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Neue Bedienhilfen für Lightroom und Photoshop

In den DOCMA-News berichteten wir bereits, dass es eine verbesserte Version des Loupedecks für Lightroom gibt und dass nächsten Monat eine Kickstarter-Kampagne startet, die ein ähnliches, wenn auch deutlich einfacheres Gerät für Photoshop-Anwender (TourBox)bieten soll. Neue Bedienhilfen für Lightroom und Photoshop: Was können Sie von diesen erwarten? Olaf Giermann meint, das kommt nur auf Ihre Erwartungen und Gewohnheiten an.

Neue Bedienhilfen für Lightroom und Photoshop
Loupedeck+ und TourBox – Neue Bedienhilfen für Lightroom beziehungsweise Photoshop

Neue Bedienhilfen: Das DJ-Pult-Prinzip


Die Idee solcher Zusatzgeräte ist vom Prinzip her klasse: Warum soll man mit dem Cursor über den Bildschirm rasen, Regler anklicken und verschieben, wenn man dasselbe direkt und haptischem Feedback über Dreh- oder Schieberegler erledigen kann? Denn genau das bieten Rädchen, Drehknöpfe und Tasten für spezielle Funktionen, die man (zumindest teilweise) an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

Neue Bedienhilfen für Lightroom und Photoshop
Stellen Sie sich vor, ein DJ müsste seine Regler live mit der Maus auf einem Bildschirm verstellen … 😉 Foto: Pixabay

Statt also zum Ändern der HSL-Farben in Lightroom erst in das HSL-Panel zu gehen, dort den entsprechenden Unterbereich (Farbton, Sättigung, Helligkeit) auszuwählen, dann den gewünschten Regler anzuklicken und zu verschieben, drehen Sie in Loupedeck direkt an dem zugehörigen Rädchen – das funktioniert sogar im Vollbildmodus!

Aber braucht man, oder besser brauchen SIE so ein Gerät?
(Am Rande: Wie Sie Lightroom auch mit der Android-App Macro Deck direkter steuern können, erfahren Sie demnächst in DOCMA 84.)


Neue Bedienhilfen: Das neue Loupedeck+


Neue Bedienhilfen für Lightroom und Photoshop
Loupedeck+

Was die verbesserte Version an Neuerungen mitbringt, erfuhren Sie bereits in unserem News-Beitrag. An dieser Stelle gehe ich deshalb hier nur auf drei Punkte ein, die ich für sehr interessant halte und die ich mir bei dem angeforderten Testgerät näher anschauen werde.

  1. Haptik
    Die erste Version des Loupedecks hatte ich bereits im Test-Einsatz und war recht angetan, von der Präzision der möglichen Änderungen. Wie im Test beschrieben, finde ich die Verarbeitung hochwertig und das Gerät liegt fest auf dem Tisch. Für meinen Geschmack – vielleicht auch wegen des geringen Gewichts, fühlte sich das Gerät haptisch jedoch nicht so hochwertig an, wie es dem Augenschein nach ist. Die Drehknöpfe reagieren zwar präzise, fühlen sich für mich etwas gummiartig an, und die Tasten haben nicht den gleichen präzisen Druckpunkt, den ich von meiner normalen Tastatur gewohnt bin. Ein „präziseres und robusteres Gefühl und eine verbesserte Verarbeitungsqualität“, wie sie die Pressemitteilung verspricht, fände ich wirklich prima.
  2. Konfigurationsmöglichkeiten
    Eine neue Konfigurationssoftware erlaubt nun die volle Individualisierung aller Regler. Das finde ich sehr wichtig, denn manche der vordefinierten Regler nutzt man vielleicht nie und es wäre schön, diese zusätzlich zu den beiden bisher schon konfigurierbaren Drehreglern nutzen zu können.
  3. Auch mit anderer Software nutzbar
    Loupedeck+ ist jetzt nicht mehr nur zusammen mit Lightroom, sondern auch zunächst schon mit Skylums HDR-Programm Aurora nutzbar. Weitere Softwareunterstützung soll folgen, so zum Beispiel Luminar aus dem gleichen Hause und – hört, hört – Capture One. Hier bin ich wirklich gespannt, wie das in Zukunft umgesetzt werden wird/soll.

Neue Bedienhilfen: TourBox


Neue Bedienhilfen für Lightroom und Photoshop
Tourbox

TourBox soll nun etwas Ähnliches wie Loupedeck sein, nur eben für Photoshop. Anders als bei Gamingboards, die man natürlich ebenfalls anstelle der Tastatur in Photoshop nutzen kann (mehr zu diesem Thema lesen Sie hier), geht es bei TourBox nicht darum, die Tastatur auf die nötigsten Tasten zu schrumpfen. Stattdessen will der Anbieter nur drei verschiedene drehbare Elemente („knob, wheel and dial“) sowie drei Funktionstasten verbauen. Es ist eben auch schlicht nicht möglich, die Vielzahl allein schon der essenziellen (!) Funktionen Photoshops in ein übersichtliches Panel zu bauen. Stattdessen sollen die Drehregler und Tasten frei konfigurierbar sein, so dass der Nutzer selbst bestimmen kann, wozu er diese einsetzt (zum Beispiel Pinsel-Größe, -Weichheit, -Deckkraft, Zoomfunktionen, Bewegen durch die Ebenenpalette oder Füllmethoden usw.).

