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Tablets – Nützliche Werkzeuge für Fotografen

Tablets werden meistens als Entertainment-Maschinen vermarktet. Dabei taugt so manches Modell auch als formidables Kreativ- und Produktivwerkzeug für Fotografen. Dies sind die wichtigsten Vorteile, Unterschiede und Einschränkungen dieser Gerätekategorie.

Tablets

Leistungsstarke Tablets wie das Apple iPad Pro 10.5 erlauben mit mobilen Apps wie Lightroom CC auch unterwegs anspruchsvolle Bearbeitungen von RAW-Bildern.

 

Aus der Ferne in den Fokus: Kamera ohne Kabel fernsteuern

Während Foto-Enthusiasten immer häufiger auch mit dem Smartphone statt nur mit der Kamera fotografieren, sind Tablets dafür ergonomisch nur bedingt geeignet. Mit ihnen zu fotografieren ist zwar nicht ausgeschlossen, weil die integrierten Kameras ebenfalls immer besser werden. Aber der ausladende Formfaktor strengt die Arme an und ist beispielsweise diskreten Reportage-Aufnahmen eher abträglich.

Als kabelloser Fernauslöser für eine DSLR-, kompakte Systemkamera oder Kompaktkamera kann ein Tablet jedoch sehr nützlich sein. Denn in vielen Situationen gelingen Fotos besser oder überhaupt erst, wenn der Fotograf die Kamera indirekt bedient. Per WLAN steuert ein Tablet die Kamera aus großer Entfernung und ermöglicht auf dem Display sogar die Motivkontrolle. Ein kabelgebundener Fernauslöser kann diesbezüglich nicht mithalten.

Anspruchsvolle Bildbearbeitung, fast wie am Desktop-Rechner

Mehr als die Vorbereitung ist die Nachbereitung der Fototour die große Stärke von Tablets. Für die schnelle Sichtung und Verwaltung der Fotoausbeute, einfache Korrekturen und zum Teil sogar komplexe Retuschen sind die hochwertigen Modelle aus dem Tablet-Segment von beispielsweise Apples iPad-Pro-Reihe und Samsungs Galaxy-Tab-S-Modelle sehr gut geeignet. Sie sind inzwischen so leistungsstark, dass sie sich in punkto Rechenpower vor Schreibtisch-Computern nicht verstecken müssen.

In 2K aufgelöste und mit HDR-Leuchtkraft ausgestattete Displays mit Diagonalen von 10 bis 13 Zoll bieten zudem eine beeindruckende Darstellungsqualität. Das lässt eine aussagekräftige Beurteilung von Bildern absolut zu, auch wenn dies natürlich nicht die Betrachtung an einem hardware-kalibrierten, 27-zölligem Profi-Monitor ersetzen kann.

Anspruchsvolle Kreativ-Software ist ebenfalls längst kein Engpass mehr. In den App-Stores finden Foto-Enthusiasten mobil angepasste, aber keinesfalls übermäßig abgespeckte Version von populären Windows- und Mac-Programmen. Beispielsweise Lightroom CCAffinity Photo und Pixelmator bieten auf dem Tablet eine verblüffende Fülle an Funktionen und kreativen Bearbeitungsmöglichkeiten.

Das Bearbeiten von RAW-Bildern ist ebenso möglich wie hochwertige Beauty-Retuschen und das Malen künstlerischer Composings. Für iOS ist die Auswahl an Software besser als für Android. Etwa mit Photo Mate R3 gibt es aber auch für Googles mobiles Betriebssystem einen sehr empfehlenswerten RAW-Editor.

Weil Bilddienstleister ihre Bestellsoftware in den vergangenen Jahren stark vereinfacht haben, ist es inzwischen auch ein Leichtes, per Tablet-App Fotobücher und andere Fotoprodukte zu kreieren und zu bestellen.

Bedienung mit Fingerspitze und Digitalstift ersetzt Computermaus

Die Bedienung mit der Fingerspitze ist bei diesen und vielen anderen Bildeditoren sehr gelungen umgesetzt, sodass keine Sehnsucht nach einer Computermaus aufkommt. Wer präzise Retuschen vornehmen möchte, freut sich zudem, wenn das Tablet auch die Bedienung mit einem Digitalstift unterstützt.

Tablets

Für präzise Retusche-Arbeiten oder wenn Pinselwerkzeuge zum Einsatz kommen sollen, greifen Fotografen am besten zu Tablets, die Digitalstifte unterstützen – wie hier das Samsung Galaxy Tab S3 mit dem S Pen.

