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Olafs Wochenschnipsel: KW 39

Ich probiere hier mal etwas Neues aus. Statt einem Blog zu einem klar umrissenen Thema, reiße ich lieber lose mehrere Themen an, die mich in der letzten Woche (KW 39, also Kalenderwoche 39) beschäftigt haben. Und von denen ich denke, dass die auch für Sie interessant sein könnten. Also einfach mal durchscrollen, vielleicht ist ja auch für Sie etwas dabei. Lassen Sie mich doch wissen, ob dieses Format hilfreich und interessant für Sie ist. 😉

Olafs Wochenschnipsel: KW 39

Masken-Ebenen in Adobes Raw-Programmen

Olafs Wochenschnipsel: KW 39

Der Knaller der Woche (wir berichteten) für bildbearbeitende Adobe-Anwender war sicher eine Vorschau auf wahrscheinlich zur Adobe Max (Ende Oktober 2021) veröffentlichten neuen Maskierungsmöglichkeiten in Camera Raw, Lightroom Classic und Lightroom (Mobile/Cloud). Hier der Link:

Sneak-Peak zu neuen Maskierungsfunktionen: Blog-Post inklusive Video von Adobe (englisch)

So funktioniert das neue System

Beeindruckend ist, dass Adobe das komplette Konzept der lokalen Korrekturen verändert hat. Bisher gab es drei Werkzeuge, namentlich Pinsel, Linear-Verlauf und Radial-Filter, bei denen man je gesetztem Bearbeitungs-Pin unterschiedliche Einstellungen zuweisen und die Wirkung mit Farbbereichs- Luminanz- und Tiefenkarte anpassen konnte. Jedes Werkzeug und jeder Bearbeitungs-Pin steht also für sich allein.

Das neue Masken-System ist deutlich leistungsfähiger und flexibler. Damit erzeugt man für jede unterschiedliche Einstellungskombination (Masken-)Ebenen. Dafür stehen auch die neuen KI-basierten Möglichkeiten »Motiv auswählen« und »Himmel auswählen« zur Verfügung. Das Interessanteste daran: Man kann alle Werkzeuge frei kombinieren, um eine Maske anzulegen und zu verfeinern. Durch »Hinzufügen«, »Subtrahieren« und »Schnittmenge« erzeugt man einen non-destruktiven Maskenebenen-Stapel, der frei editierbar ist. Weil das ziemlich technisch und abstrakt ist, lassen Sie mich Ihnen einige Anwendungsbeispiele geben. Beeindruckend, was damit in Adobes Raw-Entwicklern möglich wird:

  • eine Person am Meer automatisch auswählen lassen und dann mit einer umgekehrten Himmelsauswahl den Himmel aussparen, um nur Person und Wasser zu verändern,
  • einen graduellen vertikalen Verlauf anlegen, und einen zweiten horizontalen Verlauf nutzen, um die Maske zu einer Seite hin weich auszublenden. Ideal zur Korrektur von sogar kompliziertem Streulicht.
  • Früher gab es nur die Möglichkeit, bis zu fünf Farbaufnehmer für die Bereichsmaske zu setzen. Jetzt kann man einfach eine vorherrschende Farbe auswählen und die Maske umkehren. Oder so viele Farbbereichsmasken für eine Korrektur kombinieren, wie nötig sind.
  • Eine Luminanzmaske mit einer Luminanzmaske verfeinern? Geht!
  • Zwei Pinselstriche nutzen, um nur deren Kreuzungspunkt als Maske zu nutzen? Geht auch.

Und alles bleibt live anpassbar! Das sind Funktionen, die ich mir für die Maskierung in Photoshop schon seit einem Dutzend Jahren wünsche.

Mein vorläufiges Fazit zu den Masken-Ebenen

Toll! Mir scheint, dass das neue System vor allem zukunftsfähig aufgebaut ist. Denn erstmals bietet Adobe KI-Auswahlfunktionen in seinen Raw-Programmen an. Der Tiefenkarten-Neuralfilter aus Photoshop wird hier wahrscheinlich auch ein Stelldichein feiern, wenn er mal der Betaphase entkommen ist.