Falls Sie keine Lust haben, die entsprechenden Tastenkombinationen in Photoshop zu lernen und Sie nur wenige Parameter on-the-fly durch Drehen von Rädchen anpassen möchten, könnte dieses Gerät vielleicht das Richtige für Sie sein.


Neue Bedienhilfen: Meine Meinung


Vorab müssen Sie Folgendes wissen:

Ich nutze Photoshop nun schon einige Jahre lang. Intensiv zusammen mit Tastatur und einem Grafiktablett (Cintiq beziehungsweise Intuos). Dadurch kenne ich nicht nur die Möglichkeiten von Photoshop, die mir wichtigen Parameter durch einfaches Drücken von Tasten sowie Klicken und gegebenenfalls Ziehen (Pinselgröße, -weichheit, HUD-Farbkreiswähler aufrufen und Farben wählen …) zu ändern oder Funktionen sofort per Shortcut aufzurufen. Nein, ich denke nicht einmal mehr darüber nach: Die Funktionen passieren einfach. Wenn mich jemand fragt, was der Shortcut für diese oder jene Funktion ist, dann weiß ich den Shortcut manchmal nicht sofort, sondern muss mir meine Hand auf der Tastatur vorstellen. Das ist also schon einmal irre schnell.

Und mit dem Stift und seiner absoluten Projektion ist der Cursor ohne jede Verzögerung exakt dort wo ich ihn brauche.

Zusatzgeräte und ich:

Ganz ehrlich, ich mag diese neuen Bedienhilfen. Das Arbeiten mit dem Loupedeck der ersten Version hat mir schon wirklich Spaß gemacht, ging präzise und auch recht schnell.

Nur: Für viele Funktionen braucht man eben doch immer auch die normale Tastatur. Das gilt sowohl für die erste Version des Loupedeck, als auch für die des neuen Loupedeck+ und auch für TourBox. Und dann stellte ich sehr schnell fest, dass mich der ständige Wechsel zwischen dem Zusatzgerät und der Tastatur eher ausbremst als meine Arbeitsabläufe beschleunigt. Ich habe eben die meiste Zeit die linke Hand auf der Tastatur und in der rechten Hand den Stift. Für die Zusatzgeräte müsste ich mein komplettes Muskelgedächtnis umstellen und ständig auf die Geräte statt auf das Bild schauen. Und das wird bei der TourBox für mich nicht anders sein, denn schon jetzt kann ich alle Parameter, die in der Demo gezeigt werden schneller interaktiv mit Stift und Tastatur ändern, als es je per Drehrädchen möglich wäre. Und so ein Zusatzgerät kostet eben auch – zusätzlich zu Bildschirm(en), Tastatur, Maus, Tablet … – Platz auf dem Schreibtisch. Das sollten Sie in jedem Fall auch berücksichtigen. (Das einzige Zusatzgerät, das ich derzeit neben dem Stifttablett benutze, ist eine Spacemouse Pro für 3D-Programme – aber da geht es um die komplexe Navigation im 3D-Raum, die dadurch deutlich intuitiver und flüssiger als mit Tastenkürzeln und Maus/Stift durchführbar ist.)

Zusatzgeräte und Sie:

Bedenken Sie: Das oben Geschriebene gilt für mich ganz persönlich, der Photoshop täglich und routiniert nutzt. Ich kenne Photoshop-Anwender, die trotz mehrmaliger Anläufe mit Grafiktablets nicht warm werden (was mir selbst völlig unverständlich ist) und immer noch eine Maus oder sogar nur ein Touchpad benutzen – und damit sehr zufrieden sind.

Wahrscheinlich ist es für einen unbedarften Anwender sehr viel einfacher, sich auf die neuen Bedienhilfen einzulassen und damit die eigenen Arbeitsabläufe zu beschleunigen, ohne erst zu warten, bis all die Shortcuts in das Muskelgedächtnis übergegangen sind und sich der Umgang mit dem digitalen Stift so selbstverständlich wie der mit einem Bleistift auf Papier anfühlt.

Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, solche Neuerungen SELBST auszuprobieren. Berücksichtigen Sie zwar die Meinung von anderen Anwendern und Experten, aber machen Sie sich nicht davon abhängig. Fragen SIE SICH SELBST, wie und ob Sie von solchen Zusatzgeräten profitieren können.

Neue Bedienhilfen? Ich werde jedenfalls sowohl Loupedeck+ als auch TourBox wieder gerne (auch für Sie, unsere Leser) testen, obwohl ich beide wohl eher nicht für den dauerhaften Gebrauch behalten werde.

Beste Grüße,

Ihr Olaf Giermann

Olaf Giermann
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Kommentar

  1. „Und dann stellte ich sehr schnell fest, dass mich der ständige Wechsel zwischen dem Zusatzgerät und der Tastatur eher ausbremst als meine Arbeitsabläufe beschleunigt. Für die Zusatzgeräte müsste ich mein komplettes Muskelgedächtnis umstellen und ständig auf die Geräte statt auf das Bild schauen.“
    Dito, so ging mir das schon beim Ausprobieren eines Grafik-Tabletts mit Stift… Tolle Idee, aber ich bin noch nicht ganz kompatibel. So sehe ich das auch mit diesen neueren Geräten: An sich toll, aber irgendwie fehlt doch noch etas für die wirklich (!) intuitive Bedienung…

    Glückauf, Ollie

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