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Jetzt besitze ich schon mehr als 12 Millionen

mehr als 12 Millionen

Mehr als 12 Millionen

 

Ratgeberbücher zu der Frage „Wie werde ich reich und berühmt?“ leiden meist darunter, dass man von ihren Autoren zuvor noch nie gehört hat. Wenn die die Antwort kennen – warum sind sie dann selbst so wenig bekannt? Doc Baumann dagegen ist seit 30 Jahren vielen als Verfasser hilfreicher Ratschläge vertraut. Vielleicht ist es daher auch für Sie von Interesse, wie es bei ihm mehr als 12 Millionen werden konnten.

 

Ich sitze ja nicht ständig da und zähle. Aber neulich wollte ich es doch mal genau wissen. Natürlich dauert so ein Vorgang eine ganze Weile, und als alles zusammengestellt war, kam eine ansehnliche Summe dabei heraus: 12.695.252. Damit hatte ich ehrlich gesagt selbst nicht gerechnet.

Nie hätte ich zu Beginn meines Berufslebens auch nur geahnt, dass da später mal eine solch beeindruckende Zahl stehen würde. In der Regel – das kenne ich von allen Kolleg/innen – kann man nur mit annähernder Sicherheit sagen: Es wird immer mehr im Laufe der Jahre, selten weniger. Und wenn doch, dann meist nicht absichtlich, sondern weil man einen gravierenden Fehler gemacht hat (oder bösartige Dritte mit schlechten Absichten dafür gesorgt haben, dass es mit einem Schlag deutlich bergab ging). Man erwartet nicht, dass die gerade ermittelte Zahl für immer und ewig gleich bleibt – aber man ist dann doch erstaunt, dass es viele, viele Millionen sind.

Was einem vielleicht kaum jemand glaubt: Schaue ich mir das so im Detail an, kann ich durchaus bei etlichen Hunderttausend sagen, aus welcher Quelle sie einst gekommen sind. Etwas beunruhigend ist dagegen, dass ich diese Antwort bei vielen Millionen nicht kenne. Das könnte den Eindruck erwecken, ich lebte in den Tag hinein und nähme einfach mit, was sich so anbietet, ohne Sinn und Verstand. Das entspricht nicht meinem Selbstbild. Dennoch bleibt da am Ende eine eindeutige Zahl von mehr als 12 Millionen: 12.695.252. Und das ist der Stand etwa vom letzten Wochenende. Würde ich erneut zählen, wäre es sicherlich schon wieder deutlich mehr.

 


Wie wurden es mehr als 12 Millionen?


Ich erinnere mich, als ich vor rund 35 Jahren meinen ersten kleinen Apple Macintosh kaufte und frühe Erfahrungen mit dem Computer zu sammeln begann, dass ich erst einmal auf der 400-KB-System-Diskette nachschaute, welche Daten sich dort befinden. Alles, was ich löschen könnte, würde mir wertvollen Speicherplatz für eigene Daten schaffen. Auf der ganzen Diskette waren, wenn ich mich recht erinnere, nicht mehr als 20 Dateien (und außerhalb der Diskette gab es nichts). Etliche von ihnen verweigerten auf Doppelklick hin eine klare Funktion und hatten komische Namen, so dass es mir naheliegend erschien, sie auf der grafischen Benutzeroberfläche (brandneue Erfindung!) mit der Maus (brandneue Erfindung!) zu packen und in den Papierkorb (brandneue Erfindung!) zu werfen. Nun war zwar für Platz gesorgt, doch beim folgenden Systemstarrt tat sich leider gar nichts mehr. Ich musste also kleinlaut meinen Händler anrufen, ihm meine etwas ruppige Vorgehensweise beichten und brav seinen Ratschlägen folgen, wie ich die – offenbar nicht wirklich überflüssigen – Dateien zurück auf meine System-Diskette bekam.

Nun, und seit damals sind es einfach immer mehr geworden. Das ist einerseits kein Wunder: Texte und Abbildungen zu zahllosen Artikeln und rund 30 Büchern, die Layouts und Komplettdaten zu 82 DOCMA-Ausgaben, Tausende Bilddateien und Textnotizen zu meinem Roman-Projekt, Zehntausende Mails, weit über 100.00 Fotos, dazu Gutachten, Brieftexte, Abrechnungen, Steuererklärungen, Gebrauchsanweisungen … Aber lassen wir das alles zusammen mal großzügig 300.000 Dateien sein – wo kommen dann die verbleibenden 12,3 Millionen her?

Natürlich spielt das Geizen mit Speicherplatz nicht mehr die gleiche Rolle wie in der Anfangszeit, als es Luxus bedeutete, nicht nur über das eingebaute 400-KB-Diskettenlaufwerk zu verfügen, sondern sich für viel Geld ein zweites, externes, mit derselben Kapazität zu gönnen, so dass mir nun sagenhafte 800 KB zur Verfügung standen. Damit wurden die Systemdateien zugänglich gehalten samt Fonts und dergleichen, das gerade benutzte Anwendungsprogramm, die damit erstellte Datei, an der man gerade arbeitetete …; nun gut, immer reichte das nicht aus, so dass Aufforderungen nicht selten waren, Diskette B auszuwerfen und stattdessen etwa Diskette F reinzuschieben, danach gab es ein endloses Geruckel mit dem Versuch, ein paar Kilobyte in den winzigen Arbeitsspeicher zu schieben, Diskette raus, Diskette rein, irgendwann ging es weiter mit der Arbeit.

Wie erholsam war da doch das Leben mit der ersten Festplatte! 30 MB hatte meine erste externe ein paar Jahre später; da passte der komplette Inhalt von 75 Disketten drauf! (0der heute eine kleine Photoshop-Datei mit ein paar Ebenen …)


Mehr als 12 Millionen, die ich gar nicht will


Rausbekommen habe ich das mit den mehr als 12 Millionen Dateien auf meiner Festplatte eher am Rande, als ich mal meinen kompletten Datenbestand auf Schadsoftware scannen ließ (nach ein paar Minuten war der Fortschrittsbalken bei 99% angekommen und hatte sieben Dateien erfasst; für manche Datei, angeblich nur ein JPG, brauchte die Software viele Minuten, manchmal ging es hunderterweise pro Sekunde. Die 12.695.252 waren in 140 Stunden abgearbeitet.

Sicherlich käme ich ohne merkliche Einschränkungen durchs Leben, wenn 90% dieser Daten sich in Luft auflösten. Nur welche genau sind das? Aber so erkennt Programm A jeden irgendwo irgendwann produzierten Drucker, würde der jemals angeschlossen, und Programm B käme mit den RAWs aus jeder Kamera klar. Und wer weiß, welche für mich völlig irrelevanten Daten sonst noch dort hausen.

Ich würde auf diese unerwünschten 12 Millionen wirklich gern verzichten! Auch das ist eine Form von Reichtum, die nicht glücklich macht.

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