Nur einen Wermutstropfen gibt es: Die Korrekturmöglichkeiten sind hier noch genauso eingeschränkt, wie zuvor bei den selektiven Werkzeugen. Man kann also immer noch keine Kurven, HSL-Korrekturen und dergleichen auf diese Weise einsetzen.

Ansonsten: Chapeau, Adobe! 👍 Falls sie es jemals schaffen, dem »Camera Raw-Filter« eine Komposit-Ansicht zu geben, könnte das den Fotomontage-Workflow in Photoshop revolutionieren. Aber mich fragt ja niemand. 😉

Spiele werden immer realistischer

Ein Video, das mich beeindruckt hat: Spiele sind inzwischen so weit, dass das Vordergrundelement (das Motorrad) noch das unrealistischste an der Simulation ist. Früher war das noch genau anders herum!

Live Text OCR in iOS 15

Ein Game-Changer für mich persönlich ist die umfassend integrierte In-Bild-Texterkennung in iOS 15 (mehr Infos; englisch). Gab es vorher schon in Google-Translate oder über andere Apps, aber jetzt ist der Zugang noch einfacher: In »Camera« und »Fotos« wird Text erkannt, kann markiert, kopiert und übersetzt werden. Topp für schnelle Notizen, Buchzitate oder etwa das Googlen von Inhaltsstoffangaben auf Lebensmitteln. 😉

Schon in der Kamera kann man über das umrandete Symbol die Texterkennung aktivieren und den Text kopieren, nachschlagen oder übersetzen. Hier sehen Sie der Einfachheit halber den gerade von mir geschriebenen Text für diesen Blogbeitrag. ;). Olafs Wochenschnipsel: KW 39
Schon in der Kamera kann man über das umrandete Symbol die Texterkennung aktivieren und den Text kopieren, nachschlagen oder übersetzen. Hier sehen Sie der Einfachheit halber den gerade von mir geschriebenen Text für diesen Blogbeitrag. 😉
Auch in Fotos und Screenshots wird Text automatisch erkannt und auswählbar. Olafs Wochenschnipsel: KW 39
Auch in Fotos und Screenshots wird Text automatisch erkannt und auswählbar.

Die große Frage bei all diesem großartigen Komfort ist: Was lernt Big Brother dadurch über uns noch mehr? Ich als informierter, wissenschaftlich denkender, freiheitlicher, religionskritischer, demokratischer Humanist mit einer Ader für Ironie und Sarkasmus habe doch nichts zu befürchten, oder? Oder? 🤔 Aktuell ist noch alles gut, denke ich. Aktuell.

DOCMA-Chefredakteur zu Besuch und 50mm-Objektive

Chefredakteur Christoph Künne war anlässlich der einhundertsten Ausgabe von DOCMA zu Besuch bei mir. Wir nahmen bei munkeligem Seitenlicht einen etwa halbstündigen Podcast darüber auf, wie ich dazu kam, für DOCMA zu schreiben, wie wir das Heft immer weiter optimieren, warum Videos mit Heft eine gute Idee sind und wie es weitergeht. Da Christoph im nächsten Heft über seine Experimente mit offenblendigen Normalbrennweiten philosophieren wird, musste ich natürlich auch mein Nikkor Z 50 mm f/1.8 mal bei dem gegebenen Minimal-Licht an ihm ausprobieren:

Verlagsleiter Künne zu Besuch bei mir. Foto: Olaf Giermann. Olafs Wochenschnipsel: KW 39
Verlagsleiter Künne zu Besuch bei mir. Foto: Olaf Giermann

Das vergleichsweise Nikon-Monstrum Z f/1.2 kam leider heute erst leihweise von Nikon an, da ich einmal sehen wollte, ob mir Unschärfe und Bokeh wirklich ein Vielfaches an Gewicht und Preis meines aktuellen 50ers wert wären. Nach einem ersten kurzen Ausprobieren muss ich sagen: Definitiv! Jedenfalls, wenn ich nicht schon das wirklich sehr gute Z 1.8er 50 und das F 1.4 105 hätte. Jetzt warte ich jedenfalls gerade auf mein gekauftes 40mm f/2 (als Alltagsobjektiv). Mal schauen, was das kann!

