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Menschen verschlanken mit PortraitPro Body

Digitale Gewichtsreduzierung

Menschen verschlanken mit PortraitPro Body
Digitale Gewichtsreduzierung am Beispiel von Rubens’ Venus in einem Gemälde der Kasseler Kunstsammlung mhk

Photoshop bringt etliche hilfreiche Verzerrungswerkzeuge mit: Verflüssigen, Verformen oder das Formgitter. Haben Sie es mit Bildern von Personen zu tun, kommen vor allem Anwender mit weniger Erfahrung mit einer spezialisierten Software wie PortraitPro Body für die digitale Gewichtsreduzierung weitaus schneller und komfortabler zum Ziel. Aber auch Profis können sich damit die Arbeit erleichtern. Ein Testbericht von Doc Baumann.

Wenn ich in meiner Kinder- und Jugendzeit ehrfürchtig durch die Säle der Kasseler Gemäldegalerie wanderte, kam ich häufig auch an den riesigen Gemälden von Peter Paul Rubens vorbei, mit ihren nicht weniger riesigen Frauengestalten. Das war zwar hohe Kunst – aber mit den Models aus dem Playboy, den der eine oder andere aus meiner Klasse heimlich mit in die Schule brachte, konnten diese einen erschlagenden, blassen Fleischgebirge nicht mithalten.

Heute wäre es nicht weiter aufwendig, die gewichtigen Göttinnen dem aktuellen Schönheitsideal anzupassen. Mit Rubens’ Venus, Amor, Bacchus und Ceres habe ich für diesen Beitrag einmal eine digitale Gewichtsreduzierung der Venus versucht. Benötigt habe ich dafür etwas mehr als eine halbe Stunde. Fast alles erledigte ich dabei mit Hilfe von PortraitPro Body der Firma Anthropics; einige kleine Nachbearbeitungen und Retuschen ließen sich besser mit Photoshop vornehmen.

Menschen verschlanken mit PortraitPro Body
So sieht die – etwas gewichtigere – Venus in Rubens’ Originalgemälde aus

Hauptanwendungsbereich des Programms – das es sowohl als Stand-alone-Version wie als Plug-in gibt – ist allerdings nicht die zeitgenössische Aufbereitung klassischer Gemälde für den großformatigen Ausdruck auf Leinen, um sie dann ins Wohnzimmer zu hängen, sondern die mehr oder weniger behutsame Verschlankung (das technisch ohne weiteres mögliche Gegenteil dürfte seltener erwünscht sein) von Menschen, die sich im Studio ihres Fotografenmeisters ablichten lassen und der Nachwelt nicht das Bild hinterlassen wollen, das die seelenlose Kamera von ihnen aufnimmt, sondern jenes, das sie selbst von sich haben. Die dann weniger in Kilogramm als in Pixeln gemessene Abweichung zwischen beiden Werten lässt sich an fast allen Körperstellen mit PortraitPro Body gut umsetzen (für weibliche Brüste gibt es keine spezielle Option, da müssten Sie mit einem von Photoshops analogen Werkzeugen wie „Verflüssigen“ selbst Hand anlegen, was nicht im Trumpschen Sinne misszuverstehen ist). Für die Zwecke der Porträtfotografie gibt es vom selben Hersteller PortraitPro, das weit über die gesichtsspezifischen Möglichkeiten der Body-Software hinausgeht.


Digitale Gewichtsreduzierung: Die Vorgehensweise


In der phantastischen Literatur kennt man die geheimnisvollen Gestaltwandler. So etwas Ähnliches auf Softwarebasis ist PortraitPro Body, nur weniger unheimlich. Die neue Version 3 macht es den Anwendern besonders leicht. Nach dem Öffnen des Programms – oder dem Aufruf des Plug-ins – und Laden des Fotos müssen Sie lediglich auf die Nasenspitze klicken, um eine Person auszuwählen (auf die im Bild, nicht auf Ihre eigene) sowie das Geschlecht zuordnen. Danach werden Ihnen automatisch die wichtigsten Konturen im Vorschaufenster angezeigt, die Sie so akzeptieren oder nachjustieren können.

Menschen verschlanken mit PortraitPro Body
Zunächst ermittelt PortraitPro Body automatisch die Körperkonturen.

Haben Sie diesen Schritt bestätigt, zeigt Ihnen das Programm das Gesicht (Ellipse) sowie die Hauptachsen von Körper und Gliedmaßen an. Das Dreieck, das den Oberkörper definiert, hat seine Eckpunkte an den Schultern und auf dem Nabel.

