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Bilder gestalten wie die Alten Meister: Die Netzflickerinnen

In der dritten Folge meiner Reihe „Bilder gestalten wie die Alten Meister“ zeige ich in der neuen DOCMA anhand von drei Gemälden, welche entscheidende Rolle der Hintergrund im Bild spielen kann. Hier stelle ich nun als Zugabe noch ein viertes Bild vor: Max Liebermanns Die Netzflickerinnen.

Die Netzflickerinnen
Der unterschätzte Hintergrund, DOCMA 95, Seite 108–110

Wenn ich in der Hamburger Kunsthalle eine Sonderausstellung besuche, schaue ich mir zum Abschluss immer noch einige meiner Lieblingsbilder aus der ständigen Sammlung an. Edvard Munchs Mädchen auf der Brücke beispielsweise, Anita Rées Selbstbildnis von 1930, Philipp Otto Runges Die Hülsenbeckschen Kinder, Caspar David Friedrichs Das Eismeer – und Die Netzflickerinnen von Max Liebermann.

Die Netzflickerinnen
Max Liebermann: Die Netzflickerinnen (1887/89)

Im 19. Jahrhundert waren Netzflickerinnen ein beliebtes Sujet der Genremalerei; auch van Gogh beispielsweise hat dieses Thema behandelt. Die Bilder zeigen Frauen, die zerrissene Maschen in Fischernetzen reparieren. Max Liebermanns großformatigem Gemälde von 1887/89 gingen mehrere Versionen voraus, in denen es kein klares Vordergrundmotiv gab. Erst der endgültigen Fassung fügte er eine junge Frau hinzu, die im Begriff ist, ihr Netz auszubreiten. Der Maler hat eine leichte Untersicht gewählt, wodurch die breitbeinig dem Wind trotzende Fischersfrau die Szene noch stärker dominiert.

Die Netzflickerinnen

Mit Netzen assoziiert man Fischer, Schiffe und die See, aber nichts davon ist im Bild zu sehen. Der Blick der jungen Frau geht in die Ferne, zum Horizont, und es steht zu vermuten, dass dort das Meer liegt, auf dem ihr Mann seinem nicht ungefährlichen Broterwerb nachgeht. Darauf, und nicht auf das zu reparierende Netz in ihren Händen, richten sich offenbar ihre Gedanken. Entscheidend für die Wirkung des Gemäldes ist also ein unsichtbares Hintergrundmotiv, dessen Existenz man erst aus dem Zusammenhang erschließen muss.

Der Hamburger Maler Hans Northmann widmete sich rund 40 Jahre später demselben Thema. Sein Gemälde Netzflickerinnen in den Dünen von 1927 zitiert Liebermanns Bild, das er sicher aus der Kunsthalle kannte, wo es seit 1889 hängt.

Die Netzflickerinnen
Hans Northmann: Netzflickerinnen in den Dünen (1927)

Northmann hat Liebermanns Hauptfiguren übernommen, die weite Ebene aber durch eine Dünenlandschaft im hellen Sonnenlicht ersetzt. Hinter den Dünen erkennt man ein Segelboot auf dem Meer, und auf dieses scheint sich der Blick der Fischersfrau zu richten.

Max Liebermann dagegen genügten schon Andeutungen. Er schaffte es mit seiner Kunst, im Geist des Betrachters die Vorstellung eines Hintergrunds zu evozieren, ohne diesen überhaupt darzustellen, und auch diese Fähigkeit macht seinen Rang als Künstler aus.

In der Krimiserie Art of Crime ermittelt der Polizist Antoine Verlay von der Abteilung zur Bekämpfung illegalen Kunsthandels mit der Kunsthistorikerin Florence Chassagne. (Bild: ZDF)

Bei der Gelegenheit … Wenn Sie sich für Kunstgeschichte interessieren, hätte ich noch eine Empfehlung: Art of Crime, eine französische Krimiserie mit bislang drei Staffeln, besteht zu etwa gleichen Teilen aus Krimi, Kunstgeschichtslektion und Romantic Comedy. So etwas bekommen nur die Franzosen hin, oder vielleicht noch Woody Allen. Die dritte Staffel können Sie in der ZDF-Mediathek sehen, die vierte soll im nächsten Jahr auf ZDFneo folgen.

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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