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Die Geschichte des Web Designs

  Das Große im Kleinen

Nicht einmal 30 Jahre alt ist eine Neuerung, die Informationsverbreitung, Wissen, Kommunikation und vieles mehr völlig umgekrempelt – und leider auch den Weg für Fake News geebnet hat: das Web. Ein neuer Band des Taschen Verlags von Rob Ford zeigt auf mehr als 600 Seiten die Geschichte des Web Designs und die technischen Fortschritte dahinter. Doc Baumann hat sich den Band für Sie angeschaut.

Die Geschichte des Web Designs
Der umfangreiche Band zur Geschichte des Web Designs zeichnet die Entwicklungen der letzten drei Jahrzehnte detailliert nach.

Der Taschen Verlag stellt seinen neuen Band so vor: „Die letzten drei Jahrzehnte waren von beispiellosen und bahnbrechenden technischen Umwälzungen geprägt. Von den ersten Desktop-Rechnern über Mobiltelefone bis zur virtuellen Realität: Aus keinem Bereich des Alltags und des menschlichen Miteinanders ist das Web mehr wegzudenken. Aber nicht immer bestand es aus lustigen Katzenvideos und schneidigen Interfaces. Am Anfang stand die technische Pionierarbeit: die erste Website, die Surround-Sound verwendete, die erste Navigation per „drag and drop“, der erste Umblättereffekt, die erste Website mit nahtloser Videoeinbindung, die erste virale Site, die erste Website mit Parallaxeneffekt, die erste Website mit Gesichtserkennungsfunktion, die erste Seite, die ein Mobiltelefon integrierte, die erste Video-Sharing-„Website“ im Stil von YouTube und viele andere.

Über 200 Websites illustrieren die Geschichte des Internets von seinen Anfängen bis heute – allesamt mit Zitaten und Erläuterungen versehen, die wertvolle Einblicke in die Gedankenwelt der Pixelpioniere bieten, unter ihnen Jonathan Gay (Flash), Gabo Mendoza (Gabocorp), Yugo Nakamura (Yugop), Peter Van den Wyngaert (NRG.BE), Joshua Davis (Praystation) und Eric Jordan (2Advanced).

Diese umfassende Bildchronik besteht aus 21 Kapiteln, die für jedes Jahr seit 1998 die besten Websites und Beispiele der genutzten Hardware vorstellen und aufzeigen, wie das Benutzererlebnis, die Benutzerfreundlichkeit und technische Errungenschaften die Entwicklung jenes Internets beeinflusst haben, dessen wir uns heute wie selbstverständlich bedienen. Daten und Fakten für jedes Jahr, treffsichere Google-Insights und schlaue Kategorien wie „Schlagzeilen zum Weltgeschehen“, „Filme mit dem höchsten Einspielergebnis“, „neue Soft- und Hardware“ oder „höchster Website-Datenverkehr“ weisen dem Leser den Weg durch die Geschichte.

Manch einem wird diese Sammlung wie eine virtuelle Reise in die eigene jüngere Vergangenheit vorkommen, doch finden hier alle Generationen ein umfassendes Nachschlagewerk sowie eine Würdigung der frühesten kreativen Köpfe, die das Web einst erfanden und die uns bekannte Welt für immer veränderten.“

Eine Doppelseite aus dem Band, die erkennen lässt, dass Abbildungen und Schriftgrad hier etwas sehr klein ausgefallen sind.

Für eine kompetente Würdigung des ganzen technischen Hintergrunds fehlt mir die nötige Erfahrung. Aber nachvollziehbar ist auch für mich, dass sich der Autor große Mühe gegeben hat, diese Geschichte des Web Designs detailliert nachzuvollziehen. Die Kapitel für jedes Jahr beginnen mit einem Vorwort, das die wichtigsten Neuerungen beschreibt, gefolgt von einem Diagramm mit relevanten Zahlen und Fakten. Inhaltlich ist das alles – soweit ich es beurteilen kann – vollauf zufriedenstellend. Rob Ford ist seit vielen Jahren ein kompetenter Fachmann in dem Bereich, den er hier präsentiert.

Allerdings bin ich der Ansicht, dass der Band hinsichtlich seiner Gestaltung das übliche Qualitätsniveau nicht erreicht, das man von Bänden des Taschen Verlags gewohnt ist. Die Kritik lässt sich auf einen Punkt konzentrieren: Alles ist zu klein. Auf den Abbildungen – Screenshots der Webseiten – sind Details nicht zu erkennen. Und am Text stört nicht die vertraute englisch-deutsch-französische Dreisprachigkeit, sondern der Schriftgrad: Während die englischen Texte noch halbwegs gut zu lesen sind, sind die deutschen (und französischen) störend winzig. Im umfangreichen Index schließlich – gut, dass es ihn gibt –, kommt man ohne Lupe fast nicht mehr aus. Liebe Taschen-Leute: Das könnt Ihr besser!

 

Rob Ford: Web Design. The Evolution of the Digital World, Taschen Verlag 2019, 640 Seiten, gebunden, 40,00 Euro

Cover des Buches „Web Design“
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Hans Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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