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Nach der Bestätigung oder manuellen Nachjustierung werden die Hauptachsen des Körpers angezeigt.

Diese digitale Gewichtsreduzierung lässt sich, wie Sie unten sehen, nicht nur mit Rubens-Gemälden realisieren, sondern auch die Statue des Herkules Farnese (ebenfalls aus der Kasseler Kunstsammlung) kann auf diesem Wege vom Muskelgebirge auf etwas schmächtigere Proportionen reduziert werden.

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Das Original des Herkules Farnese steht im Nationalmuseum von Neapel. Die Statue in Kassel ist eine Replik. Links das Original, rechts die verschlankte Version (nach abschließender Retusche, siehe unten).

Hier sehen Sie eine weitere, sehr hilfreiche Funktion, die in Photoshop aufwendiges Maskieren voraussetzen würde: Die Software erkennt automatisch Überlappungen, bei denen ein Körperteil einen anderen verdeckt. Danach werden solche Zonen bei den folgenden Eingriffen entsprechend berücksichtigt – hier zum Beispiel weiten sich Verzerrungen des Torsos kaum auf den Unterarm aus und umgekehrt.

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PortraitPro Studio ermittelt eigenständig, wenn sich Körperteile überlappen, und schützt diese durch eine Maske. Eine Bearbeitung des Körpers wirkt sich so kaum auf den Unterarm aus und umgekehrt.

Trotz aller Automatisierung lässt die digitale Gewichtsreduzierung das Umfeld nicht unangetastet. Schließlich liegt die Figur nicht freigestellt auf einer separaten Ebene. (Das könnte man natürlich machen, allerdings ignoriert PortraitPro Body Ebenen; es reicht also, eine freigestellte Gestalt vor einen kontrastreichen monochromen Hintergrund zu platzieren.) Die Nachbarpixel – in diesem Fall der Ausstellungssaal – werden unvermeidlich mit verzerrt.

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Vor der abschließenden Retusche sind auch Zonen in der Nachbarschaft des Körpers mit verzerrt worden, besonders auffällig die Lichtleisten an der Decke.

Diese Verzerrungen fallen im Rubens-Gemälde weniger auf. Bei der Herkules-Statue allerdings sind die verbogenen, eigentlich geraden Objektkonturen im Hintergrund sehr störend. Auch hierfür bietet PortraitPro Body ein spezialisiertes Werkzeug. Dass sich seine Anwendung in gewissem Umfang auch wieder auf den Körper auswirkt, muss man hinnehmen und gegebenenfalls nachretuschieren. Auf weitere Funktionen wie etwa Hautglättung und zahlreiche Farbabstimmungen für die Ausgabe gehe ich hier nicht weiter ein.

Menschen verschlanken mit PortraitPro Body
Das manuelle Markieren solcher Zonen (links) glättet sie wieder (rechts), was allerdings nicht ganz ohne Folgen für die Verzerrung des Körpers bleiben kann.

Abschließende Retuschen nahm ich dann wieder in Photoshop vor, weil dessen vielfältigere Möglichkeiten Detailretuschen leichter machen.

Man arbeitet sich recht schnell in das Programm ein und kann damit bereits nach kurzer Zeit des Übens recht ansehnliche Ergebnisse erzielen. Also durchaus ein geeignetes Werkzeug etwa für Porträt- und Hochzeitsfotografen, die keine Lust und Zeit haben, lange mit Photoshop zu exprimentieren. Einziger Kritikpunkt (siehe vorausgehenden Screenshot): Die Fenster und Bedienelemente sind so winzig klein, dass ich tatsächlich den Monitor-Zoom betätigen musste, um die Beschriftung der Regler erkennen zu können. Entsprechend klein ist deren aktiver Bereich, so dass es hohe Konzentration erfordert, den aktiven Anfasser eines Reglers zu treffen.

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Die letzten Begradigungsretuschen nahm ich dann doch in Photoshop vor, da diese Eingriffe hier leichter gehen.

PortraitPro Body läuft auf Mac und Windows. Die Standard-Version bietet im Unterschied zur Studio-Version keine Plug-in-Variante und keine Raw-Unterstützung. Weitere Informationen zum Programm und zu den Preisen finden Sie hier.

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Klickt man in einem Hunde-Foto auf die Nase, versucht PorraitPro Body auch hier einen menschlichen Körper zu erkennen (was natürlich dann sehr viel mehr Nachjustierung erfordert). Zur rechten Version kann man dann nur noch sagen: Ach du dicker Hund! Auch hier wurden die geraden Kanten der Umgebung nachträglich neu ausgerichtet.
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Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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