Altglas

Wie der M42-Anschluss vom Markt verschwand III

Altglas-Report

Neben technischen Vorzügen brachte der proprietäre Bajonett-Anschluss auf mehr oder weniger charmante Weise einen starken sekundären Nutzen: Kundenbindung und Ausdünnen des OEM-Marktes. Kamera und Objektiv waren nicht mehr beliebig austauschbar. Wer sich für ein System entschieden hatte, sollte möglichst lange gebunden werden. OEM-Produzenten mussten sich stärker festlegen als bei M42-Produkten.

Bajonettanschluss
Bei Bajonett-Anschlüssen sorgt der Name des Kameraherstellers für Klarheit bei der Suche nach einem passenden Adapter. Über Tipps und Tricks zur Identifikation exotischer Anschlüsse wurde hier berichtet.

Als primärer Nutzen wurden allseits neue technische Möglichkeiten angeführt. Waren es zunächst ausgeklügeltere Methoden zur Blendensteuerung, gewannen elektrische Verbindungen zwischen Kamera und Objektiv an Bedeutung. Beispielsweise für TTL-Messwerte, die auch verwendete Filter und Blitzlicht für die Steuerung einer Zeit- oder Programmautomatik einbeziehen konnten. Diese Möglichkeiten bescherten fast jeder Objektivgeneration eine Flut neuer und keineswegs selbsterklärender Kürzel – die bei Adaptionen an spiegellose Digitalkameras unbedeutend sind.

Zur Identifikation spezifischer Objektive sind die Zusätze dennoch nützlich, weil sich beispielsweise über die Bezeichnung AE und MM Blendenformen an Contax-Optiken ausschließen lassen, die in bestimmten Stellungen hässliche, sägezahnförmige Muster im Bokeh erzeugen. Auch Minolta kreierte durch verschiedene Baureihen (MC, MC-C, MD I bis III) mit irritierenden Zusätze und eigenwilliger Logik ein gewisses Ratespiel-Potenzial.

Die meisten Markenhersteller sorgten für Abwärtskompatibilität innerhalb ihres Systems. Pentax schaffte es sogar, das Auflagemaß am neuen Bajonett den alten M42-Maßen anzugleichen und über einen Adapter vorhandene Objektive zu montieren. Pentax M42-Optiken lassen sich bis heute auch an digitalen Pentax-Kameras verwenden. Bis auf wenige Einschränkungen gilt das auch fürs Nikon F-Bajonett, nur die Nikon D7500 zeigt Einschränkungen. Canon sorgte mit einem radikalen Schnitt zunächst für verärgerte Anwender und später für viel gutes Altglas: Der FD-Anschluss war zum Nachfolger nicht kompatibel. Aber auch die FD-Handhabung ist gewöhnungsbedürftig. Ohne Objektiv-Rückdeckel oder angeschlossenen Adapter lässt sich die Blende nicht schließen – nicht selten wird ein Defekt vermutet. Adapter besitzen bisweilen auch einen Ring für die Blendenschließung (Open/Lock), nach der Montage sollte die gewünschte Einstellung gewählt und auf Funktion überprüft werden.

Nikon Hasennase
Die Nikon „Hasennase“: Ein im Wortsinn herausragendes Beispiel für die Übertragung von Blendenwerten ist die spitze Blechlasche, die gerne das Innenfutter von Jacken- und Fototaschen aufreißt. Durch Lösen von zwei Schrauben lässt sie sich entfernen.

Aktuelle OEM-Geschäfte

Die letzte Phase der M42-Ära ließe sich als polyamor umschreiben. Später war es bestenfalls noch eine Swingerparty im OEM-Club. Heute ist die Anzahl der Akteure im OEM-Geschäft ausgesprochen überschaubar. Es herrschen eheähnliche Verhältnisse: Man kennt einander und schätzt das Bekannte und Bewährte. Dennoch sind kaum Details bekannt. Bekannt ist hingegen, dass Zeiss nach eigener Aussage keine Foto-Objektive herstellt – auch wenn Wikipedia das Gegenteil behauptet. Einige lassen mit „Made in Japan“ ihre Herkunft erkennen. Ein Einblick in die Kooperation mit Sony gibt es hier. Cosina produziert Objektive für Voigtländer. Gerüchte wollen wissen, dass Tokina ein Zoom-Objektiv für das aktuelle Nikon Z-Sortiment baut.

Altglas-Report
Der Altglas-Report fasst in zwei Bänden Wissenswertes zu Auswahl, Kauf und Handhabung von manuellen Objektiven zusammen. Auch Themen, die in den bisherigen E-Books nicht oder nur am Rande erwähnt wurden, finden hier ihren Platz. Dazu gehören unter anderem auch lohnenswerte Objektive aus dem OEM-Segment.
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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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