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Hilfe, meine Kamera hat Sonnenbrand!

Der Sommer geht langsam seinem Ende zu und die Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor wird kaum noch gebraucht. Aber nicht nur Ihre Haut, auch Ihre Kamera kann durch direktes Sonnenlicht Schaden nehmen – warten Sie besser nicht, bis Rauch aus Objektiv oder Gehäuse aufsteigt!

Der US-amerikanische Objektiv-Vermieter Lens Rentals musste jüngst die Erfahrung machen, dass die vermieteten Linsen nicht immer mit der nötigen Vorsicht eingesetzt werden. Nach der in Teilen der USA sichtbaren totalen Sonnenfinsternis am 21. August gestanden manche Kunden bei der Rückgabe kleinlaut, dass die Blendenlamellen und andere empfindliche Teile der anvertrauten Objektive in Rauch aufgegangen waren. Von den verwendeten Kameras ganz zu schweigen.

Hilfe, meine Kamera hat Sonnenbrand!
Kokeln mit dem Brennglas, aber zu wissenschaftlichen Zwecken: Ein Heliograph zeichnet die Sonnenstunden eines Tages auf, indem eine kugelförmige Linse einen Papierstreifen mit einer Stundenskala verbrennt, so lange die Sonne scheint. (Bildquelle: CambridgeBayWeather)

Auf den ersten Blick verwundert es, dass solche Schäden anlässlich einer Sonnenfinsternis gehäuft auftreten. Wenn die Sonne verfinstert ist, können ihre Strahlen schließlich nicht schaden. Das Problem ist, dass ein Ereignis wie eine Sonnenfinsternis dazu verführt, nicht nur direkt in die Sonne zu schauen, sondern auch Kameras auf die Sonne zu richten, und zwar schon vor und nach Ende der totalen Verfinsterung. Normalerweise hat man dazu wenig Veranlassung. (Von Galileo Galilei wird allerdings berichtet, dass er die Sonne oft durch sein selbstgebautes Teleskop beobachtet hatte. Er ist dann auch bald erblindet.)

Hilfe, meine Kamera hat Sonnenbrand!
Die Venus als dunkler Punkt vor der Sonne (2004)
Hilfe, meine Kamera hat Sonnenbrand!
Eine partielle Sonnenfinsternis (2008)

Ein sicherer Schutz wird durch verspiegelte Folien gewährleistet, aus denen sowohl preisgünstige Brillen für die Sonnenbeobachtung als auch die weit teureren, aber auch stabiler konstruierten Sonnenfilter für Teleskope und Objektive hergestellt werden. Ich hatte mir einst ein solches Filter für mein Spiegelteleskop vom Maksutov-Cassegrain-Typ gekauft, um die totale Sonnenfinsternis von 1999 zu beobachten. Der Kauf erwies sich zunächst als nutzlos, denn über Stuttgart, von wo ich mir eine gute Sicht erhofft hatte, lag in den entscheidenden Minuten eine dichte Wolkendecke. Später hatte sich das Filter dann aber doch noch bewährt, weil ich damit Ereignisse wie den Durchgang der inneren Planeten Venus und Merkur vor der Sonne fotografieren konnte, und immerhin noch eine partielle Sonnenfinsternis. Dazu hatte ich das Filter einfach vor die verwendeten Objektive gehalten, meist ein simples 500-mm-Objektiv von Beroflex, die sogenannte „Wundertüte“. Obwohl das Filter nur einen winzig kleinen Teil des Lichts durchlässt, waren damit sogar noch Aufnahmen aus der Hand möglich. Der Kauf eines solchen Filters ist auch nützlich, wenn Sie die Sonnenaktivität verfolgen wollen, also die Zahl und Größe der Sonnenflecken, die über die Sonnenoberfläche wandern.

Was aber kann passieren, wenn Objektiv und Kamera nicht auf diese Weise geschützt sind? Wenn das Objektiv auf Unendlich fokussiert ist, entsteht in der Sensorebene ein kleines Bild der Sonne – um so kleiner und daher um so konzentrierter, je kürzer die Brennweite ist. Das Objektiv – und zwar Weitwinkel- mehr als Teleobjektive – wirkt wie ein Brennglas. Bei DSLRs ist der Sensor selbst zunächst durch den Spiegel geschützt, der das Licht zur Suchermattscheibe und über einen Sekundärspiegel zum AF-Sensor umleitet. Der Blick durch den Sucher ist daher wenig empfehlenswert, wenn Sie die Sonne zu fotografieren versuchen, aber nicht nur Ihre Augen – auch der AF-Sensor ist gefährdet. Die Belichtung selbst, für die der Spiegel hochklappt, bleibt dagegen kurz und ist meist ungefährlich.

Anders sieht es im Live-View-Modus einer DSLR aus, oder bei einer spiegellosen Systemkamera, die sich ja prinzipbedingt stets im Live-View-Modus befindet. Der Sensor ist dem Sonnenlicht schutzlos ausgesetzt, das im ungünstigsten Fall ein Loch hinein brennt. Unabhängig vom Kameratyp kann das Sonnenlicht aber schon im Objektiv Schaden anrichten, wenn etwa die dünnen Blendenlamellen schmelzen.

Manche Fotografen setzen statt eines dedizierten Sonnenschutzfilters einen oder mehrere ND-Filter ein. Das ist schon deshalb keine gute Idee, weil ND-Filter zwar das sichtbare Licht, aber nicht unbedingt auch IR- und UV-Licht reduzieren. Im Gegensatz zu den reflektierenden Sonnenschutzfiltern absorbieren ND-Filter das Licht, und „Absorption“ bedeutet, dass Licht in Wärme umgewandelt wird. Das ist noch relativ harmlos, wenn ein Filter vorne auf das Objektiv geschraubt wird, und erst recht, wenn man statt eines besonders starken Filters mehrere schwächere Filter kombiniert. Filter, die in die Filterschublade eines Teleobjektivs eingeschoben werden, können sich dabei jedoch überhitzen; zudem lassen sie die Blende ungeschützt. Direkt vor dem Sensor eingeschwenkte ND-Filter sind am stärksten gefährdet, denn die Sonne brennt einfach ein Loch hinein – und danach in den Sensor.

Allerdings droht die Gefahr nicht bei jeder Gegenlichtaufnahme. Wenn die Sonne am Morgen oder Abend niedrig steht, wird ihr Licht stärker gestreut, und das Foto eines Sonnenauf- oder -untergangs ist gänzlich unproblematisch. Auf der anderen Seite können die parallelen Strahlen eines stärkeren Lasers einen Sensor zerstören, auch wenn sie nur kurz in das Objektiv leuchten. Lassen Sie es nicht darauf ankommen, ob Ihr Objektiv als Brennglas wirkt – wenn Rauch aufsteigt und es streng zu riechen beginnt, ist es bereits zu spät.

Michael J. Hußmann
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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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