Ich liebe es ja, offenblendig zu fotografieren. Meistens, um eine möglochts geringe Schärfentiefe zu erzielen. Aber manchmal auch nur, um bei einem Spaziergang freihändig Lichtsituation wie diese fotografieren zu können. Foto: Olaf Giermann
Ich liebe es ja, offenblendig zu fotografieren. Meistens, um eine möglich´st geringe Schärfentiefe zu erzielen. Aber manchmal auch nur, um bei einem Spaziergang freihändig Lichtsituation wie diese fotografieren zu können. Foto: Olaf Giermann

Instance-Conditioned GANs

Die Möglichkeiten von KI-Techniken wachsen stetig. Aktuell beeindruckt mich dieses Proof of Concept: Eine KI kann Bilder von Dingen generieren, die es nie gesehen hat. Dabei wird aufgrund von gelernten Inhalten (zum Beispiel von Häusern) eine Vielfalt an Hausvariante generiert, die durch Zuweisen einer Klasse (zum Beispiel von Kirchengebäuden) weiter spezifiziert werden kann. Sehr beeindruckend!

Auf der linken Seite erzeugt die KI anhand der Vorgabe verschiedene Hausvarianten. Rechts wurden die Varianten über die Klasse "Dom" erweitert, wodurch offensichtlich kirchliche Bauweise in die neuen Vorschläge einflossen. Quelle: ai.facebook.com
Auf der linken Seite erzeugt die KI anhand der Vorgabe verschiedene Hausvarianten. Rechts wurden die Varianten über die Klasse „Dom“ erweitert, wodurch offensichtlich kirchliche Bauweise in die neuen Vorschläge einflossen. Quelle: ai.facebook.com

Mehr Infos. Wie gewöhnlich ist das Paper und der Bericht in der heutigen Wissenschaftssprache in Englisch gehalten. Griechisch, Latein, Arabisch, Französisch und Deutsch sind halt inzwischen einfach out. 😉

Meine Bildserien-Erweiterung

Ich vermittle ja nicht nur Photoshop-Wissen in DOCMA und bei LinkedIn Learning, und übernehme Bildbearbeitungsaufträge, sondern bastle auch an persönlichen Bild-Projekten. Letzte Woche habe ich meine dystopische Futurum-Absolutum-Serie durch drei neue Motive (Futurum-Absolutum: AMNION) erweitert.

Falls Sie meine Fotos und darüber hinaus gehenden Arbeiten interessieren, schauen Sie doch mal bei Instagram oder Behance vorbei.

"Futurum-Absolutum: AMNION" © Olaf Giermann.
„Futurum-Absolutum: AMNION“ © Olaf Giermann

Am Rande: Ich war während der Pandemie doch ziemlich Bild-Plattform- und Social-Media-müde. Jetzt plane ich, so nach und nach mal alles an Bildern hochzuladen, was sich so angesammelt hat. 😉 Instagram ist in erster Linie zwar keine Bilder-Plattform mehr, sondern eher etwas für selbstdarstellerische Vlogs und Demo-Reels, aber was wäre die Alternative? Manchmal wünsche ich mir die alten, aktiven Fotocommunity-Zeiten zurück. Inzwischen sind die Art-, Diskussions- und Fotoplattformen dermaßen zersplittert zwischen den zunehmend aussterbenden Foren, Facebook-Gruppen und -Seiten, Instagram-Blasen, Discord-Chats und Co, dass man kaum noch mit irgendwem nur auf einer Plattform in dauerhaft-engen Kontakt bleiben kann.

Okay, das soll es für diese Woche gewesen sein. Was hat Sie interessiert? Was nicht? Wo würden Sie sich wünschen, dass ich mehr erzähle oder erkläre? Wäre ein Video wünschenswerter als Text? Fragen über Fragen … 😉

Schönen Freitag und schönes Wochenende! 🥳

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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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