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Publikumspreis des DOCMA Award 2009

Wer hat den Publikumspreis des DOCMA Award 2009 gewonnen? Wahrscheinlich erwarten Sie auf diese Frage eine klare und eindeutige Antwort

Wahrscheinlich erwarten Sie auf diese Frage eine klare und eindeutige Antwort, etwa: Es war Silvia Nock aus Berlin. Diese Feststellung stimmt zwar, aber ganz so einfach war die Sache nicht.

Vielleicht erinnern Sie sich: Jeder Besucher der Award-Galerie auf www.docma.info konnte jedes Bild mit null bis fünf Sternchen bewerten. Klare Angelegenheit. Dachten wir. Aber was macht man nach dem Ende der Abstimmung mit diesen Daten?
Nach den Vorgaben des Voting-Programms schien die Sache ganz einfach: Addiere die vergebenen Sternchen pro Bild und teile die sich ergebende Summe durch die Anzahl der Personen, die das Bild bewertet haben. Danach stand Bernd Busche mit seinem "Reiseziel" auf Platz 1, der sich ergebende Wert (311 Sternchen, geteilt durch 81 Wähler) war 3,84 und damit höher als alle anderen.
Nun bin ich kein Mathematiker – aber diese Formel erschien mir höchst zweifelhaft. (Nicht, dass ich irgendwas gegen das Bild von Bernd Busche hätte, im Gegenteil.) Mein Unbehagen an dieser Formel lässt sich durch ein einfaches Beispiel zeigen: Nicht alle Bilder wurden bewertet; die Anzahl der Wähler pro Bild reicht von null bis 325. Es haben also etliche Einreichungen gar keine Bewertung bekommen. Damit hätte es ohne weiteres geschehen können, dass jemand nur sein eigens Bild bewertet, niemand sonst, und ihm die Höchstnote gibt: 5 Sternchen. 5 geteilt durch einen Bewerter ergibt den Wert 5. Damit wäre dieses Bild mit gewaltigem Abstand auf dem ersten Platz gelandet. Ein Ergebnis, mit dem ich erhebliche Probleme hätte.
Uneinigkeit herrschte auch über den Charakter von Nicht-Bewertungen. Das Argument der Programmierer: Wir zählen nur die tatsächlich abgegebenen Stimmen pro Bild, egal wie viele, von null bis fünf, ähnlich wie bei einer Wahl. Das ist eine faire Basis. Mein Gegenargument: Jeder Wähler hat alle Bilder zumindest in der Thumbnail-Liste gesehen. Wenn er ein Bild gar nicht aufruft, um es zu bewerten, gefällt es ihm offensichtlich nicht. Wenn es interessant scheint, aber in der Großdarstellung dann doch enttäuscht, vergibt er null Punkte dafür. Gar keine Bewertung und null Punkte sind also von der Berechnung her dasselbe. Also darf man nicht nur durch die pro Bild abgegebenen Stimmen teilen, sondern durch die aller Bewertenden. Deren Menge ist zwar nur mit Mühe feststellbar, aber letztlich auch völlig egal. Denn wenn alle Sternchen-Summen durch dieselbe Zahl geteilt werden, kommt es von der Reihenfolge her aufs selbe raus, ob sie nun durch 1, 81 oder 82 Milliarden geteilt wird.
Mein Gegenvorschlag, auf den wir uns nach Konsultation eines unabhängigen Informatikers geeinigt haben, der gar nicht wusste, worum es geht: Man addiert schlicht alle Sternchen pro Bild, Schluss. Damit rutscht "Reiseziel" allerdings von Platz 1 auf Platz 36 und Silvia Nocks "Langweilig war gestern" von 27 auf 1. Eine weitere interessante Beobachtung ist, dass Silvia Nock 325 Bewerter ihres Bildes hatte mit 124 vergebenen fünf Sternen, und Bernd Busche 81 Bewerter und 26 mal fünf Sternchen. (Dafür hatte er nur 1 x null Sternchen und Silvia 39.) Ist also alles gar nicht so einfach.
Bemerkenswert ist übrigens, dass im Unterschied zu den Jahren zuvor die Reihenfolge der Publikums-Bewertungen erheblich von jener der Jury abweicht; unabhängig davon, welche Auswertungsformel man verwendet. Tut mir leid, Herr Busche ? hat nichts mit Ihnen oder Ihrem Bild zu tun. Und Gratulation an Silvia Nock! Mir erscheint diese Lösung deutlich gerechter – aber ich bin gespannt auf Ihre Kommentare dazu, wie Sie das sehen, und auf – realisierbare – Vorschläge, wie wir bei künftigen Bewertungen zu hieb- und stichfesten Ergebnissen gelangen.

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