 

Seltener unterstützt mobile Software auch die vom Computer bekannten Tastenkombinationen an andockbaren Keyboards. Wer darauf partout nicht verzichten, aber gleichzeitig von den Vorteilen von Tablets profitieren möchte, sollte sogenannte 2in1-Rechner mit Windows 10 in Betracht ziehen, bei denen die Grenzen zwischen Tablet und Laptop verschwimmen.

Konnektivität erleichtert – und erzwingt – Bildverwaltung über die Cloud

Für die umfassende Bildverwaltung mit komplexen Ordnerstrukturen ist der Griff zum Desktop-Rechner derzeit noch empfehlenswerter. Ein direkter Zugriff auf die Dateiverwaltung ist zwar mit Android seit längerem und mit iPads seit iOS 11 in der Dateien-App möglich, aber nicht so komfortabel wie mit dem Finder auf dem Mac oder dem Explorer unter Windows.

Abgesehen davon ist jedoch auch mit Tablets die Organisation größerer Bildersammlungen mittlerweile durchaus gangbar. Wichtig dafür ist, dass Nutzer auf Modelle mit möglichst großem oder erweiterbarem Flashspeicher setzen. Android-Modelle akzeptieren microSD-Karten mit bis zu 256 GB, iPads sind derzeit mit einer Kapazität von bis zu 512 GB erhältlich und 2in1-Geräte mit Windows 10 lassen sich zum Teil mit noch mehr Speicher konfigurieren.

Wer mit dem Tablet auf Bildersammlungen im Terabyte-Umfang zugreifen will, kommt um Speicherlösungen in der Cloud nicht herum. Weil viele hochwertige Modelle neben schnellem WLAN auch über mobiles Internet mit LTE-Standard funken, ist das auch unterwegs mühelos machbar. Ein guter Empfang und ein großes inkludiertes Datenvolumen sind dafür natürlich Voraussetzung.

Weil Tablets prinzipiell für die kabellose Datenübertragung optimiert sind, ist der Einsatz von WLAN, 4G und Cloud jedoch oft auch ein Muss. Denn SD-Karten in Normalgröße, wie sie in den meisten Kameras üblich sind, akzeptiert kein Tablet und kaum ein 2in1-Rechner. Ein Kartenlese-Gerät mit dem passenden Anschluss neigt dazu, zuhause vergessen zu werden. Wer dann nicht über eine Kamera mit integriertem WLAN oder ein WLAN-SD-Karte verfügt, muss leider doch mit dem Transfer warten, bis er wieder vor dem Schreibtisch-Rechner sitzt. Dateien per USB-Speichermedien zu übertragen ist ebenfalls umständlich, weil dafür meistens Adapter und spezielle Apps notwendig sind.

Fazit: Tablets für Fotografen können den Laptop teilweise ersetzen

Wer mit den Einschränkungen bei der Dateiverwaltung und beim Einsatz von SD-Karten und USB-Speichermedien leben kann, findet in Tablets sehr praktikable Werkzeuge für das Selektieren, Bearbeiten, Speichern und Verschicken von digitalen Bildern. Tablets sind in diesem Sinne mehr als nur optionales Zubehör, sondern können viele Funktionen übernehmen, für die bislang sperrigere Laptops und Standrechner nötig waren. Fotografen, die mit möglichst leichtem Gepäck reisen wollen, können daher getrost zu einem Tablet greifen.

Tablets

Wer vollwertige Desktop-Programme mit Tastenkombinationen nutzen und gleichzeitig von den Vorteilen von Tablets profitieren möchte, sollte sogenannte 2in1-Rechner wie das Microsoft Surface Pro in Betracht ziehen.

Die Miniaturisierung der computergestützten Bildbearbeitung gibt es aber nicht für Peanuts. Für leistungsstarke und funktionsreiche Tablets sind 500 Euro nicht zu wenig. Spitzenmodelle im Android- und iOS-Bereich schlagen je nach Ausstattung derzeit mit 700 bis 1.500 Euro zu Buche. Bei bestmöglich konfigurierten 2in1-Rechnern mit Windows können aktuell auch weit über 2.000 Euro fällig werden. Im letzteren Fall erhalten Käufer aber auch gleich einen vollwertigen PC, der sich zuhause an einen externen Monitor und weitere Peripherie anschließen lässt. Für Digitalstifte, mobile Tastaturen und Adapter sind oft weitere Ausgaben nötig. Doch gutes Werkzeug ist die halbe Arbeit und hat eben seinen Preis.

Quelle: www.prophoto-online.de

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