passende Anlass und ich bestellte kurzentschlossen eines bei einem Onlinehändler (offenbar baugleiche Exemplare werden unter verschiedenen Markenbezeichnungen und Preisen angeboten; meines kostete 59 Euro).

Auspacken, aufbauen, Software installieren, ausprobieren. Wie üblich war das Manual auf der CD unbrauchbar. Obwohl das Bild im Vorschaufenster gut aussah, war das aufgenommene Foto völlig überbelichtet. Eine Beschreibung dafür suchte ich vergeblich. Zufällig entdeckte ich schließlich einen in die Schnur interagierten Dimmer der LEDs, die das zu vergrößernde Objekt beleuchten. Mit niedrigerer Intensität klappte es dann recht gut.

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Für die Ausgabe lassen sich in der Software MicroCapture Pro verschiedene Dateigrößen vorgeben.

Die Schärfe lässt sich auf dreierlei Weise einstellen: Grob über die Höhe des Mikroskops über dem Objekthalter, feiner über ein Rad, auf dem allerdings verwirrenderweise „Lock“ in die eine und „Unlock“ in die andere Richtung steht. Drittes über ein Rad im Mikroskopkörper selbst. Selbstverständlich lässt sich bei einem Preis von knapp 60 Euro kein Präzisionsinstrument erwarten. Aber es war sehr mühsam, mit diesen Einstellungen tatsächlich den exakten Schärfepunkt festzulegen – mal lag er knapp über, mal unter dem Optimum.

Irgendwann fiel mein Blick zufällig auf meinen Scanner. Ob das damit nicht mindestens ebenso gut funktionieren würde? Meine Scanner-Drucker-Kopierer-Kombination für den Alltagsgebrauch erwies sich als enttäuschend: Zwar sind damit theoretisch Scans bis 4800 ppi möglich – da es jedoch keinen Pre-Scan gibt und damit die komplette Fläche mit dieser Auflösung digitalisiert werden muss, ergibt das eine Datenmenge, angesichts derer das Ding streikte und gar kein Bild anzeigte.

Zum Glück habe ich für hochwertigere Scans noch ein weiteres Gerät, das ich mit der Software SilverFast betreibe. Hier geht die Auflösung bis 9600 ppi, und dank Pre-Scan und anschließender Festlegung eines Rahmens, dessen Inhalt digitalisiert wird, klappte es mit dieser Kombination bestens.

 

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Vergrößerung eines Kupferstich-Ausschnitts; links mit CanoScan 8800F und SilverFast 8, rechts mit USB-Mikroskop

 

92-muenzen: Braucht man ein USB-Mikroskop?

Vergrößerung einer Euro-Münze, links mit Scanner, rechts mit USB-Mikroskop. Der Scan ist detailreicher, beim Mikroskop stören auch die Reflexe der LED-Beleuchtung. Bei stärkerer Tiefenerstreckung spielt der Scanner noch mit – beim Mikroskop rutschen Bereiche in die Unschärfe.

 

Das Ergebnis ließ keine Wünsche offen – und das USB-Mikroskop machte sich auf den Retourenweg zum Händler.

Braucht man ein USB-Mikroskop?

Ist ein USB-Mikroskop also überflüssig? Wobei ich hier ausdrücklich von preisgünstigen Geräten für den Alltagsgebrauch rede, nicht von hochwertigen Exemplaren mit entsprechendem Preis. Ein pauschales Urteil gegen eine Anschaffung kann man nicht treffen – es kommt darauf an, was man damit machen will. Lassen Sie mich die Vor- und Nachteile gegenüber einem Scanner (wie gesagt: mit Pre-Scan und Rahmendefinition) kurz auflisten:


Vorzüge des USB-Mikroskops gegenüber einem Scanner:

  • Nach dem Kalibrieren ermöglicht die Software Anstandsmessungen in einem entsprechenden Fenster. Das ist beim Scannen mit Umwegen auch möglich, aber nicht so einfach.
  • Es lassen sich auch Objekte (etwa Flüssigkeiten) aufnehmen, die nur in Aufsicht zu betrachten sind.
  • Der Weg bis zum fertigen Bild ist schneller als beim Scannen (wenn das Scharfstellen endlich gelungen ist).
  • Es lassen sich Videos herstellen.
  • Das Gerät ist theoretisch auch ohne Haltung zu betreiben, die Beleuchtung ist ja integriert. Man könnte sich also zum Beispiel die eigene Nasenspitze vergrößert anschauen – aber wegen der sehr engen Schärfentiefezone ist das praktisch nicht realisierbar.
  • Bei Abschalten oder Reduzieren der integrierten LEDs und Verwendung einer externen Lichtquelle ist auch eine seitliche Beleuchtung von Objekten und Oberflächen realisierbar.

Nachteile des USB-Mikroskops gegenüber einem Scanner:

  • Die Scharfeinstellung ist sehr mühsam und ungenau.
  • Es bietet – auch gegenüber dem Scanner – eine sehr enge Schärfentiefenzone.
  • Bei starker Vergrößerung sind im aufgenommenen Foto Artefakte zu erkennen.
  • Die LEDs führen bei glänzenden Oberflächen zu störenden Reflexen.
  • Der Aufnahmebereich ist sehr klein.

Sie sehen also, ein pauschales Urteil ist nicht möglich. Für meine Zwecke ist der Scanner mit guter Software für starke Vergrößerungen besser geeignet – für andere Anwendungsbereiche und Ansprüche mag es anders sein.

92-massstab-scan-32: Braucht man ein USB-Mikroskop?

Auch mit dem Scanner lassen sich erhebliche Vergrößerungen erzielen; beim Druck mit 300 ppi entspräche der Abstand von einem Zentimeter 32 Zentimetern.

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  1. jwfoto

    Ich würde mir mal überlegen ein Ständer zu kaufen für die Kamera und ein guten Miroskoplinse und diese per Adapeter an die Kamera anschließen und so dies Stukturaufnahmen zu machen. Eine Kamera ist immer der beste Sanner.Der artige Linsen gibt es geügend im Netz gebraucht zu kaufen.

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